"Ich google mich nicht selbst"

Mit seinen 16 Jahren steht Johannes Hintze kurz davor, das Ticket für die Olympischen Spiele zu lösen. swim.de hat mit dem Ausnahmetalent gesprochen.

| 7. Mai 2016 | AKTUELL

Impressionen DM 2016 Tag 1 24 | Impressionen von den 128. Deutschen Meisterschaften.

Impressionen von den 128. Deutschen Meisterschaften.

Foto >Daniel Kopatsch / spomedis

Herr Hintze, wie sieht Ihr Tagesablauf aus? Ich stehe so auf, dass ich um 7:15 Uhr in der Halle bin. Frühtraining ist dann von 7:30 bis 9:30 Uhr. Dann gehe ich zur Schule bis kurz vor vier und habe dann eine Stunde Athletiktraining. Von 17 bis 19 Uhr ist die zweite Wassereinheit. Danach zusammen Abendbrot essen und ins Bettchen. Um 6:20 Uhr klingelt wieder der Wecker.

Fällt es Ihnen leicht, so früh aufzustehen? Das kommt auf den Abend vorher an.

Sie werden oft mit Michael Phelps verglichen. Teilweise waren Sie bereits schneller als Phelps im selben Alter. Interessieren Sie solche Vergleiche? Ich google mich nicht selbst, um zu gucken, was geschrieben wird. Aber wenn solche Vergleiche gemacht werden, kriegt man das natürlich über Facebook oder Freunde mit. Mit den Zeiten, die andere schwimmen, beschäftige ich mich auf jeden Fall. Aber das trifft nicht speziell auf Phelps zu, sondern auf alle möglichen Schwimmer und Zeiten.

Johannes Hintze | Vielseitig: Hintze ist in allen  Schwimmlagen stark.

Vielseitig: Hintze ist in allen Schwimmlagen stark.

Foto >Daniel Kopatsch / spomedis

Über 400 Meter Lagen haben Sie sich auf die Longlist des Bundestrainers für die Spiele in Rio geschwommen. Hatten Sie die Olympiateilnahme bereits auf dem Zettel oder hatten Sie eher an Tokio in vier Jahren gedacht? Es wäre ja Quatsch zu sagen, in vier Jahren habe ich wieder die Möglichkeit, da möchte ich jetzt nicht dabei sein. Natürlich möchte ich zu Olympia und ich werde alles dafür geben. Es ist aber nicht so, dass es mich fertig machen würde, wenn es jetzt noch nicht klappt. Ich bin total relaxt und gehe das ganz entspannt ran.

Sie sind sehr vielseitig und halten Altersklassenrekorde in allen Schwimmlagen. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke? Das kann ich gar nicht sagen. Als Lagenschwimmer schwimme ich alles und habe mich noch nicht spezialisiert. Das habe ich auch nicht vor.

Haben Sie ein Vorbild im Schwimmsport? Ich habe oft auf Phelps und Lochte geschaut. Nicht so, dass ich irgendwas kopiere, da achte ich lieber auf mich selbst. An Phelps bewundere ich die Wettkampfhärte, die er immer wieder bewiesen hat, an Lochte die Lockerheit.

Wann und warum haben Sie mit dem Schwimmen begonnen? Das ist relativ unspektakulär. Mit vier habe ich den Wunsch geäußert, dass ich gerne öfter schwimmen gehen würde, deswegen haben wir einen Verein gesucht. Da durfte man zwar erst ab sechs beitreten, ich durfte aber vorschwimmen. Der Verein hat mir dann einen vorzeitigen Eintritt ermöglicht, sodass ich mit vier Jahren regelmäßig trainiert habe.

"Johannes ist ein Fighter"

Das sagt Trainer Norbert Warnatzsch über Johannes Hintze

"Johannes hat sehr gut körperliche Voraussetzungen und ist sehr gut trainierbar. Er ist gut ausgebildet worden, schon im frühen Kindes- und Jugendalter. Er bringt daneben sehr gut psychische Voraussetzungen mit. Johannes ist willensstark, eisern und verfolgt seine Ziele mit Akribie. Und er ist ein Juwel, weil er fighten kann. Er ist ein richtiger Fighter, wenn es drauf ankommt. Dann kann er über sich hinauswachsen."

Warnatzsch | Norbert Warnatzsch

Norbert Warnatzsch

Foto >Frank Wechsel / spomedis