Britta Steffen ist eine der schnellsten Schwimmerinnen der Welt. Über 50 und 100 Meter Freistil hält die Doppel-Olympiasiegerin den Weltrekord.

Michael Rauschendorfer

Britta Steffen schwimmt den Vorlauf über 100 Meter F bei DM Berlin 2013
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Knowhow | 30. Mai 2013

Formel Code geknackt: So geht schnelles Schwimmen

Holger Lüning | Wie geht eigentlich schnelles Schwimmen? Man redet häufig über viele Feinheiten und Details, vergisst dabei aber gerne einmal, worum es im Kern der Sache geht. Der Code schnellen Schwimmens ist nämlich relativ einfach. Er lautet: Frequenz x Zykluslänge = Geschwindigkeit.
Doch was sich auf dem Papier oder in der Theorie einfach anhört, kann in der Praxis recht schwierig werden. Dabei ist es wichtig, sich immer wieder dieses Prinzips bewusst zu werden. Schließlich geht es gleich um mehrere Komponenten, die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Viel mehr noch – sie müssen ganz fein aufeinander abgestimmt werden, um dem Athleten zu seiner individuell besten Leistung zu befähigen.
Holger Lüning
Da ist zum einen die Frequenz. Damit umschreibt man die Bewegungszyklen pro Minute als Variable. In den Wechselschlag-Schwimmarten bedeutet es, dass pro Zyklus jeweils der linke und der rechte Arm die Bewegung komplett ausführt (ein Zyklus = zwei Armzüge). Beim Delfin- und Brustschwimmen hingegen beschreibt ein Zyklus genau einen Armzug und den entsprechenden Beinschlag. Diese gemeinsame Einheit macht die Schwimmarten untereinander vergleichbar und gibt den Sportlern zugleich ein Gefühl für die eigene Bewegungsgeschwindigkeit. Nämlich dann, wenn ihr Trainer regelmäßig die Frequenz misst.
Zum Autor
Holger Lüning (Jahrgang 1965) ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit über 25 Jahren Erfahrung im Hochleistungssport. Als Schwimmer war er Mitglied der Bundesligamannschaft des EOSC Offenbach gewann als Mastersschwimmer zahlreiche deutsche Meistertitel. Lüning ist Dozent in der Trainerausbildung und Autor von Fachbüchern und DVDs.

Regelmäßig Frequenz messen

Ist die Frequenz übermäßig hoch oder niedrig, könnte das ein Hinweis auf eine unsaubere Technik sein. Da der Gegendruck des Wassers mit zunehmendem Druck der Hand- und Unterarmfläche zunimmt, bleibt die optimale Frequenz ab einem gewissen Niveau relativ konstant.
Frequenz x Zyklusweg = Geschwindigkeit
Fällt die Frequenz stark ab, so fehlt es dem Sportler wahrscheinlich an spezifischer Kraft. Ist die Frequenz hingegen sehr hoch, könnte der Schwimmer dem angebotenen Wasserdruck ausweichen und somit eine Antriebschance verpassen.
Frequenz-Beispiele
StreckeNameZyklen/Minute
50m FreistilPieter v . d. Hoogenband60
100m FreistilRoland Schoeman50
200m FreistilIan Thorpe42
400m FreistilGrant Hackett40
1500m FreistilGrant Hackett38
100m BrustEd Moses46
200m BrustKosuke Kitajima37
100m RückenAaron Peirsol48
200m RückenMarkus Rogan42
100m Schmett.Michael Phelps54
200m Schmett.Michael Phelps49
Die Zykluslänge als zweite Variable beschreibt den zurückgelegten Weg innerhalb eines Bewegungszyklus`. Je größer der Streckengewinn ist, desto effektiver und sauberer ist die Technik des Schwimmers.
Das Schwimmen mit möglichst wenigen Zügen erlaubt zwar ein Ertasten der optimalen Zykluslänge, ist jedoch kein Hinweis auf schnelles Schwimmen. Denn das ist nur dann möglich, wenn sich der Zyklusweg bei einer sich erhöhenden Frequenz nicht verringert.

Durchdrehende Reifen

Das wäre vergleichbar mit einem durchdrehenden Autoreifen bei guten und schlechten Untergrund-Verhältnissen. Auf einem griffigen Untergrund und niedriger Drehzahl sichert man sich einen guten Zyklusweg. Fährt man hingegen auf Eis und der Reifen dreht durch, schwindet der Streckengewinn und die Frequenz spielt quasi keine Rolle mehr.
Tempo entwickelt sich folgerichtig aus einem Optimum aus Frequenz und Zyklusweg. Im Training ist das Herantasten an die individuell beste Frequenz deshalb ein wichtiger Inhalt. Um zu verhindern, dass der Sportler „am Wasser vorbei zieht“ aber auch um sicherzustellen, dass die Bewegung nicht zu langsam wird.

Tempovariationen

Tempovariationen schulen das motorische System genauso wie die Zuhilfenahme von technischen Hilfsmitteln wie Paddles oder Kurzflossen. Auch hier gilt, dass die gut dosierte Variation im Training die Wahl der Mittel ist.
Lange und einförmige Belastungen, die zu einem Einschleifen einer Bewegungsgeschwindigkeit führen, könnten im schlimmsten Falle damit enden, dass der Schwimmer nicht mehr in der Lage ist, aus dieser Bewegungsmonotonie auszubrechen. Man spricht dann von einer Geschwindigkeitsbarriere. Überwinden Sie diese Barriere deshalb immer wieder und fordern Sie sich im Training auf vielfältige Weise.

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