Abschlagschwimmen: Risiken und Nebenwirkungen

Das Schwimmen ist allein schon wegen des Aufenthalts in einem fremden Medium eine schwierige Angelegenheit. Anders als beim Laufen handelt es sich nicht um eine natürlich erlernte Bewegung. Deshalb spielen technische Übungen wie das Abschlagschwimmen eine wichtige Rolle.

| 21. Januar 2016 | Training

Kraultechnik-Übung 1: Abschlag

Beim Abschlagschwimmen bekommen Sie ein Gefühl für den Rhythmus.

Photo > Frank Wechsel / spomedis

Abschlagschwimmen: Risiken und Nebenwirkungen

Schwimmen ist eine Lifetime-Sportart! Das Schweben in der Quasi-Schwerelosigkeit gilt seit jeher als wichtige Entlastung des Bewegungsapparats bei gleichzeitiger Stärkung des selben. Eine schlagkräftige Kombination für jedes Alter. Tatsächlich erlaubt uns der Aufenthalt im Wasser und die Reduktion des eigenen Körpergewichts auf ungefähr zehn Prozent dessen was wir an Land wiegen, enorme Freiheiten. So können wir uns drehen und rollen, wir können tauchen und springen – und im Prinzip jede Körperlage einnehmen, die wir uns wünschen.

Holger Lüning

Holger Lüning

Photo > privat

Grenzenlose Freiheit

Diese fast grenzenlose Freiheit hat aber auch einen Haken. Immer dort, wo es fast maßlose Freiheiten gibt, ist das Chaos nicht weit. Und das trifft auf das Schwimmen besonders deshalb zu, weil wir kaum in der Lage sind, die eigenen Bewegungen zu beobachten, zu bewerten und zielgerichtet zu korrigieren. Das Schweben im Wasser ist somit Fluch und Segen zugleich – vor allem dann, wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst schnell und effektiv durch das Wasser zu pflügen. Deshalb haben sich technische Übungen als ein wichtiges Trainingsmittel etabliert.

Technikübungen (TÜ) eignen sich, um die Sensibilität für das Fassen des Wassers, die eigene Koordination, das Gefühl für die Stellung der einzelnen Körperteile und Antriebsflächen zu verbessern, um damit die Schwimmtechnik nach und nach zu verfeinern. Doch muss man neben all diesen positiven Aspekten auch konstatierten: Allein die Durchführung von Technikübungen garantiert noch keine Technikverbesserung.

Keine zwangsläufig Verbesserung

Ein sehr prominentes Beispiel ist das Abschlagschwimmen. Das Abschlagschwimmen, also das stark verzögerte Ziehen mit einer Verlängerung der Gleitphase beim Kraulschwimmen, ist eine Basisübung, die sich im Repertoire eines jeden sportlichen Schwimmers befindet. Doch auch hier gilt: Das alleinige Durchführen dieser Übung garantiert nicht zwangsläufig eine technische Verbesserung in der Gesamtlage.

Rod Havriluk, Präsident von Swimming Technology Research, mahnt zur Vorsicht. Das Abschlagschwimmen wäre ein denkbar schlechtes Modell für einen technisch guten Schwimmstil. Würde man diese Übung nämlich zu häufig durchführen, bestünde die Gefahr, das verlangsamte Zugmuster mit dem überbetont langen Liegenlassen des gestreckten Arms, in die normale Schwimmtechnik zu übernehmen. Eine Verführung, die besonders auf Einsteiger und Hobbyschwimmer lauert.