Von Rekorden und stundenlangem Warten

Riccione ist eine WM der Superlative. Gestern gab es innerhalb von 15 Stunden fast 7.500 Starts. Das ist Fließbandarbeit und bedeutet für die Athleten, dass es auf dem Wettkampfgelände verdammt voll ist und sie in der italienischen Sonne oft stundenlang auf ihren Start warten müssen.

| 13. Juni 2012 | AKTUELL

Warten in Riccione | Warten auf den Start in Riccione

Warten auf den Start in Riccione

Foto >Angela Delissen

Bei den Frauen gab es 51 Läufe über 200 Meter Rücken, 106 Läufe über 100 Meter Freistil und 85 Läufe über 100 Meter Brust mit je zehn Schwimmerinnen pro Lauf - macht insgesamt 2.420 Starts für die Frauen an diesem Tag. Die Wettkämpfe begannen morgens um 7.30 Uhr und endeten am Abend gegen 18.00 Uhr. Die Rennen wurden im Outdoor Pool ausgetragen, morgens war es ein wenig frisch und bewölkt, was beim Rückenschwimmen aber sehr angenehm war, im Verlauf des Tages wurde es warm und sonnig.

4.090 Starts an einem Tag

Bei den Männern gab es 55 Läufe über 200 Meter Rücken, 224 Läufe über 100 Meter Freistil und 130 Läufe über 100 Meter Brust – macht insgesamt 4.090 Starts an diesem Tag, deutlich mehr als bei den Frauen. Die Wettkämpfe begannen ebenfalls um 7.30 Uhr, endeten jedoch erst um 22.30 Uhr, ausgetragen vor großem Publikum in einem subtropischen Hexenkessel aus Zuschauern und wartenden Athleten in der Schwimmhalle.

Während es morgens noch ganz beschaulich zuging, wuchs die Veranstaltung im Laufe des Tages zu einem Pilgertreffen der Superlative in Sachen Masterssport aus – mit allen Folgen, die eine Massen-Veranstaltung mit sich bringt: Ein- und Ausschwimmen in einem brodelnden Warm-up-Pool, stundenlanges Warten auf die Rennen, überall auf dem Gelände hockten Teams und kleine Gruppen zusammen, viele Sportler lagen in sich gekehrt unter Zelten und Baldachinen, an Mauern gekauert, unter Treppenaufgängen oder in irgendwelchen anderen Nischen, immer auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen.

Kritik am Meldeverfahren

Mit 9.700 Teilnehmern in den Schwimmwettbewerben hat Riccione alle Rekorde gebrochen. Die WM der Masters findet alle zwei Jahre im Wechsel mit den Europameisterschaften statt. In den Vorjahren 2006 (Stanford, USA), 2008 (Perth, Australien) und 2010 (Göteborg, Schweden) waren es kaum mehr als 6.000 Schwimmer.

Die Meldezahlen in Riccione sind exorbitant hoch, was wirklich toll ist und für eine positive Entwicklung der Masters Szene spricht – und doch wird der Schwimmweltverband FINA sein Meldeverfahren für die Masters-Weltmeisterschaften prüfen müssen.

Die Sportler melden sich individuell über ein Online-Meldeportal zur WM an, zwar gibt es Richtzeiten, die werden aber weder im Vorwege noch im Nachhinein durch die nationalen Verbände geprüft. Und so kommt es, dass viele Schwimmer unter der Richtzeit bleiben, was man in den Ergebnislisten daran sehen kann, dass sie aus der Wertung herausfallen und ohne Zeit und Platzierung aufgeführt werden.

WM als Volksschwimmen

Die Masters-WM ist im besten Sinne ein Volksschwimmen. Hier sind Menschen jeden Alters zwischen 25 und 100 Jahren dabei, Schwimmer aus 76 Ländern und fünf verschiedenen Kontinenten, mit den unterschiedlichsten kulturellen, beruflichen und persönlichen Hintergründen und Motiven – von ehemaligen Spitzensportlern über erfahre Vereinsschwimmer bis hin zu Neu- und Quereinsteigern.

Das ist ein großes Pfund, und es gibt viele schöne Begegnungen am Beckenrand und in der Stadt. Aber die Verantwortlichen sollten schon ein Auge darauf haben, dass die Veranstaltung für alle Beteiligten angenehm bleibt. Auch sollten die sportlichen Leistungen zumindest nicht zu kurz kommen.

Weltrekorde

Über 200 Meter Rücken setzen Michael Soderlund (AK 50, USA) in 2:17,57 Minuten sowie Chris King (AK 25, Südafrika) in 2:03,62 Minuten neue Weltrekorde. Über 100 Meter Brust verbesserte Timothy Shead (AK 60, USA)mit 1:14,32 Minuten den globalen Rekord. Vladislav Bragin (Russland) schwamm mit unglaublich schnellen 1:04.40 einen Weltrekord in der Altersklasse der 40- bis 44-Jährigen. Giurgiza Gabriilo aus Kroatien setze bei den 65- bis 69-Jährigen Frauen mit 1:30,16 einen neuen Weltrekord. Monica Coro (Italien) pulverisierte den bestehenden Weltrekord bei der AK 50 bis 54 um mehr als zwei Sekunden auf 1:15,50 Minuten.