Dass Rekord-Olympiasieger Michael Phelps neben einer überragenden Technik auch über eine gut ausgeprägte Physis verfügt, ist kaum zu übersehen.

Speedo

Michael Phelps
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Athletik | 16. Mai 2013

Kraft Die unterschätzte Fähigkeit beim Schwimmen - Theorie

Holger Lüning | Wer meint, beim Schwimmen käme es ausschließlich auf die Ausdauer an, liegt falsch. Die Kraft ist eine von vielen Ausdauersportlern sträflich vernachlässigte konditionelle Fähigkeit. Im Krafttraining steckt enormes Potenzial.
Lesen Sie im zweiten Teil über den Aufbau und die Durchführung des Krafttrainings in der Praxis.
Dürfen wir Sie auf eine kleine Zeitreise mitnehmen? Gehen Sie doch mal in die Zeit zurück, die Sie selbst auch erlebt haben – wenn auch nicht mehr bewusst abrufbar. Denken Sie nämlich an den Moment zurück, als Sie sich als kleines Kind zum ersten Mal fortbewegt haben und mobil wurden. Sei es durch Robben, Krabbeln oder Gehen. Welche Fähigkeit hat Ihnen neben der koordinativen Bewältigung am meistens geholfen?
Holger Lüning
Richtig: Kraft! Ihre eigene Muskelkraft hat Ihnen geholfen, mobil zu werden. Das war bereits Ihr erster Kontakt mit einem Kräftigungstraining! Und so wird dann auch schnell deutlich, dass jede Bewegung auf der Grundlage von individueller Muskelkraft realisiert wird.
Zum Autor
Holger Lüning (Jahrgang 1965) ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit über 25 Jahren Erfahrung im Hochleistungssport. Als Schwimmer war er Mitglied der Bundesligamannschaft des EOSC Offenbach gewann als Mastersschwimmer zahlreiche deutsche Meistertitel. Lüning ist Dozent in der Trainerausbildung und Autor von Fachbüchern und DVDs.
Zugseilübung zur Stärkung des großen Rückenmuskels.
©allwetterkind.de
Können Sie sich vorstellen, lediglich Ausdauer und keinerlei Kraft zu besitzen? Natürlich nicht, denn es wird sofort klar, dass mit dem Verlust an Kraft jede Bewegung unmöglich wird. Das spürt man besonders, wenn man z.B. durch eine Verletzung bettlägerig war und die Kraft spürbar abnimmt. Kraft ist folgerichtig eine der wichtigsten konditionellen Fähigkeiten, die wir besitzen. Sie ist sogar Grundlage einer jeden Bewegung!

Ohne Kraft geht es nicht

Doch müssen wir leider auch gleich eine Warnmeldung hinter herschieben. Ihre Maximalkraft nimmt ab Eintritt in das 30. Lebensjahr statistisch um eineinhalb Prozent pro Jahr ab. Die gute Nachricht? Sie können diesen Prozess nicht nur aufhalten, sondern Ihre Kraftfähigkeiten auch im fortgeschrittenen Alter noch zielgerichtet entwickeln. Wussten Sie, dass Dara Torres mit ihren 41 Jahren die älteste Schwimmerin ist, die eine Olympia-Medaille gewinnen konnte? Sie ist das somit beste Beispiel.
Ohne Kraft geht also auch im Schwimmsport gar nichts. Gilt dann der Umkehrschluss, je mehr Kraft umso besser? So einfach ist es leider auch nicht. Für den Ausdauersportler sind besonders die folgenden Eigenschaften bedeutend.
1. Muskeln benötigen viel Energie!
Die muskuläre Arbeit erfordert Brennstoff. Je größer ein Muskel ist desto, mehr Brennstoff wird benötigt. Im ungünstigsten Falle wird dann für einen sehr großen Muskel übermäßig viel Energie verbraucht, die an anderen Stellen fehlen könnte. Es geht also im Ausdauersport darum, das richtige Maß an Muskelmasse zu finden.
2. Muskeln sind schwer!
Im Muskelgewebe ist im Wesentlichen, neben vielen Eiweißstrukturen, vor allem Flüssigkeit eingelagert. Große und damit schwere Muskeln führen zu einem höheren Gesamtgewicht eines Sportlers, dass z.B. ein Läufer bei jedem Schritt beschleunigen muss. Die Relation von Kraft zu Körpergewicht sollte demzufolge ausgewogen sein. Deshalb ist der Begriff der Relativkraft im Ausdauerbereich, aber z.B. auch im Hochsprung, eine wichtige Kenngröße. Das ist in etwa wie im Motorsport: das Streben nach geringem Gewicht bei hoher Leistung.

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