Das entscheidende dritte Teilstück

Wenn Sie Bestzeit schwimmen wollen, brauchen Sie mehr als gutes Training und einen perfekten Tag. Mit unseren Tipps verbinden Sie Taktik und Können zur erfolgreichen Strategie.

| 13. April 2017 | TRAINING

Zwei Topschwimmer kämpfen bei Olympia um den Sieg.

Zwei Topschwimmer kämpfen bei Olympia um den Sieg.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Epilog

Rio, Olympische Spiele, Männerfinale 200 Meter Freistil: Auf der Außenbahn sucht Chad le Clos vom Start weg sein Heil in der Flucht, wendet nach 100 Metern mit großem Vorsprung. Doch dann schlägt die Stunde des Favoriten. Sun Yang schwimmt die schnellste dritte Bahn aller Finalisten und macht eine Sekunde gut. Auf der Schlussbahn hat der Chinese die größten Reserven. Gold vor le Clos und Conor Dwyer.

Die 200 Meter sind im Schwimmen eine harte Strecke. Zum Sprinten zu lang, für ein Ausdauerrennen zu kurz. Ganz besonders zeigt sich dies auf den dritten 50 Metern. Einerseits ist der Druck der Gegner in diesem Segment enorm hoch, andererseits muss man gegen die zunehmende Ermüdung ankämpfen. Gelingt es, in diesen entscheidenden Momenten, locker und zuversichtlich zu bleiben, scheinen die Chancen gut zu stehen, ein individuell schnelles Rennen zu schwimmen. In Rio schwammen fünf der sechs Medaillengewinner bei den Männern und Frauen starke dritte 50 Meter. Trotz Endspurts waren ihre Schlussbahnen am langsamsten.

 

Männer, 200 m Feistil, Finale

PlatzName50 m50 m50 m50 mGesamt

1

Sun Yang

24,87

26,70

26,37

26,71

1:44,65

2

Chad le Clos

23,39

26,97

27,35

27,49

1:45,20

3

Conor Dwyer

24,54

26,67

26,60

27,42

1:45,23

4

James Guy

24,78

26,46

27,46

26,79

1:45,49

5

Townley Haas

24,88

26,62

27,47

26,61

1:45,58

6

Paul Biedermann

25,17

26,64

27,21

26,82

1:45,84

7

Kosuke Hagino

24,79

27,08

27,50

26,53

1:45,90

8

Alexandr Krasnykh

24,79

26,94

26,85

27,33

1:45,91

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PlatzName505050 m50 mGesamt

1

Katie Ledecky

27,00

28,43

29,12

29,18

1:53,73

2

Sarah Sjöström

26,84

29,02

29,09

29,13

1:54,08

3

Emma McKeon

26,64

28,73

29,80

29,75

1:54,92

4

Federica Pellegrini

27,09

29,36

29,39

29,34

1:55,18

5

Duo Shen

27,07

28,83

29,77

29,58

1:55,25

Bronte Barrat

27,35

29,05

29,62

29,23

1:55,25

7

Michelle Coleman

26,82

29,33

29,80

30,32

1:56,27

8

Charlotte Bonnet

26,95

29,48

29,85

30,01

1:56,29

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Einen Berg erschwimmen

Auch wenn Sie sich vielleicht fragen, was eine Bergtour mit einem Artikel über die Renntaktik im Schwimmen zu tun hat. Darf ich Sie dennoch auf eine Gipfeltour mitnehmen? Es wird genau das, was Sie mögen: eine echte Herausforderung. Mit gepacktem Rucksack geht es in den frühen Morgenstunden los. Motiviert und gespannt angesichts dessen, was der Tag so bringt, fallen die ersten Schritte leicht. Auch Ihre Begleiter sind frohen Mutes, dass die Vorbereitungen auf diesen Tag Ihnen dazu verhelfen werden, den Berggipfel bei bester Laune zu erreichen. Los geht´s!

Fulminant und voller Leichtigkeit geht es in die ersten Höhenmeter hinein. Das Gehen in der Steigung bereitet kaum Mühe, die Kraft in den Beinen verleiht einen sicheren Tritt. So kann es weitergehen, denken Sie bei sich und genießen diesen Moment. Auch der folgende Abschnitt ist gekennzeichnet von dem Gefühl, so richtig im Rhythmus zu sein. Ihre Kameraden scherzen und man ist voller Zuversicht, das Ziel in der geplanten Zeit zu erreichen.

Finale | Im 200-m-Freistilfinale von Rio ging es eng zur Sache.

Im 200-m-Freistilfinale von Rio ging es eng zur Sache.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Mit den Kräften haushalten

Nach einer Weile und der erfolgreichen Besteigung der ersten Hälfte der zu erwartenden Höhenmeter wird Ihnen aber nun auch bewusst, wie weit der Gipfel noch entfernt ist. Besonders in der Rückschau auf die erste Hälfte lässt sich die zweite Hälfte noch besser einschätzen. Es wird Zeit, mit den Kräften zu haushalten und sich etwas von der Energie aufzubewahren, um nicht kurz vor dem Ziel zu straucheln. Schnell noch eine kleine Pause eingelegt, etwas gegessen und getrunken und mit dosiertem Elan in das dritte Teilstück. Der Weg ist das Ziel denken Sie und tatsächlich erleben Sie die ersten Momente der spürbaren Ermüdung. Der Schritt hat seinen Rhythmus zwar gefunden, doch Sie erahnen dabei auch die Limitierung der Restenergie. Besonders tief wirkt dieses Gefühl als Sie bemerken, wie einige Ihrer Kameraden noch immer bei bester Laune sind. Bin ich wirklich fit genug, um mithalten zu können, fragen Sie sich?