Den deutschen Schwimmern fehlt eine "Galions-Figur"

Paul Biedermann, Marco Koch, Steffen Deibler und Dorothea Brandt sind wohl die bekanntesten aktiven Schwimmsportler Deutschlands. Doch eine echte "Galions-Figur" sieht Bundestrainer Henning Lambertz auch ihn ihnen derzeit nicht.

| 20. Januar 2015 | AKTUELL

EM Berlin 2014 - Warm-up am Dienstag - 17 | Schwimm-EM Berlin 2014

Schwimm-EM Berlin 2014

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Fehlen den deutschen Schwimm-Assen die echten Leader? Solche, die mal auf den Putz hauen, wenn es nötig ist, die polarisieren und an denen sich junge Nachwuchssportler orientieren? "Zurzeit haben wir sie nicht", sagt Chef-Bundestrainer Henning Lambertz im aktuellen DSV-Verbandsorgan Swim & More und fügt hinzu: "Die Charaktere sind halt verschieden."

Angesprochen auf Sportlerpersönlichkeiten wie Robert Harting oder Franziska van Almsick, die das Interesse der Medien auf sich ziehen, falle ihm spontan der Ex-Handballer Stefan Kretzschmar ein, so Lambertz. "Solche Leute machen für die Außendarstellung einer Sportart oftmals einen Sinn. Erst recht, wenn sich hinter der Unangepasstheit tatsächlich auch noch ein kluger Kopf verbirgt."

"Nicht schnitzen oder backen"

Jedoch: "Man kann sich solche Galions-Figuren nicht schnitzen oder backen", sagt Lambertz. So sei beispielsweise Paul Biedermann zweifellos ein "außergewöhnlicher Athlet", doch fühle der sich "für eine solche Rolle nicht berufen". Jedoch warnt Lambertz Athleten davor, sich zu verstellen. Denn aufgesetzte Individualität würde man sofort bemerken, "die wird kontraproduktiv".

In dem Interview bekräftigt Lambertz sein Ziel, bei Olympia 2020 mit "sieben bis acht Athleten" vorne mitschwimmen zu wollen. "Das ist mein Anspruch, daran werde ich mich messen lassen, und wenn ich dem nicht genüge, meine Konsequenzen ziehen."