Pool | 21. September 2011

Britta Steffen Konfrontation statt Entspannung

Moritz Dickentmann | Im Streit zwischen Britta Steffen und dem Deutschen Schwimmverband (DSV) scheint vorerst keine Einigung in Sicht. Eine Pressekonferenz am vergangenen Freitag sollte aufklären, stattdessen wirken die Fronten verhärteter denn je. Der 27-Jährigen könnten nun sogar Sanktionen durch den Verband drohen.
Gut zwei Monate ist es her, als Steffen nach verpatztem Auftritt bei den Weltmeisterschaften von Shanghai frühzeitig die Heimreise antrat. Nur mit großer Mühe hatte sie damals das Halbfinale über 100 Meter Freistil erreicht, angesichts einer für sie indiskutablen Zeit jedoch auf die weitere WM-Teilnahme verzichtet. Genau darin liegt der Ursprung des Streits zwischen Deutschlands Vorzeigeschwimmerin und dem DSV. Letzterer wirft Steffen vor, die Mannschaft durch die eigenmächtige Abreise im Stich gelassen zu haben und jüngeren Athleten damit ein schlechtes Vorbild gewesen zu sein.
Am vergangenen Freitag schilderte die zweifache Olympiasiegerin nach wochenlangem Schweigen nun endlich ihre Sicht der Dinge. Etwa eine Stunde lang stand Steffen bei der von ihr selbst einberufenen Pressekonferenz im Berliner Olympiastützpunkt Rede und Antwort. Eine Entschuldigung kam der Sportlerin dabei nicht über die Lippen - wohl aber ein Erklärungsversuch für ihr Verhalten. Sie habe nach ihrem schlechten Abschneiden "Peinlichkeit, Schwäche und Scham" empfunden und nur noch geheult, erzählte die 27-Jährige. In dieser Verfassung habe sie nicht negativ auf die anderen Mannschaftsmitglieder wirken wollen, sagte sie weiter. „Ich bin gefahren, weil ich das gesamte Team nicht belasten wollte." Eine Erklärung für ihre Formschwäche lieferte sie gleich mit. Nach ihrer langen Pause habe sie neue Reize setzen wollen und deshalb das hochintensive Krafttraining der männlichen Mannschaftskollegen übernommen, so Steffen. Mit negativen Folgen. „Ich war so muskulös, dass ich nach 75 Metern im Wasser keine Luft mehr hatte."

Inwieweit Steffens Ausführungen dem Verband - der auf der Pressekonferenz übrigens trotz angeblicher Einladung nicht vertreten war - als Entschuldigung für die frühzeitige WM-Abreise ausreicht, bleibt offen, eine Reaktion des DSV auf Steffens Erklärungen ist bisher ausgeblieben. Laut Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" soll DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow der 27-Jährigen zuvor bei einem gemeinsamen Treffen ein Wiedergutmachungsangebot unterbreitet haben. So soll der Vorzeigesportlerin zum einen angetragen worden sein, eine freiwillige Spende an den Schwimm-Nachwuchs zu leisten. Daneben sollte sie sich den Berichten zufolge mit rund 150 Jugendliche treffen, die als Fans nach Shanghai gereist und durch den überraschenden Rückzug enttäuscht worden waren. Steffen bestreitet indes, ein solches Angebot bekommen zu haben. Zudem fühle sie sich durch ihr schlechtes Abschneiden in Shanghai schon „genug gestraft". Der Streit zwischen der Ausnahmeschwimmerin und dem DSV schwelt weiter. Und könnte im schlimmsten Fall bis zu einer Wettkampfsperre für die zweifachen Weltmeisterin eskalieren.