Ernährung | 18. April 2011

Gerüchteküche und Küchengerüchte Die Wahrheit hinter den Ernährungs-Mythen

Frank Wechsel | Senf macht dumm, Alkohol hält warm, Sellerie steigert die Potenz – unglaublich, welch zauberhafte Wirkungen vielen Dingen zugesprochen werden, die wir zu uns nehmen. Was ist dran an der Gerüchte-Küche für Sportler?
swim.de geht den Sachen auf den Grund: Was ist dran an der Gerüchte-Küche für Sportler?

Bei Krämpfen hilft Magnesium

Magnesiummangel kann (muss aber nicht!) die Ursache eines bei der Belastung auftretenden Krampfes sein. Meistens liegt eine andere Ursache wie zum Beispiel ein orthopädisches Problem, ein Substratmangel oder schlicht und einfach eine Über- oder Fehlbelastung vor. Ein Magnesiummangel sollte vom Arzt abgeklärt und dann entsprechend fachkundig substituiert werden. Keinesfalls aber lässt sich – wie in Kraftsportlerkreisen oftmals geglaubt wird – ein Krampfzustand durch Magnesiumgaben durchbrechen.

Spinat ist sehr eisenhaltig

Nicht nur Generationen von Kindern, sondern auch die Zeichner der Komikfigur Popeye sind auf einen banalen Messfehler hereingefallen: Um eine Kommastelle geringer ist die Eisenkonzentration im Spinat als nach dem Kunstfehler zunächst vielfach publiziert wurde. Die Eisenhaltigkeit des Spinats ist sicher eines der hartnäckigsten Gerüchte, die sich um unsere Ernährung ranken. Außerdem: Der Körper kann Eisen aus tierischen Produkten viel besser verwerten!

Alkohol hält warm

"Jetzt einen Grog!" Wer meint, seinen Wärmehaushalt nach dem Winterlauf mit Hochprozentigem regulieren zu können, befindet sich auf dem Holzweg. Alkohol führt zu einer Gefäßerweiterung in der Körperperipherie: An der Körperoberfläche erweitern sich die Blutgefäße, die Haut wird besser durchblutet – und gibt damit sehr viel Wärme aus dem Körperinneren an die Umgebung ab. Das Wärmegefühl nach dem Genuss alkoholischer Getränke hat nichts mit dem tatsächlichen Wärmehaushalt des Körpers zu tun.

Dunkles Brot ist gesund

Vollkornbrot ist nicht immer dunkel! Die Farbe des Brotes hat nicht viel damit zu tun, ob tatsächlich alle Kornbestandteile ins Mehl gelangt sind. Viele Bäckereien nutzen diesen landläufigen Irrtum, um die Absatzzahlen ihrer Produkte zu steigern – indem sie spezielle Mehlmischungen verwenden oder schlicht und einfach Farbstoffe in die Backmischung geben. So können auch helle Brote durchaus aus dem Mehl des vollen Korns gebacken worden sein.

Pilze darf man nicht aufwärmen

Auch schon passiert: Heißhunger nach dem Training, schnell Nudeln gekocht, die Pilzsoße drüber – und nach dem ersten Teller pappsatt? Was tun? Pilze darf man doch nicht aufwärmen... Doch warum eigentlich nicht? Die Wissenschaft hat noch keine Belege für dieses Gerücht gefunden, das auf der Rangliste der Küchengerüchte gleich nach dem Spinat den zweiten Platz einnimmt.

Säfte halten schlank

Rank und schlank mit Fruchtsäften: Was die Überschriften mancher Frauenzeitschriften suggerieren, muss nicht immer zutreffen. Natürlich kann man zunächst abnehmen, wenn man sich nur von Säften ernährt. Aber wer sich durch die festen Lebensmittel schon "normal" ernährt, der nimmt mit Fruchtsäften eine enorm hohe Energiekonzentration zusätzlich zu sich. Wussten Sie, dass zwei, drei Liter eines 100-prozentigen Fruchtsaftes locker den halben Tages-Energiebedarf eines "Durchschnittsmenschen" ausmachen können? Verdünnen Sie den Saft lieber im Verhältnis von 1:3 mit Mineralwasser. Womit wir beim nächsten Thema wären

Apfelsaftschorle ist der ideale Durstlöscher

Was für den Alltag zustimmen mag, kann beim Marathon im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose gehen. Die Zuckerkonzentration im Apfelsaft ist – wie schon beschrieben – sehr hoch, was im Extremfall zu Durchfällen unter der Belastung eines Laufwettkampfs führen kann. Auch der Gehalt an Fruchtsäuren kann den durch die Belastung sensibilisierten Magen überlasten.

Fettfreie Nahrung ist die beste

Die Low-Fat-Bewegung hat vor allem in den USA zu einer bedenklichen Entwicklung geführt: Fette werden ohne Rücksicht auf Verluste überall reduziert, auch dort, wo es nicht sinnvoll ist. Wussten Sie, dass die Vitamine A, D, E und K sich nicht im Wasser, sehr wohl aber in Fett lösen lassen? Für eine Resorption im Darm ist Fett daher unbedingt notwendig – also auch in der Salatsoße. Auch sollten Sie an eine optimale Versorgung mit hochwertigen Fetten an sich (z. B. Omega-3-Fettsäuren) sorgen.