Schneller Schwimmen dank weniger Muskelzerstörung

Training ist der gewollte und geplante Angriff auf gesunde Strukturen im Organismus. Das heißt natürlich nicht, dass man eine vorsätzliche Schädigung vornimmt. Vielmehr dienen die wohl dosierten Stressmomente dazu, den Körper zu einer Anpassung zu bewegen.

| 23. Oktober 2014 | TRAINING

Wasser04 | Die Wasserwelt mal anders.

Die Wasserwelt mal anders.

Foto >Silke Insel / spomedis

Grundlegend für die Effizienz des Trainings ist deshalb: Je schneller ein Sportler regeneriert, desto häufiger kann er im intensiven Bereich trainieren und auf bessere Anpassungsprozesse hoffen.

Die Ernährung spielt dabei eine größere Rolle als man gemeinhin annimmt. Bricht man die Theorie auf einen Satz herunter, so muss es heißen: „Je häufiger ein Sportler in gutem Zustand intensiv trainieren kann, desto höher wird seine Trainingsqualität!“ Es ist nicht nur wichtig, was man während des Trainings macht, sondern auch wie die Vor- und Nachbereitung gestaltet wird.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Wissenschaftler in Taiwan haben dazu im Jahr 2004 eine Untersuchung an 19 bis 22 Jahre alten Studenten durchgeführt, die sich mit den Auswirkungen des Schwimmtrainings befasst. Während des 15-tägigen Versuchs teilte man die Teilnehmer in zwei Gruppen auf. Die Mitglieder der ersten Gruppe nahmen ein Nahrungsergänzungsmittel zu sich, die anderen erhielten Placebo. Inhalt der Nahrungsergänzung war ein Komplex aus zwölf Gramm Glukose und zwölf Gramm BCAA-Aminosäuren (im Detail: 54% Leusin, 19% Iso-Leusin, 27% Valin).

BCAA

Branched-Chain Amino Acids sind Aminosäuren, die aus den Eiweißbausteinen Leucin, Iso-Leucin und Valin bestehen. Es sind essentielle Aminosäuren, die der Körper nicht selber produzieren kann und somit zugeführt werden müssen. BCAA sind am Muskelaufbau und an der Muskelversorgung beteiligt. Außerdem haben sie einen wesentlichen Einfluss auf die Bildung von Gewebe, unterstützen die Wundheilung und den Stoffwechsel.

Nach einem 600-Meter-Eingangstest absolvierten alle Studenten über zwei Wochen ein moderates Trainingsprogramm, um am 15. Tag zu einem Test über 25 Minuten Dauerschwimmen und einem anschließenden 600-Meter-Test anzutreten. 20 Stunden später wurden verschiedene Parameter gemessen, die Aufschluss über den Grad muskulärer Schäden gaben. In der Placebo-Gruppe fanden sich im Urin erhöhte Konzentrationen von Stickstoff, Hydroxyprolin und Methyhistamin. Die BCAA-Gruppe hingegen wies keinerlei Werte auf, die auf eine Schädigung der Muskulatur hinwiesen. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass es dank der Supplementierung mit BCAA zu einem signifikant geringeren Protein-Zerfall kam.

Schneller einsatzfähig

"Geschützte Muskeln" sind schneller wieder einsatzfähig und vertragen damit auch höhere Trainingsintensitäten oder –umfänge. Diese Aussage wird untermauert durch eine 6-Wochen-Studie an Kanuten, die durch die ergänzende Einnahme von Leucin während dieser Trainingsphase, eine signifikant verbesserte Ausdauer- und Kraftleistung zum Ende der Trainingszeit realisieren konnten als eine Vergleichsgruppe ohne Ergänzung der Ernährung.

Die Autoren der taiwanesischen Studie um Leiter Fu-Chun Tang empfehlen auf der Grundlage ihrer Untersuchung eine tägliche Einnahme von 10-15 Gramm BCAA, um die Effekte eines verbesserten Muskelschutzes zu nutzen und die Wirksamkeit des Trainings damit zu steigern. Viele Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln haben diese Erkenntnisse seit einiger Zeit in die Gestaltung Ihrer Produkte aufgenommen und kombinieren beispielsweise hochwertige Proteine und Kohlenhydrate in sogenannten Recovery-Shakes, -Trinkampullen oder –Riegeln.