Gut zu erkennen: Die "Schwimmhäute" der Neopren-Schwimmhandschuhe von Blueseventy sollen Kraftaufbau und Schwimtechnik verbessern.

Miriam Müller / spomedis

Gut zu erkennen: Die "Schwimmhäute" der Neopren-Schwimmhandschuhe von Blueseventy sollen Kraftaufbau und Schwimtechnik verbessern.
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Testcenter | 28. November 2011

Fingerfertiger Kälteschutz

Neopren-Schwimmhandschuhe von Blueseventy

Bruno Baumgartner | Einsatz unter extremen Bedingungen: Die Neopren-Schwimmhandschuhe von Blueseventy sollen Kälteschutz, Kraftaufbau und Technikhilfe vereinen. swim hat die Handwärmer im Schweizer Thunersee getestet – bei fünf Grad Wassertemperatur.
Auf dem Markt werden Hunderte von Paddles in jeder Größe, Form und Farbe angeboten, die das Ziel haben, den Armzug und die Kraft zu verbessern. Auch der australische Hersteller blueseventy verspricht, dass seine Neopren-Schwimmhandschuhen dabei helfen den Schwimmstil zu verbessern, indem sie eine korrekte Handführung erzwingen. Gleichzeitig wirft Blueseventy noch ein weiteres Kriterium mit in die Waagschale – den Schutz gegen Kälte. Aber braucht der ambitionierte Freiwasserschwimmer so etwas wirklich? Der Ärmelkanal-Schwimmer Bruno Baumgartner hat das Trainings-Accessoire, das für 34,95 Euro zu haben ist, getestet.

Passform

Ähnlich wie bei Schuhen verhält es sich auch bei Handschuhen. Man muss hineinschlüpfen und sich einfach wohl fühlen. Die Schwimmhandschuhe liegen angenehm satt an, ohne zu drücken und fühlen sich gut an. Obwohl sie nur in den beiden Größen S und L erhältlich sind, wird durch das dehnbare Material jede Handgröße abgedeckt.
Am Handgelenk bildet ein angenehm weiches Nylonbündchen den Abschluss des Handschuhs. Bei unserem Test ohne Neoprenanzug rutschten diese Bündchen zuweilen etwas hoch. Dies ist aber zu vernachlässigen, zumal die Handschuhe in den meisten Fällen wohl in Kombination mit einem Neoprenanzug getragen werden. Trotzdem drang durch die hervorragende Passform auch bei diesem Test kein Wasser ein!

Kälteschutz

Hätte der Hersteller um die Testbedingungen gewusst, so wäre sicher dem einen oder anderen Produktverantwortlichen eine Schweißperle auf der Stirn gestanden. Das Gewässer zeigte sich mit rund 5 Grad Wassertemperatur nicht eben freundlich. Umso erstaunlicher fiel das Testresultat aus. Auch nach über 20 Minuten blieben die Finger immer noch erstaunlich warm. Somit kann getrost davon ausgegangen werden, dass dank des drei Millimeter dicken Yamamoto-Neoprenmaterials auch lange Trainingseinheiten bei 16 bis 20 Grad Wassertemperatur nicht das geringste Problem darstellen. Dies liegt zum einen sicher am verwendeten, isolierenden Material und zum anderen an der bereits erwähnten sehr guten Passform, die das Eindringen von Wasser verhindert.

Technikhilfe

Spätestens zu Beginn der Zugphase müssen sich die Handflächen des Schwimmers in einem rechten Winkel zur Körperachse befinden, um eine möglichst große Krafteinwirkung auf das Wasser zu haben. Durch ihren starren Aufbau geben Paddles dem Schwimmer bereits bei der Eintauchphase augenblicklich ein Feedback für die richtige Zugtechnik, indem die Hand bei schrägem Eintauchen meist nach links unten gezogen wird. Dies ist bei dem Schwimmhandschuh aber kaum der Fall. Um diesen Effekt beim Eintauchen zu fühlen, muss der Schwimmer dauerhaft die Finger spreizen. Auch in der folgenden Unterwasserphase hält jeder gute Schwimmer die Finger zusammen. So kann der Handschuh aber praktisch keine Wirkung entfalten, da die „Schwimmhäute“ auf diese Weise die Handflächen nicht verbreitern. Daher lässt sich unter Wasser lediglich mit gespreizten Fingern etwas von der „erzwungenen, korrekten Handführung“ fühlen. Dies könnte sich mit der Zeit negativ auf die Handhaltung des Schwimmers auswirken.

Kraftaufbau

Dieser Aspekt geht mit dem vorangehendenden Hand in Hand. Um eine breite Fläche und somit mehr Krafteinwirkung auf das Wasser zu haben, müssen die Finger unter Wasser gespreizt werden. Tut man dies jedoch bewusst, so stellt man schnell einen merklich höheren Widerstand fest.

Qualität

Die Handschuhe sind in hoher Qualität gefertigt. Unsaubere Nähte oder Scheuerstellen sucht man hier vergebens. Diesbezüglich gibt es nichts zu beanstanden. Betrachtet man sie etwas genauer und wendet das Innere nach aussen, so fällt einem schnell die komplexe Verarbeitung der  „Schwimmhäute“ zwischen den einzelnen Fingern auf. Diese sind sehr sauber und präzise eingearbeitet, und obwohl man die Nähte beim Tragen leicht fühlt, wirkt dies in keiner Weise störend.

Preis/Leistung

Betrachtet man die sehr gute, komplexe Verarbeitung des Produktes, so ist der Preis auf jeden Fall gerechtfertigt. Wer sie vor allem als Kälteschutz erwirbt, der wird mit der gebotenen Leistung rundum zufrieden sein. Wer allerdings mehr Wert auf Technik- und Krafteigenschaften legt, der könnte den eingesetzten Betrag als zu hoch empfinden.

Gesamteindruck

Die Handschuhe von Blueseventy wecken den Eindruckl eines guten und sehr hochwertigen Produktes. In Punkto Verarbeitung, Qualität und Kälteschutz lassen sich keine Beanstandungen feststellen. Lediglich beim Technik- und Kraftaspekt mussten leichte Abzüge gemacht werden. So ist der Handschuh zwar nicht die „Eierlegende Wollmilchsau“, die Kälteschutz und Trainingshilfe perfekt vereint, aber trotzdem ein wärmendes Trainings-Tool, das besonders routinierteren Schwimmern zu empfehlen ist.

Die Bewertung

  • Passform: [5/5]
  • Kälteschutz: [5/5]
  • Technikhilfe: [2/5]
  • Kraftaufbau: [4/5]
  • Preis/Leistung: [4/5]
  • Gesamteindruck: [4/5]

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