Weltmeister Dale Oen erleidet Herzstillstand

Die Schwimm-Welt steht unter Schock: Weltmeister Alexander Dale Oen ist am Montagabend an den Folgen eines Herzstillstands gestorben. Das bestätigte gestern der norwegische Verband.

| 2. Mai 2012 | AKTUELL

Dale Shanghai | Alexandre Dale Oen

Alexandre Dale Oen

Foto >Silke Insel / spomedis

Es sei ihm gut gegangen. Er habe nur ein leichtes Training absolviert und dabei einen frischen Eindruck gemacht, heißt es. Nach drei Wochen im Höhentrainingslager in Flagstaff im US-Bundesstaat Arizona freute sich Alexander Dale Oen zudem darauf, bald wieder nach Bergen, in „die schönste Stadt Norwegens“ zurückzukehren, wie er via Twitter noch am Montagmorgen vermeldete.

Regungslos unter der Dusche

Noch am selben Abend traten seine Teamkameraden seine Zimmertür an, weil er ungewöhnlich lange weg war und auch auf mehrmaliges Rufen nicht reagierte. Sie fanden ihn regungslos unter der Dusche. Alle Widerbelebungsversuche blieben erfolglos. Im Krankenhaus konnte nur noch der Tod festgestellt werden.

„Wir sind alle unter Schock“, sagte sein Trainer Peter Lövberg: „Dies ist eine erschütternde Erfahrung für das ganze Team hier. Unsere Gedanken sind in erster Linie bei Alexanders Familie, die ihn viel zu früh verloren hat.“

Alexander Dale Oen wurde nur 26 Jahre alt.

Menschen, die Europas Schwimmer des Jahres kannten, erinnerten in den vergangenen Stunden an einen sympathischen und lebensfrohen Menschen. Einen bodenständigen jungen Mann, „der auch als Weltmeister nicht abhob“, so Essens Stützpunkttrainer Henning Lambertz, der Dale Oen bereits seit vielen Jahren kannte.

Shanghai 2011 | Ein Duell, das es bei den Olympischen Spielen in London nicht geben wird: Olympiasieger Kosuke Kitajima und Alexander Dale Oen, der im Alter von 26 Jahren starb.

Ein Duell, das es bei den Olympischen Spielen in London nicht geben wird: Olympiasieger Kosuke Kitajima und Alexander Dale Oen, der im Alter von 26 Jahren starb.

Foto >Silke Insel / spomedis

„Er war für jeden Blödsinn zu haben, hat mich immer gefragt: Henning, wo sind deine Lederhosen? Weil das ein Satz war, den er auf Deutsch konnte“, erzählt Lambertz mit einem leichten Lächeln. „Er hat sich immer tierisch gefreut, wenn er mich damit aufziehen konnte.“

Lambertz erinnert sich aber auch an einen stillen und zurückgezogenen Alexander Dale Oen, an einen ehrlichen Mensch, der „ehrliche Tränen“ vergoss, als er im vergangenen Jahr bei der WM in Shanghai nur drei Tage nach den Anschläge des Rechtsextremisten Anders Breivik in seiner Heimat den ersten Weltmeistertitel für sein Land gewann.

Einer der Favoriten für London

Der Olympia-Zweite von Peking schwamm dabei so schnell, wie noch niemand zuvor ohne einen der auftrieb-verleihenden Wunder-Anzüge und distanzierte nach 58,71 Sekunden die Platzierten Fabio Scozzoli und Cameron van der Burgh um mehr als sieben Hundertstel. Olympiasieger Kosuke Kitajima schlug als Vierter ganze 1,3 Sekunden hinter dem Weltmeister an. Alexander Dale Oen galt für die Spiele im Sommer als einer der Favoriten über die 100 Meter Brust, das Duell mit Titelverteidiger Kitajima als eines der Highlights im Londoner Aquatics Centre.

Unerwartete Todesfälle von Profisportlern sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Bestürzung und werfen die Frage auf: Wie gefährlich ist Leistungssport?

Infekte können problematisch werden

„Leistungssport ist und bleibt gesund für das Herz-Kreislauf-System“, da ist sich Henning Lambertz sicher. Problematisch werde es bei Spitzenbelastungen allerdings, wenn ein Infekt dazu komme, den man als Sportler selber vielleicht als gar nicht so schlimm einstufen würde, und dann schlicht darüber hinwegtrainiere. „Da muss man auch als Trainer drauf aufpassen“, schließlich wolle gerade jetzt, so kurz vor Olympia, kein Athlet länger ausfallen.

Im Falle von Alexander Dale Oen sind Details über die genaue Todesursache allerdings noch nicht bekannt.

Weitere Stimmen zum Tod von Alexander Dale Oen

Allein die Twitter-Meldungen der vergangenen Stunden zeigen, wie schwer es Kollegen, Freunde und Weggefährten von Alexander Dale Oen fällt, dessen plötzlichen Tod zu akzeptieren. Eine Auswahl:

Olympiasieger Kosuke Kitajima: „Schockiert über den Tod eines lieben Freundes und großartigen Rivalen. Meine Tränen wollen nicht trocknen. Er war ein großartiger Schwimmer. Ich möchte weiter gegen ihn schwimmen. Die Duelle mit ihm waren meine Motivation. Sein Tod hat ein großes Loch in meinem Herzen hinterlassen.“

Weltmeisterin Lotte Friis: „Wir haben einen großartigen Schwimmer und einen fantastischen Menschen verloren, ich kann nicht glauben, dass er fort ist.“

Teamkollege Gard Kvale: „Alexander hat uns bei der WM in Shanghai gezeigt, dass wir stark sind, wenn wir nur zusammenstehen.“

Weltrekordhalter Cameron van der Burgh: „Für meinen größten Rivalen, meinen besten Freund, meinen Bruder im Brustschwimmen. Er starb für den Sport, den er liebte.“

Olympia-Zweiter Milorad Cavic: „Ich habe mich den ganzen Tag gefragt, ob unser Sport es Wert ist, dafür alles zu riskieren, oder ob es vielmehr unsere Träume sind, für die wir alles riskieren.“

Brust-Ass Brendan Hansen: “Dieses ansteckende Lächeln wird auf ewig im Callroom fehlen.“