Feldwehrs Traum von Olympia droht zu Platzen

Schock für Hendrik Feldwehr: Der derzeit schnellste deutsche Brustschwimmer hat sich im Training eine schwere Verletzung im Adduktorenbereich zugezogen und bangt nun um seinen Olympia-Traum.

| 24. April 2012 | AKTUELL

Hendrik Feldwehr (SG Essen) | Hendrik Feldwehr (SG Essen)

Hendrik Feldwehr (SG Essen)

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Im Kraftraum ist es passiert. Hendrik Feldwehr wollte gerade seinen letzten Satz Kniebeugen abschließen, da knackte es plötzlich in der linken Hüfte. „Hendrik hat sofort die Hantel fallengelassen, wir wussten gleich, dass da was kaputt gegangen sein muss“, so sein Trainer Henning Lambertz.

Beim Arzt dann die traurige Gewissheit: Obwohl nichts gerissen ist, ist die Verletzung doch so schwer, dass es eng wird mit den Deutschen Meisterschaften in Berlin, wo in knapp drei Wochen die Tickets für die Olympischen Spiele London vergeben werden. Denn durch eine schwere Adduktorenzerrung mit Muskelbündelrissen ist Feldwehr in der Hüftbeuge total lahmgelegt. Er kann nicht schmerzfrei laufen, kann sich nicht setzen, ohne sich abzustützen, geschweige denn trainieren. Stattdessen pendelt er zwischen Arzt und Sofa hin und her, dazu geht es mindestens zweimal am Tag zur Physiotherapie.

Zukunft ungewiss

Niemand konnte oder wollte sich bislang festlegen, wie lange es dauern wird, bis der deutsche Meister wieder ins Wasser steigen kann. Ohnehin müsste der Europarekordhalter voll fit sein, um Konkurrenten wie Christian vom Lehn oder Marco Koch zu schlagen. Doch nach guten Ausdauer- und Intensitätseinheiten fehle Feldwehr nun die komplette Phase der Formzuspitzung, die Phase also, in der sich die Schnelligkeit entwickeln sollte.

 „Ich war mir so sicher, dass Hendrik das schaffen würde“, so Lambertz, „er war total gut drauf, alles lief mehr als planmäßig.“ Tatsächlich war der 25-Jährige schon im März beim olympischen Testwettkampf in London bis zu drei Hundertstelsekunden an die Norm herangeschwommen.

Lambertz hat nach dem ersten Schock alle ihm möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, hat neben den lokalen Ressourcen auch den ehemaligen Brust-Weltmeister und Sportmediziner Mark Warnecke aktiviert. Selbst Gedankenspiele in Richtung Sonderregelungen wurde schon getätigt, falls Feldwehr nicht in Berlin und auch nicht einen Woche später bei der EM im ungarischen Debrecen starten kann, die ebenfalls als Qualifikationswettkampf für die deutschen Schwimmer gilt. „Der DSV wird da alles in seiner Macht stehende tun“, da ist sich Lambertz sicher. Bei der Olympia-Nominierung liegt das letzte Wort jedoch beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Sollten sich zwei Schwimmer regulär qualifizieren, sind diese Gedankenspiele natürlich hinfällig. Allerdings müssen auch diese zwei Schwimmer erstmal die harte Norm von 1:00,44 Minuten über 100 Meter Brust unterbieten – eine Zeit, die ohne die mittlerweile verbotenen Hightech-Anzüge noch kein Deutscher zuvor knacken konnte, an der Feldwehr aber immerhin im März schon kratzte. Möglicherweise ein gutes Argument für die Gespräche mit dem DOSB.

"Warum ausgerechnet jetzt?"

Feldwehr selbst bleibt optimistisch – oder er versucht es zumindest. „Das schwankt immer ein bisschen. Einerseits bin ich recht positiv eingestellt und sage mir: Es ist jetzt halt so und lässt sich nun mal nicht ändern“, so Feldwehr. „Doch wenn ich dann die ein oder andere Übung versuche und merke, dass das so ganz flüssig nicht läuft, denkt man schon: Warum ausgerechnet jetzt?“

Lambertz geht es ähnlich. Auch er schwankt zwischen Pessimismus und Optimismus, spricht einerseits von „Utopie“ und „Zauberhand“, wenn er von einem tatsächlichen Start bei den Qualifikationswettbewerben für die Spiele spricht. Doch Feldwehrs Trainer hat natürlich auch ein paar Hoffnungsschimmer für seinen langjährigen Schützling parat. „Es ist ja doch noch ein paar Tage hin bis zu den Deutschen Meisterschaften. Wenn er nächste Woche wieder ins Wasser kann und wir dann noch gut trainieren können, dann haben wir vielleicht noch eine Chance.“