Wenn Meister zu Geschlagenen werden

Deutsche Meister, die sich über ihren Titel nicht freuen können - ein oft gesehenes Bild bei den 123. Titelkämpfen des DSV. Denn mehr noch als die Medaillen zählt in Berlin der Sprung ins Team für die Weltmeisterschaften in Shanghai Ende Juli.

| 4. Juni 2011 | AKTUELL

Isabelle Härle (SV Nikar Heidelberg) | Isabelle Härle (SV Nikar Heidelberg)

Isabelle Härle (SV Nikar Heidelberg)

Foto >Frank Wechsel / spomedis

200 Meter Rücken: Zweiter Titel für Lebherz

Nach dem deutschen Rekord über 400 Meter Lagen holte sich Yannick Lebherz über 200 Meter Rücken seinen zweiten Titel. In 1:58,00 Minuten verpasste der Darmstädter die WM-Norm aber um 55 Hundertstel. "Die letzten Meter ging gar nichts mehr", sagte Lebherz erschöpft nach dem Rennen. "Ich bin zu schnell angegangen, weil die anderen auch so schnell losgeschwommen sind. Aber das hat mir nach hinten raus das Genick gebrochen." Silber ging an Jan-Philip Glania aus Frankfurt, Bronze an Lucien Haßdenteufel von der SSG Saar Max Ritter. Die Entscheidung bei den Frauen war vom Start an eine One-Woman-Show: Jenny Mensing siegte in 2:10,21 Minuten und distanzierte Lisa Graf als Zweite um mehr als vier Sekunden. Bronze ging an Paula Meyer.

200 Meter Delfin: Fernab der Weltspitze

Lediglich au den Plätzen 32 und 35 rangieren die Deutschen Meister auf der 200-Meter-Delfin-Strecke: Tim Wallburger (SG Neukölln) war von seiner Siegerzeit von 1:58,22 Minuten ebenso enttäuscht wie Franziska Hentke (SC Magdeburg) über ihre 2:10,79 Minuten. Einziger Trost: Beide Siege fielen mehr als deutlich aus. Silber und Bronze holten bei den Männern Toni Embacher aus Halle und Simon Becker aus Wiesbaden, bei den Frauen Lena Kalla aus Würzburg und Katharina Schiller aus Waiblingen.

100 Meter Brust: Vier Hundertstel fehlen vom Lehm

Ganze vier Hundertstel fehlten dem 20-jährigen Schüler Christian vom Lehm bei seinem ersten Deutschen Meistertitel für die Qualifikation zu seiner ersten Weltmeisterschaft. Nach 1:00,51 Minuten schlug der Junioreneuropameister über 200 Meter Brust an - damit verbesserte er seine eigene Bestleistung gleich um mehr als eine Sekunde. Vom Lehm hofft nun auf seine zweite Chance am Sonntag über 200 Meter Brust, denn die Wahrscheinlichkeit, über die Staffel ins Team für Shanghai nominiert zu werden, ist ansonsten gering - schließlich hat Hendrik Feldwehr (Essen) die Norm bereits über 50 Meter unterboten und über die 100 Meter 17 Hundertstel hinter vom Lehm Silber erzielt. Bronze ging Johannes Neumann aus Wiesbaden.

Sicher im WM-Team stehen dürfte Sarah Poewe, die sich mit 1:08,69 Sekunden im Finale der Frauen für die Lagenstaffel in Shanghai empfahl, die Einzelnorm aber deutlich verpasste. Silber ging an Caroline Ruhnau, die bei der Wende noch geführt hatte, Bronze an Vanessa Grimberg.

1.500 Meter Freistil der Frauen: 15 Sekunden fehlen

Isabelle Härle vom SV Nikar Heidelberg sicherte sich den Titel über 1.500 Meter Freistil der Frauen. Die Deutsche Meisterin über die 800 Meter Freistil schwamm eine Zeit von 16:20,17 Minuten und verwies damit Nadja Müller von der SSG Erlangen in 16:40,55 Minuten und Elisa Thimm von der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen in 16:47,83 Minuten auf die Plätze zwei und drei. "Ich war ein halbes Jahr raus, das macht sich anscheinend bemerkbar", zeigte sich die 23-Jährige, die über diese Strecke mit einer Zeit zwischen 16:10 und 16:15 Minuten geliebäugelt hatte, nach dem Rennen enttäuscht. Die WM-Norm über die längste Poolstrecke lag bei 16:05,08 Minuten und damit nur rund fünf Sekunden über dem deutschen Rekord von Hannah Stockbauer von der Weltmeisterschaft 2003 in Barcelona. Für die Frauen ist diese Strecke zwar nicht olympisch, wird aber bei Weltmeisterschaften geschwommen. Isabelle Härle ist nun zweifache Deutsche Meisterin, für die Weltmeisterschaften im Juli in Shanghai (China) allerdings nicht qualifiziert.