Die Wasserqualität deutscher Badegewässer

Sommer und Sonnenschein, das bedeutet für viele Schwimmer: Raus aus der Schwimmhalle, rein ins Freiwasser. Doch ist das heimische Trainingsrevier eine saubere Sache? Die Biologin Dr. Regine Szewzyk vom Umweltbundesamt in Berlin sagt, worauf Sie achten sollten.

| 30. Juni 2011 | Training

Open-Water-Schwimmen

Open-Water-Schwimmen

Photo > Frank Wechsel / spomedis

Frau Dr. Szewzyk, woran erkennt ein Schwimmer, ob ein Badegewässer verschmutzt ist?
Beim Baden gibt es zwei ­hygienische beziehungsweise mikrobiologische Gefahren: Krankheitserreger und ­Cyanobakterien. Ob Krankheitserreger in erhöhter Konzentra­tion vorliegen, kann ein Schwimmer nicht erkennen. Sie sollten aber auf allgemeine Verschmutzungsanzeichen achten: trübes Wasser, Müll im Umfeld, Weidetiere direkt am Gewässer. Die Gefahr durch Cyanobakterien können Sie durch die auffällige blaugrüne Färbung selbst erkennen. Es gibt eine Faustregel: Gehen Sie bis zu den Knien ins Wasser. Wenn Sie Ihre Zehen dann nicht mehr erkennen können, sollten Sie besser nicht schwimmen.

Welche Gewässer sind besonders gefährdet?
Gewässer mit erhöhter Nährstoffkonzentration und fäkaler Verunreinigung – darauf weisen die bereits erwähnten Anzeichen hin. Vor allem an Flüssen ist es schwierig, eine gute Badegewässerqualität zu erhalten: Oft werden Abwässer eingeleitet, bei Regen gelangen Verschmutzungen ins Wasser, das Sediment wird aufgewühlt.

Was sollte ein Schwimmer tun, der den Verdacht hat, sein Trainingsrevier sei verschmutzt?
Die Überwachung der Badegewässer ist Ländersache und je nach Bundesland sind unterschiedliche Behörden zuständig. Im Verdachtsfall sollten Sie bei der zuständigen Behörde nachfragen, ob das Gewässer überwacht wird und, falls nicht, wer eine Probennahme und Untersuchung durchführen könnte. Eventuell muss die Analyse dann aber selbst bezahlt werden.

Wie werden Wasserproben in Analyselabors ­beurteilt und ab wann sollte man ein Gewässer besser meiden?
Die Bezeichnung für die Qualität von Badegewässern ist in den Bundesländern leider nicht einheitlich und wird im Moment zusätzlich erschwert, da wir uns in der Übergangsphase zwischen der Beurteilung nach alter und neuer Badegewässerrichtlinie befinden. Ursprünglich gab es die unverbindlichen Kategorien „gut“, „akzeptabel“ und „unzureichend. In Zukunft wird es vier Kategorien geben: „ausgezeichnet“, „gut“, „ausreichend“ und „mangelhaft“. Bis „ausreichend“ gilt ein Gewässer als zum Baden geeignet. Aber das Risiko einer Infektion durch Krankheitserreger nimmt natürlich mit dem Grad der Verschmutzung von „ausgezeichnet“ bis „ausreichend“ zu. Deshalb gilt: Je sauberer, desto besser.

Mögliche Erreger in Gewässern
Blaualgen (Cyanobakterien)

Infektionsweg: oral (Schlucken von Wasser)

Inkubationszeit: 1-5 Stunden

Symptome: Magen-Darm-Beschwerden, Ausschlag, Leberschäden

Behandlung: Medizinalkohle, symptomatisch, u. U. Antidot

Kolibakterien (E. coli)

Infektionsweg: oral

Inkubationszeit: 15-50 Stunden

Symptome: wässriger Durchfall, Bauchkrämpfe

Behandlung: symptomatisch, u. U. Antibiotika

Hepatitis-A-Virus

Infektionsweg: oral

Inkubationszeit: 15-50 Tage

Symptome: gerippeähnliche Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gelenkschmerzen, Ausschlag, dunkler Urin, Gelbfärbung von Haut und Augen

Behandlung: Bettruhe, Alkoholverzicht, möglichst keine Medikamente

Leptospira-Bakterien

Infektionsweg: über die Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen

Inkubationszeit: 5-14 Tage

Symptome: grippeähnlich (Fieber, Schüttelfrost, Kopf-/Gliederschmerzen), Bindehautentzündung, Unterschenkelschmerzen, Leber- und Nierenschäden

Behandlung: Antibiotika, später nur noch symptomatisch

Norovirus

Infektionsweg: oral

Inkubationszeit: 6-48 Stunden

Symptome: heftiger Durchfall, Erbrechen

Behandlung: symptomatisch

Shigellen

Infektionsweg: oral

Inkubationszeit: 2-4 Tage

Symptome: heftiger Durchfall, Fieber, Bauchkrämpfe, Kopf- und Gelenkschmerzen

Behandlung: Antibiotika, symptomatisch

Wechseltierchen (Amöben)

Infektionsweg: oral

Inkubationszeit: 1-4 Wochen

Symptome: Durchfall, Leberabszess

Behandlung: Antibiotika