Die Bedeutung der Kraft im Schwimmsport

Schwimmen ist Ausdauersport. Dennoch gilt der Grundsatz: Ohne spezifische Kraft geht es nicht! Wir erklären Ihnen, warum die Entwicklung von Kraftfähigkeiten so wichtig ist und auf welche Muskeln es beim Schwimmen ankommt.

| 29. November 2012

Kraftübung 4: Großer Rückenmuskel

Foto > allwetterkind.de

Die Bedeutung der Kraft im Schwimmsport

Stellen Sie sich folgendes Beispiel vor: Ein Kleinkind erhebt sich und versucht, den ersten Schritt seines Lebens auszuführen. Würde es dem Kind nutzen, über außergewöhnliche Ausdauerfähigkeiten zu verfügen? Sicher nicht. Denn das, was die Basis einer jeden Bewegung darstellt, ist die Kraft. Erst aus der Fähigkeit Kraft entwickelt sich die Fähigkeit Ausdauer. In unserem Beispiel folgt auf den ersten der zweite Schritt und nach der Entwicklung weiterer Fertigkeiten, gelingt dem Kind ein Lauf über mehrere Meter. Das erste Ausdauertraining eines jungen Lebens!

Lüning

Holger Lüning

Trizeps, Latissimus, Pectoralis

Im Schwimmen ist das nicht anders. Auch hier ist die Kraft die Basis einer jeden Leistung. Genau genommen ist es die schwimmspezifische Kraft. Denn beim Studium der vier Bewegungsmuster im Schwimmen, entdeckt man drei Muskelgruppen, die hauptsächlich für die Vortriebsleistung verantwortlich sind: Den großen Rückenmuskel (Latissimus), den Brustmuskel (Pectoralis) und den Ellenbogenstrecker (Trizeps).

Anders als beim Laufen handelt es sich um Muskelgruppen, die man im Alltag kaum betätigt. Es erfordert deshalb gezieltes Training, um eine Verbesserung der schwimmspezifischen Kraftfähigkeiten zu erreichen. Im Wasser ist Krafttraining nur bis zu einem bestimmten Grad möglich. Die physikalischen Eigenschaften erlauben lediglich verhältnismäßig langsame Unterwasserbewegungen.

Häufig entwickelt sich aus einer gleichmäßigen Geschwindigkeit der Antriebsflächen (Hand und Unterarm) eine Bewegungsroutine. Dies ist einseits gewollt, um die Koordination zu automatisieren. Auf der anderen Seite muss das Training aber eine große Bandbreite an Belastungsformen aufweisen, um Leistungsfortschritte zu ermöglichen. Hilfsmittel wie Paddles, Flossen oder Widerstandshosen eignen sich, um die Bewegungsroutine punktuell aufzulösen und koordinative Fähigkeiten zu schulen. Auch die gesteigerten Kraftanforderungen beim Schwimmen mit bremsenden Hilfsmitteln sind wichtiger Bestandteil des Wassertrainings.

Trainieren Sie Ihre Maximalkraft

Geht es aber um die spezifische Entwicklung von Kraftfähigkeiten, führt am Landtraining kein Weg vorbei. Nur dort können Sie Widerstände so wählen,  dass eine gezielte Verbesserung der Schwimmmuskulatur ermöglicht wird. Dazu reichen einfache Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (zum Beispiel Liegestütz), dem Zugseil oder der Schwimmbank. Denn hier können Sie deutlich höhere Belastungen realisieren, als es im Wasser möglich ist.

Beispiel Maximalkraft: Es ist undenkbar, die Widerstandsverhältnisse im Wasser so zu ändern, dass Sie aus Kraftmangel lediglich vier Züge Kraul schwimmen können. Beim Krafttraining ist dies möglich, denn Kraftgeräte bieten die Möglichkeit, Gewichte sowohl fein zu regulieren als auch sehr hohe Trainingsreize zu realisieren. Der entscheidende Punkt zur Entwicklung der Maximalkraft.

Die Bedeutung einer hohen Maximalkraft wird deutlich, wenn Sie sich die Eigenschaften des Elements Wassers vor Augen führen. Kurz gesagt: Druck erzeugt Gegendruck. Oder bildlich formuliert: Es macht einen Unterschied, ob Sie aus einem oder aus fünf Metern Höhe einen Bauchplatscher machen. Je höher die Geschwindigkeit, mit der Ihr Körper (oder Ihre Handfläche) auf das Wasser trifft, umso größer ist der Gegendruck des Wassers. Sie sind deshalb aufgefordert, diesen Gegendruck des Wassers aktiv zu erzeugen. Und dafür benötigen Sie Kraft.