Pool | 26. Juli 2011

200 Meter Freistil Lochte siegt vor Phelps, Biedermann holt Bronze

Frank Wechsel | Der Amerikaner Ryan Lochte hat mit einem starken Auftritt auf der zweiten Hälfte die WM-Goldmedaille über 200 Meter Freistil gewonnen und das direkte Duell gegen seinen Landsmann Michael Phelps gewonnen. Paul Biedermann sicherte sich in einem spannenden Rennen die Bronzemedaille.
Der erste Auftritt im vielleicht prestigeträchtigsten Rennen dieser Weltmeisterschaften gehörte Michael Phelps. Nach seinen charakteristischen Flügelschlägen auf dem Startblock ging der achtfache Olympiasieger von 2008 die ersten 50 Meter am schnellsten an, gefolgt vom Russen Nikita Lobintsev und Ryan Lochte. Paul Biedermann, für den erneut die langsamste Reaktionszeit auf dem Startblock gemessen wurde, schlug nach der ersten Bahn als Sechster an.
Auf dem Rückweg zur Startbrücke änderte sich nichts an der Reihenfolge an der Spitze. Nur Paul Biedermann holte auf, kämpfte sich auf den vierten Platz vor. Auf der dritten Bahn setzte sich dann Ryan Lochte an die Spitze. Als der Herausforderer von Michael Phelps an der 150-Meter-Wende vorn lag, war klar, dass das Rennen für ihn laufen würde.

Biedermann sichert Bronze im Endspurt

Zwischenzeitlich hatte sich der Franzose Yannick Agnel an die zweite Position geschoben, doch Phelps und Biedermann machten auf der letzten Bahn gehörig Druck. Nach 1:44,44 Minuten ließ sich Ryan Lochte als klarer Weltmeister feiern, Michael Phelps schlug als Zweiter in 1:44,79 Minuten an und Paul Biedermann sicherte sich in 1:44,88 Minuten die Bronzemedaille.
Der Titelverteidiger wird Dritter: Hat Biedermann nun Bronze gewonnen oder Gold verloren? "Ich bin etwas enttäuscht und kann mich noch nicht freuen über diese Medaille", sagte der entthronte Titelträger nach dem Rennen. "Das Rennen war sehr eng, ich muss mir das noch einmal in Ruhe anschauen." Bei den 400 Metern habe er im Vorfeld überhaupt nicht gewusst, wo er stehe, bei den 200 Metern hatte er höhere Erwartungen. "Die waren vielleicht auch zu hoch", sagt Biedermann.

Zeit in Ordnung, Platz nicht

Biedermann hadert eher mit der Platzierung als mit seiner Zeit - die ist schließlich die schnellste seit dem Verbot der Wunderanzüge, in denen er 2009 bei der Weltmeisterschaft in Rom zu Titel und Weltrekord geschwommen war. "Meine Zeit geht schon in Ordnung", sagt Biedermann, "wahrscheinlich kann ich mich morgen auch darüber freuen." 2009 hatte er Michael Phelps überraschend niedergerungen - dass der Amerikaner nun vor ihm lag, ist für Biedermann ein Fingerzeit: "Michael Phelps wird nun die 100 und 200 Meter Schmetterling bei dieser WM gewinnen."

Auf nach London 2012

Gewinnen will auch Paul Biedermann wieder auf seiner Paradestrecken, und Biedermann wäre nicht Biedermann, wenn er aus einem Rennen, das er selbst als Niederlage bewertet, nicht sofort neue Motivation schöpfen würde: "Das Olympiafinale in London wird nicht viel anders aussehen als das heutige", sagt der Hallenser. "Das heißt für mich jetzt: Jeden Tag im Training 100 Prozent geben. Ich kann jetzt gut ins Training für 2012 starten, denn ich weiß: Ich habe genug zu tun, um wieder vorne anzukommen."
14. Schwimm-WM 2011 in Shanghai
Finale 200 m Freistil Männer
1Ryan LochteUSA1:44,44
2Michael PhelpsUSA1:44,79
3Paul BiedermannGER1:44,88
4Tae Hwan ParkKOR1:44,92
5Yannick AgnelFRA1:44,99
6Nikuta LobintsevRUS1:46,57
7Dominik MeichtrySUI1:47.02
8Dinila IzotovRUS1:47,46