Erst Abi, dann Olympische Spiele

Silke Lippok steht nach EM 2010 und WM 2011 vor dem nächsten Highlight ihrer Karriere: Die olympischen Spielen in London. Auf dem Weg dorthin kehrt sie in jenes Land zurück, in dem vor zwei Jahren ihr Stern am internationalen Schwimm-Himmel aufging.

| 17. Mai 2012 | AKTUELL

Silke Lippok | Deutsche Meisterschaft Berlin 2012

Deutsche Meisterschaft Berlin 2012

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Erst Abi, dann Olympische Spiele

Vor Kurzem hat sich Silke Lippok noch die Regeln vom Basketball erklären lassen. Das fachpraktische Abi stand an, „und da ich, glaube ich, ganz gut rennen und decken kann“, hat sich die 18-Jährige beim Mannschaftssport für eine Prüfung im Basketball entschieden. Im Einzelsport musste die Pforzheimerin indes zeigen, was sie im Schwimmen drauf hat. Und das ist nicht gerade wenig.

Locker und unbekümmert

Silke Lippok ist Vize-Europameisterin auf der Lang- und Europameisterin auf der Kurzbahn. In den vergangenen zwei Jahren hat sie einige Schwimm-Legenden auf sich aufmerksam gemacht und auch abseits des Beckens mit ihrer lockeren und unbekümmerten Art Team-Kollegen, Konkurrenten, Trainer, Fans und Medien gleichermaßen beeindruckt.

Längst sind die Vergleiche mit der jungen Franziska van Almsick verstummt, hat die sympathische Abiturientin doch mittlerweile ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel von der EM 2010 in Budapest, wo sie mit 16 Jahren das Rennen ihres noch so jungen Lebens schwamm. In ihrem ersten internationalen Finale bei den „Großen“ kraulte die damals noch unbekannte Wassernixe auf der Außenbahn den sieben schnellsten Damen Europas davon. Darunter auch Weltrekordhalterin Federica Pellegrini, später voll des Lobes für die sechs Jahre jüngere Lippok: „Sie könnte in Zukunft eine meiner größten Konkurrentinnen werden.“

"Ich dachte, sie ertrinkt"

„Ich glaube, die habe ich schon ein wenig irritiert“, sagte Lippok nach ihrem Rennen kess. Schließlich lag sie auch nach der dritten Wende noch vor der italienischen Schwimm-Diva, die erst danach an der tapferen Pforzheimerin vorbeizog. Das war zu erwarten. Ganz und gar nicht zu erwarten war dagegen, dass Silke Lippok trotz enorm hoher Anfangsgeschwindigkeit noch den zweiten Platz verteidigen konnte. Selbst Paul Biedermann, als Weltrekordhalter über die vier Bahnen Kraul eigentlich Experte für diese Strecke, sagte später: „Ich dachte, sie ertrinkt nach den ersten 100 Metern.“

Ein Jahr später, bei ihrem nächsten Langbahn-Höhepunkt, hat das Kraul-Ass dann ein bisschen hoch gepokert, war ihr 200-Meter-Freistil-Finale bei der WM in Shanghai zu schnell angegangen und dann bis auch Platz acht durchgereicht worden. „Ich habe einfach alles auf eine Karte gesetzt“, sagte sie damals zur abgesprochenen Renn-Taktik. Natürlich habe sie sich die zweiten 100 Meter anders vorgestellt, „aber ich musste das einfach mal ausprobieren, um zu wissen, ob es funktioniert“, erklärte Lippok noch und ergänzte lachend: „Jetzt weiß ich: Es funktioniert nicht.“