Pool | 14. Dezember 2012

Henning Lambertz: "Olympia-Medaillen dürfen nicht das einzige Kriterium sein"

Peter Jacob | Henning Lambertz ist jetzt ein sehr gefragter Mann. Gerade hat ihn der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) damit beauftragt, als neuer Bundestrainer die deutschen Schwimmer zurück in die Weltspitze zu führen. Während in Istanbul die WM-Vorläufe über die Bühne gehen, nahm sich der 42-Jährige Zeit für ein kurzes Gespräch mit swim.de.
Herr Lambertz, herzlichen Glückwunsch zur Ernennung zum Bundestrainer. Das Prozedere hat sich ja über eine ganze Weile hingezogen. Wann haben Sie von Ihrer Berufung erfahren?
Vor etwa einer Woche habe ich erfahren, dass ich es werde. Den Vertrag habe ich dann genau an meinem Geburtstag, dem 12.12., zugeschickt bekommen. Das war schon ein besonderes Geschenk, dann auch schriftlich zu lesen, dass ich die Geschicke des deutschen Schwimmsports tatsächlich leiten werde.
Sie waren mit der Forderung angetreten, den Job nur übernehmen zu wollen, wenn der Vertrag über acht Jahre ginge. Es sind nun doch nur vier Jahre bis Ende 2016 geworden.
Formell sind es vier Jahre, das stimmt. Es gibt aber eine Option auf vier weitere. Ich finde es auch völlig richtig, dass das Präsidium zwischendurch prüft, ob mein Konzept überhaupt Hand und Fuß hat. Grundsätzlich geht es mir darum, nicht nur an Olympia bemessen zu werden. Medaillen dürfen nicht das einzige Kriterium sein. Denn da gibt es höchstens eine Handvoll Kandidaten, die dafür überhaupt in Frage kommt. Das Konzept darf aber nicht nur auf die Top-Athleten zugeschnitten sein. Genauso wichtig ist, dass es im Nachwuchs- und Perspektivkader greift.
Was wird im Januar Ihre erste Amtshandlung als Bundestrainer sein?
Ich werde mir als erstes ein Kompetenzteam zusammenstellen. Das soll ein enger Kreis werden, der eine lange Zeit zusammenhält. Dem möchte ich im Januar mein Konzept vorstellen.
Verraten Sie, wer diesem Team angehören wird?
Das steht noch nicht fest. Fest steht nur, dass es fluktuativ sein wird. Beim Thema Freiwasserschwimmen zähle ich auf jeden Fall einen Stefan Lurz (Bundestrainer Freiwasserschwimmen d.R.) dazu. Beim Thema KLD (Kaderleistungsdiagnostik d.R.) werden es dann andere Experten sein. Ich möchte da mit Systematik und Methodik herangehen, damit wir schnell gute Ergebnisse erzielen, aber nicht gleich 20 neue Baustellen eröffnen.
Wissen Sie schon, wer Ihr Nachfolger als Stützpunkttrainer in Essen wird?
Nein, ein Kandidat steht noch nicht fest. Ich werde da aber mit Sicherheit ein Wörtchen mitreden.
Sie sind gerade in Istanbul. Wie bewerten Sie die bisherigen Leistungen der deutschen Schwimmer bei der WM?
Ich bin erst gestern Abend angekommen und konnte noch nicht so viel sehen. Insgesamt ist es ein kleines Team, das aber starke Leistungen zeigt. Paul Biedermann ist ein Garant für gute Ergebnisse, was er mit seiner Silbermedaille über 200 Meter Freistil bewiesen hat. Einer wie Christian Diener begeistert mich zu 100 Prozent. Ein junger Athlet, der jetzt schon auf Weltniveau mitschwimmt. Genau das sind die Athleten für die Zukunft.