Lochte-Wende muss disqualifiziert werden

Mit seiner speziellen Wendenausführung schwamm Ryan Lochte in Kasan zum WM-Titel über 200 Meter Lagen. Jetzt hat der Weltschwimmverband klargestellt, dass die Technik in Zukunft zur Disqualifikation führt.

| 9. September 2015 | Aktuell

Ryan Lochte - Kraulwende | Ryan Lochte - Kraulwende

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Lochte hatte bei den Weltmeisterschaften für Staunen gesorgt, als er nach dem Abstoß von der Wand in Rückenlage tauchte und erst kurz vor der 15-Meter-Marke in die Bauchlage wechselte. Was beim Freistilschwimmen laut Reglement kein Problem darstellt, würde dem 30-Jährigen beim nächsten Lagenrennen zum Verhängnis. Wie der Weltschwimmverband FINA mit einer Regelinterpretation (hier als pdf) klarstellte, ist die "Lochte-Wende" nach dem Wechsel von Brust auf Freistil nicht erlaubt und der Schwimmer damit zu disqualifizieren.

Entscheidend für die Regelauslegung seien zwei Passagen aus den Wettkampfbestimmungen, teilte die FINA seinen über 200 Mitgliedsverbänden mit. In der deutschen Fassung betrifft es die Paragrafen 126 und 130.

§130 Lagenschwimmen

Das Lagenschwimmen ist in vier gleich langen Teilstrecken in der Reihenfolge Schmetterlingsschwimmen, Rückenschwimmen, Brustschwimmen und Freistilschwimmen zurückzulegen.

§126 Freistilschwimmen

(1) "Freistil bedeutet, ... dass in einer Lagenstaffel oder im Lagenschwimmen jede andere Schwimmart außer Brust- , Schmetterlings- oder Rückenschwimmen geschwommen werden darf."

Weil der Rücken-Stil nur durch "auf dem Rücken schwimmen" definiert ist, interpretiert die FINA die Tauchphase in Rückenlage auch nach dem Wechsel von Brust zu Freistil als Rückenschwimmen. Damit würde Lochte beim Lagenschwimmen gegen die Regeln 126 und 130 verstoßen.

Ryan Lochte | Ryan Lochte

Mit drei Gold- und einer Silbermedaille war Ryan Lochte erfolgreichster männlicher Athlet der WM in Kasan.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Eine rückwirkende Aberkennung des historischen WM-Titels, es war Lochtes vierter in Folge über 200 Meter Lagen, wird es nicht geben. Disqualifikationen gelten als Tatsachenentscheidungen und können nicht im Nachhinein ausgesprochen oder revidiert werden. Keinen Grund zur Beanstandung sieht die FINA weiterhin darin, beim Lagenschwimmen auf der Freistildistanz mit Delfinbeinbewegungen (in Bauchlage) zu tauchen. In Freistilrennen wird das Tauchen in Rückenlage auch in Zukunft erlaubt sein.