Katinka Hosszu: "Manchmal muss ich mich selbst betrügen"

Sie schwimmt so viele Rennen wie keine andere bei der EM in Berlin. Katinka Hosszu ist die "Iron Lady" des Schwimmsports. Im swim.de-Gespräch spricht sie über ihre Wettkampfhärte und verrät wie es ist, wenn der eigene Coach auch der Ehemann ist.

| 19. August 2014 | AKTUELL

Katinka Hosszu (HUN) | Katinka Hosszu im Interview

Katinka Hosszu im Interview

Foto >Frank Wechsel / spomedis

In zehn Events will Katinka Hosszu bei der EM um Medaillen schwimmen. Was für andere Athleten außerhalb ihrer Vorstellungskraft liegt, ist für die 25-Jährige ein eher überschaubares Pensum. Es gab schon Wettkämpfe, bei denen die Ungarin zu jedem Rennen auf den Startblock stieg. Zehn bis zwölf Einsätze an einem Tag sind für sie nichts Besonderes.

"An manchen Tagen schwimme ich zwölf Rennen. So gesehen, sind zehn Rennen in Berlin keine große Sache."

Katinka Hosszu

Aber Hosszu schwimmt nicht nur viel - meistens ist die dreifache Weltmeisterin dabei auch noch richtig schnell. Zum EM-Auftakt holte Sie gestern Gold über 400 Meter Lagen und lag dabei lange Zeit auf Weltrekordkurs. Kurze Zeit später schwamm sie im Halbfinale über 200 Meter Rücken deutlich hinterher. Heute ist sie über 100 Meter Freistil im Einsatz.

Frau Hosszu, welches Geheimnis steckt hinter ihrem Marathon-Einsätzen?
Da gibt es kein Geheimnis. Es steckt natürlich viel Arbeit dahinter aber vor allem musst du mental bereit sein. Du darfst nicht an die nächsten Aufgaben denken, bevor du dein Rennen beendet hast. Dafür muss man manchmal seinen eigenen Kopf betrügen. Ich rede mir zum Beispiel ein, dass ich nicht müde bin. Doch eigentlich bin ich völlig fertig.

Katinka Hosszu | Glänzender Auftakt: Am Montag jubelt Hosszu über Lagen-Gold.

Glänzender Auftakt: Am Montag jubelt Hosszu über Lagen-Gold.

Foto >Daniel Kopatsch

Was machen Sie anders als Ihre Rivalinnen?
Ich bestreite das ganze Jahr über sehr viele Rennen und trainiere bewusst darauf hin. Manchmal schwimme ich zehn oder zwölf Rennen an einem Tag und versuche jedes Mal mein Bestes zu geben. So gesehen, sind die zehn Rennen an sieben Tagen in Berlin keine große Sache.

Über 400 Meter Lagen waren Sie lange Zeit auf Weltrekordkurs. Was ist dann passiert?
Ich bin so schnell geschwommen wie noch nie in meinem Leben. Ich glaube sogar, auf den ersten 300 Metern war bisher niemand schneller als ich. Auf den letzten 100 Metern ging dann nichts mehr und ich war froh, überhaupt zu gewinnen. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich 300 Meter sehr schnell schwimmen kann. Jetzt müssen die letzten 100 noch besser werden.

Über 200 Meter Rücken sind Sie danach dem Feld weit hinterher geschwommen.
Ich wusste nach 100 Metern, dass es nicht klappen würde. Die Zeit zwischen den Rennen war sehr kurz, vielleicht zehn Minuten. Und die 400 Meter Lagen sind eine Strecke nach der es schwerfällt, zu regenerieren. Mit etwas mehr Recovery-Zeit hätte ich sicher eine Medaille geholt.

Katinka Hosszu | Vielseitig: Katinka Hosszu kann fast alles, nur über die Bruststrecken tritt sie selten an.

Vielseitig: Katinka Hosszu kann fast alles, nur über die Bruststrecken tritt sie selten an.

Foto >Daniel Kopatsch

Sie haben im vergangenen Jahr Ihren Coach Shane Tusup geheiratet. Ist es eigentlich anstrengend, wenn der eigene Ehemann bei jedem Rennen zusieht?
Bei Wettkämpfen ist es einfacher. Es ist schön jemanden an meiner Seite zu wissen, der mich unterstützt, der weiß, wie hart ich arbeite und der meine Form genau kennt. Schwieriger ist es im Training, wenn eine harte Einheit ansteht. Nach zwei Jahren wird das aber immer besser. Wir vertrauen uns und sind sehr ehrlich zu einander.

Mit welchen Worten motiviert er Sie?
Er sagt immer: „Katinka, es ist mir egal, wenn du Achte wirst, solange du alles gibst. Wenn du die Wand berührst und mir ehrlich sagst, dass das das Beste war, dann bin ich stolz auf dich.“ Das lässt mich vor meinen Starts ruhiger werden.

Wie gefällt es Ihnen, im Berliner Velodrom zu schwimmen?
Die Arena ist beeindruckend und die Atmosphäre toll. Es ist immer schön, eine große Meisterschaft in einem Stadion auszutragen. Das gibt mir das richtige Gefühl und davon hängt bei mir viel ab.