Pool | 15. Mai 2013

Leistungssport im DSV Kommission: Defizite in der Umsetzung, nicht aber im System

Peter Jacob | Eine Expertenkommission des Deutschen Schwimm-Verbands hat "Defizite in der Trainingssteuerung" und das geringe "Niveau in konditionellen Leistungsfaktoren" als Hauptursachen für das Olympia-Debakel in London ausgemacht. "An den Rahmenbedingungen des Verbandes hat das Abschneiden unser Olympia-Teilnehmer nicht gelegen", heißt es in dem jetzt veröffentlichten Abschlussbericht.
Die "Medaillenbilanz war ernüchternd und enttäuschend", fasst der Ausschuss die Olympischen Spiele 2012 zusammen. Einzig der zehnfache Freiwasser-Weltmeister Thomas Lurz schaffte bei den Londoner Schwimmwettbewerben den Sprungs aufs Podest. Das Gremium stellt daher nüchtern fest: Mit der Weltspitze können die deutschen Spitzenschwimmer in der Breite derzeit nicht mithalten, dies gelingt lediglich "Einzelkönnern".
Britta Steffen
Britta Steffen steigt nach einem Rennen aus dem Wasser. Die Doppel-Oympiasiegerin von Peking ging in London leer aus.
©Frank Wechsel / spomedis
Als konditionelle Mängel werden in dem Bericht Defizite in Kraftausdauer und Grundlagenausdauer hervorgehoben. So würden die Athleten zwischen Vorlauf und Semifinale nur unzureichend regenerieren. Insgesamt seien die Sportler deshalb nicht in der Lage, beim Saisonhöhepunkt ihre guten Leistungen von den nationalen Meisterschaften zu wiederholen.
Es habe Probleme in der "Trainingssteuerung in der Wettkampfvorbereitung und im langfristigen Leistungsaufbau" gegeben, heißt es in dem Bericht. Zwar sei das Personalkonzept grundsätzlich richtig. In der Praxis habe sich jedoch die Doppelbelastung der Stützpunkttrainer, die zugleich Kadertrainer sind, als ineffizient erwiesen. "Wofür soll der Trainer sich entscheiden?", wird in dem Bericht gefragt. Für das Training mit den Kadersportlern oder die notwendige administrative Arbeit für den Stützpunkt? Zur Entlastung schlägt die Kommission vor, den fünf Bundesstützpunktrainern in Hamburg, Berlin, Essen, Heidelberg und Halle/Saale jeweils einen Assistenten für Bürotätigkeiten an die Seite zu stellen.
Mitglieder der DSV-Strukturkommission:
  • Christa Thiel (DSV-Präsidentin)
  • Vico Kohlat (DSV-Vizepräsident)
  • Lutz Buschkow (DSV-Leistungssportdirektor)
  • Jürgen Fornoff (DSV-Generalsekretär)
  • Werner Freitag (Präsident Schwimmverband Hessen)
  • Prof. Dr. Lutz Nordmann (Direktor der Trainerakademie)
  • Dirk Schimmelpfennig (Sportdirektor DTTB)
  • Markus Weise (Hockey-Bundestrainer)
  • Prof. Dr. Zinner (Vizepräsident Landes-Sportbund Berlin)
  • Thomas Sinsel (Ressortleiter Sommersport DOSB)
  • Thomas Lurz (Olympia-Silbermedaillengewinner)
 
Die DSV-Kommission war nach den Spielen von London zur Analyse der leistungssportlichen Strukturen installiert worden. Sie tagte im Oktober und November viermal und hat lediglich beratende Funktion und keine Entscheidungsgewalt. 
Thomas Lurz auf dem Weg zur Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in London.
Thomas Lurz gewann in London die einzige Medaille für die deutschen Schwimmer.
©Frank Wechsel / spomedis