Spartipps vom Bund der Steuerzahler

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen, muss oft der Rotstift auch bei Schwimmbädern angesetzt werden. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hat in seiner Broschüre „Sparen in der Kommune. Tipps für Kommunalpolitiker“ Vorschläge für Einsparungen bei Schwimmbädern gemacht. Geschockt reagierte darauf die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und bezeichnete die Tipps als „ein einziges Schreckensszenario“.

| 11. Dezember 2014 | AKTUELL

Kakerlaken im Schwimmbad | Schwimmbad

Schwimmbad

Foto >Frank Wechsel / spomedis

94 Seiten umfasst die Broschüre des BdSt – die interessantesten für Schwimmer sind unter dem Punkt „4.2 Sportförderung“ zu finden.

Eine Auswahl der Tipps:
- Kosten bzw. Zuschussbedarf kommunaler Frei- und Hallenbäder ermitteln, im Zeitablauf beobachten und mit Werten aus anderen Kommunen vergleichen.
- Energieeinsparung in den Bädern (z. B. durch Absenkung der Wassertemperatur) anstreben.
- Öffnungszeiten der Bäder dem jeweiligen Bedarf anpassen.
- Übertragung des Frei- oder Hallenbads auf gemeinnützige oder sonstige private Gesellschaften und Vereine prüfen.
- Höhere Eintrittspreise sowie Verringerung von Eintrittsermäßigungen prüfen.
- Nötigenfalls hochdefizitäre Bäder schließen.
- Personalausstattung im Sport- und Bäderamt verringern.

"Keine soziale Verantwortung"

DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje zeigte sich von den Sparvorschlägen wenig begeistert: „Von sozialer Verantwortung der Kommunen und der gesellschaftlichen Bedeutung der Bäder besonders für die junge Generation ist dort nichts zu lesen. Solange das Schwimmen lernen in den Schulen auf dem Lehrplan steht, müssen die Kommunen für die nötige Infrastruktur sorgen“, sagte Hatje.

Stattdessen würden die Autoren vorschlagen, Energiekosten zu sparen, indem man die Wassertemperatur absenke, höhere Eintrittspreise prüfe oder das Schwimmbad auf gemeinnützige oder sonstige private Gesellschaften und Vereine zu übertragen. Der ultimative Tipp des Steuerzahler-Bunds sei es, hochdefizitäre Bäder zu schließen. „An diesen Vorschlägen ist nichts neu, nichts kreativ, da ist keine gesellschaftliche Verantwortung erkennbar. Das sind die Vorschläge von Sparmathematikern“, empörte sich Hatje.

300 Bäderschließungen

In den letzten sieben Jahren sind in Deutschland laut DLRG 300 Bäder geschlossen worden und mehr als 500 weitere sind akut von der Schließung bedroht. Schwimmen können ist für den DLRG-Chef in erster Linie ein wichtiges Element der Daseinsvorsorge und dann ein Kulturgut. „Wer nicht schwimmen kann, lebt gefährlicher und ist in seiner Lebensgestaltung eingeschränkt“, plädiert Hatje für den Erhalt der Schwimmbäder. Mindestens 20 Prozent aller Grundschulen hätten heute keinen Zugang mehr zu Schwimmbädern und die Wartezeiten bei Verbänden, die Schwimmausbildung anbieten, sei nicht selten sehr lang. Eine forsa-Studie ergab, dass die Hälfte aller Schüler am Ende der vierten Klasse keine sicheren Schwimmer sind.

Den Sanierungsbedarf der Bäder beziffern Experten auf 14 Milliarden Euro. In dieser Summe ist noch kein einziges neu gebautes Bad enthalten. Der DLRG-Präsident regt an zu prüfen, ob angesichts der Größenordnung der Aufgabe ein neuer goldener Plan das Problem lösen kann. Der Erhalt der Bäderstruktur sei zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe geworden, die nicht von den Kommunen allein bewältigt werden könne.