Geschichte erschwimmen

„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!“, forderte der Berliner Dermatologe Oskar Lassar 1874. Als die Europäer im 19. Jahrhundert die Hygiene entdeckten, sprossen in den Großstädten öffentliche Badeanstalten wie Pilze aus dem Boden. In einigen kann man bis heute Schwimmen gehen. Ein echtes Erlebnis.

| 14. Februar 2014 | AKTUELL

Stadtbad Neukölln | Historische Hallenbäder: Stadtbad Neukölln in Berlin.

Historische Hallenbäder: Stadtbad Neukölln in Berlin.

Foto >Berliner Bäder Betriebe

Hallenbäder sind ein Produkt der Aufklärung. Als vor über 150 Jahren Körperpflege immer wichtiger wurde, und auch Mediziner begannen, sich intensiv für Hygiene einzusetzen, entstanden von England ausgehend in fast allen größeren Städten sogenannte Volksbäder. Diese sollte auch weniger privilegierten Menschen Zugang zu sauberem Wasser verschaffen.

Die erste öffentliche Wasch- und Badeanstalt öffnete 1842 in Liverpool. Weitere Städte in England und auf dem Kontinent folgten. In Deutschland machte Hamburg 1855 den Anfang. Während die ersten Anstalten den Besuchern noch Badwannen und Brausen zur Verfügung stellten, entwickelten sich rasch Hallenbäder mit größeren Schwimmbecken, wie wir sie auch heute kennen. Das Friedrichsbad in Magdeburg wurde 1860 in Betrieb genommen. 15 mal 9 Meter maß das neuartige Becken, das mit weißem und grünem Marmor verkleidet war.

Schwimmbäder | Historische Hallenbäder in der SWIM 06.

Historische Hallenbäder in der SWIM 06.

Foto >spomedis

Müller\'sches Volksbad  | Im Müller\'schen Volksbad in München sind heute auch Sportschwimmer unterwegs. Die Bahn ist 31 Meter lang.

Im Müller'schen Volksbad in München sind heute auch Sportschwimmer unterwegs. Die Bahn ist 31 Meter lang.

Foto >SWM/Götzfried

Geschichte erleben

Heute sind rund 2.500 der 7.000 Bäder in Deutschland Hallenbäder - unter ihnen finden sich historische Perlen wie das Müller'sche Volksbad in München von 1901, das Holthusenbad in Hamburg (1914) oder die Berliner Stadtbäder Neukölln (1914) und Charlottenburg (1889).

Trotz notwendiger Modernisierung und Anpassung an heutige Bedürfnisse sind sie Denkmäler des Jugendstils und des Klassizismus geblieben, hier verbinden sich Sport, Wellness und Gesundheit mit Geschichte. Das beginnt schon beim Umziehen: Statt den heute üblichen Sammelumkleiden, ist es in einigen Bädern noch immer möglich, großzügige Einzelkabinen zu beziehen, in denen die Klamotten während des Schwimmens auf einen warten.

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