"Viele, viele Normerfüller"

Locker und unverkrampft, aber auch ganz auf die anstehenden Titelkämpfe und Normjagden fokussiert präsentierten sich Paul Biedermann, Britta Steffen, Markus Deibler und Christian vom Lehn auf der eröffnenden Pressekonferenz zu den 124. Deutschen Meisterschaften. Sportdirektor Lutz Buschkow wünscht sich ein möglichst breites Team für London.

| 9. Mai 2012 | AKTUELL

Britta Steffen und Paul Biedermann | Britta Steffen und Paul Biedermann bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der 124. Deutschen Meisterschaften

Britta Steffen und Paul Biedermann bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der 124. Deutschen Meisterschaften

Foto >Fabian Fiedler

"Stellen Sie Ihre Fragen bitte gleich im Plenum, die Athleten haben nach der Pressekonferenz keine Zeit für Einzelinterviews - die müssen direkt nochmal ins Wasser." Die Worte des DSV-Pressesprechers Harald Gehring an die knapp 30 anwesenden Journalisten bei der Eröffnungspressekonferenz der 124. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen waren unmissverständlich: Nicht besonders tolle Zitate, knackige Überschriften, nicht menschliche Dramen oder bunte Sondergeschichten sollen in diesen Tagen im Mittelpunkt des Interesses stehen - sondern vor allem der Sport.

Steffen will unter 54 Sekunden bleiben

Der liefert vom ersten Startschuss am Donnerstagmorgen bis zum letzten Anschlag am Beckenrand am Montagnachmittag tatsächlich reichlich Stoff. Denn für die deutschen Schwimmer geht es in Berlin nicht nur um nationale Meistertitel in zahlreichen Entscheidungen - es geht auch und vor allem um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London im August. So - mit einem besonderen Blick nach London - geht auch Sportdirektor Lutz Buschkow diese Titelkämpfe an. Nicht einzelne Ausreißer an die Spitze der Weltjahresbestenlisten, sondern "viele, viele Normerfüller" seien das Ziel für die kommenden Tage - und auch realistisch: Die Athleten hätten sich gut vorbereitet, die Stimmung in den gemeinsamen Trainingslagern positiv gewesen. Nur Brustspezialist Hendrik Feldwehr musste verletzungsbedingt absagen, soll aber, sofern auf sportlichem Wege in Berlin und wenige Tage später bei der EM in Debrecen nicht alle Plätze vergeben werden, trotzdem für eine Nominierung vorgeschlagen werden. "Ich bin gut durch die Vorbereitung gekommen", bestätigte auch Britta Steffen - und verwies auf ihe "Arbeitsbräune" aus ihrem letzten Trainingslager.

Unter 54 Sekunden, kündigte die Doppel-Olympiasiegerin über 50 und 100 Meter Freistil von Peking 2008 an, werde sie die 100 Meter am Samstag schwimmen - die Norm liegt nur bei 54,46 Sekunden. Und auch über 50 Meter will sie sich erneut für Olympia qualifizieren. "Ich konzentriere mich ganz auf meine Stärken", erklärte Steffen, und hat dafür nach den schlechten Erfahrungen der Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr auf Krafttraining an Maschinen verzichtet und stattdessen wieder mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. Nach den Meisterschaften gehe es dann sofort - ab Mittwoch - zurück in die Olympiavorbereitung: "Sofern ich die Qualifikationsnormen erfülle, werde ich die Europameisterschaften in Ungarn aus dem vollen Training heraus bestreiten", sagte Steffen. Motivation, jede erdenkliche Minute ins Training zu investieren, dürften ihr vor allem die Zeiten von 24,10 Sekunden und 52,75 Sekunden geben, die die Niederländerin Ranomi Kromowidjojo über 50 und 100 Meter vorgelegt hat. "Das ist fantastisch, damit kann sie bei den Männern mitschwimmen, wenn die keinen so guten Tag haben", zeigte sich Steffen beeindruckt.

Biedermann unbeeindruckt

Weniger beeindruckt präsentierte sich dagegen ihr Lebensgefährte Paul Biedermann. "Jeder hat eben seinen eigenen Rhythmus. Wir sehen dann bei den Olympischen Spielen, wer der Schnellste ist", kommentierte der die Zeiten, die die Konkurrenten bisher vorgelegt haben. Er selbst habe sich keine Ziele für seine Meisterschaftsstarts über 100, 200 und 400 Meter Freistil gesetzt - außer die Normerfüllung natürlich. Bei den Europameisterschaften in Debrecen will Biedermann trotz der Fokussierung auf Olympia im August vorne mitschwimmen, "denn so ein EM-Titel, das ist doch auch schon was", meinte er. Auch Markus Deibler und Christian vom Lehn zeigten sich zufrieden mit ihrer Vorbereitung und zuversichtlich, schon in den kommenden Tagen die Qualifikationsnormen zu erfüllen und es nicht auf den zweiten Versuch bei den Europameisterschaften in Ungarn ankommen lassen zu müssen. "Ich weiß auch ehrlich gesagt noch gar nicht, wie ich die Meisterschaften überhaupt angehen werde", sagte Deibler. "Bisher habe ich ausschließlich auf die kommenden Tage geschaut. Wie es weitergeht, sehen wir dann danach."

Am Ende rutschte der Fokus dann doch noch einmal kurz vom Schwimmen ab. Ob das Fußball-Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag die Sportler in irgendeiner Form beeinflusse und wie sie das Spiel verfolgen werden, wollte ein ausländischer Journalist wissen - und schaute nacheinander in die leeren Gesichter von Britta Steffen, Paul Biedermann und Markus Deibler, die alle erklärten, sich kaum für Fußball zu interessieren. Nur Christian vom Lehn sah das ein wenig anders. "Ich drücke Dortmund die Daumen", erklärte er fast kleinlaut, "denn ich hasse Bayern München." "Ich denke, das war ein sehr schönes Schlusswort", fand Pressesprecher Gehring.