Der Anteil der Beinarbeit am Gesamttempo

Eine Frage, die sich viele Schwimmer stellen: Wie hoch ist eigentlich der Anteil der Beinarbeit am Gesamttempo? Australische Wissenschaftler sind der Sache auf den Grund gegangen. Das Ergebnis: etwa vier bis fünf Prozent.

| 30. März 2017 | TRAINING

Beine | Was bringen die Beine wirklich beim Schwimmen?

Was bringen die Beine wirklich beim Schwimmen?

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Die Beinarbeit beim Kraulschwimmen wird gern als weniger wichtig angesehen. Schließlich ist der Beitrag zur Entwicklung der Gesamtgeschwindigkeit deutlich niedriger als jener der Armarbeit. Soviel ist bekannt. Hinzukommt, dass der Energieaufwand durch die großen Muskelgruppen an den unteren Extremitäten sehr hoch ist. Hoher Aufwand für wenig Ertrag? Eine Forschergruppe aus Queensland (Australien) berichtete 2016 im International Journal of Sports Physiology and Performance über ihre Untersuchung, die genaueren Aufschluss geben sollte.

Test mit Eliteathleten

Gemessen wurden die Geschwindigkeit, die notwendige Sauerstoffaufnahme und die Arbeit des Stoffwechsels, die für die Leistungserbringung von Armen und Beinen erbracht werden musste. Dabei schwammen erfahrene Athleten aus dem Elitebereich einen 200-Meter-Test in insgesamt sechs Durchgängen. Zweimal wurde die Strecke in ganzer Lage geschwommen, zweimal ausschließlich mit den Armen und zweimal nur mit den Beinen. Mittels einer Tempovorgabe in Form einer Lichtleiste, die am Beckenboden befestigt war, wurde die Intensität auf 65 und 78 Prozent (jeweils +/- 3 %) der jeweils individuellen 200-Meter-Freistil-Bestleistung festgelegt. Die gefühlte Intensität entsprach somit dem Bereich „niedrig“ und „moderat“.

Die Schlagraten bei den Versuchen mit isolierter Arm- bzw. Beinarbeit entsprachen den zuvor bei den beiden in ganzer Lage geschwommenen 200-Meter-Distanzen ermittelten Werten der jeweiligen Intensitätsstufen.

Beintempo teuer erkauft?

Das Ergebnis? Der Geschwindigkeitsbeitrag der oberen Gliedmaßen war erwartungsgemäß weitaus größer. So wurde beim Intensitätslevel „niedrig“ etwa 64 Prozent und beim Level „moderat“ 60 Prozent anteiliger Beitrag der Armarbeit am Gesamttempo gemessen. Im Falle der unteren Extremitäten lag der Anteil jeweils bei 4 bis 5 Prozent. Der metabolische Aufwand lag bei der Armarbeit bei ca. 55 Prozent, jener der Beinarbeit bei 56 Prozent. Es scheint, als würde der geringe Tempobeitrag der Beintätigkeit energetisch betrachtet teuer erkauft.

Somit konnten die australischen Wissenschaftler der University of Queensland aufzeigen, dass der Energieaufwand der Beinarbeit überproportional hoch im Vergleich zum Tempobeitrag ist. Folgerichtig spielt die Beinarbeit zwar eine untergeordnete Rolle hinsichtlich der Tempoentwicklung. Jedoch sind die Beine neben der Speed-Entwicklung noch für einen weiteren Punkt mitverantwortlich, der eher sekundär das Tempo unterstützt.

Ja, aber ...

So ist die Position der Wasserlage erheblich von der Qualität des Beinschlags abhängig. Aus diesen Ergebnissen zu schließen, dass das Training der Beinarbeit und auch der hohe Einsatz in einem Rennen unverhältnismäßig erscheinen, muss also entschieden entgegen getreten werden. Stabilisieren Sie die Wasserlage mittels einer guten Technik der Beinarbeit, so steigt die Effizienz der Armarbeit. Nämlich insofern als dass der gegebene Aufwand dank der niedrigeren Wasserwiderstände noch effizienter in Tempo umgewandelt werden kann. Oder einfach gesprochen: Schlechte Beinarbeit kann die Wasserlage derart strömungsungünstig und minderwertig werden lassen, dass selbst die beste Armarbeit nichts mehr nutzt. Trotz der Ergebnisse gilt deshalb: Vergessen Sie das Kicken also nicht!