Chaos bei Australiens Schwimmern

Trainer weg, Präsident weg, Sponsor weg: Australiens Schwimmverband schlittert derzeit von einer Krise in die nächste. Knapp sechs Wochen vor Eröffnung der Schwimm-WM in Barcelona sucht die Schwimmnation verzweifelt einen neuen Chefcoach. Nun zogen sich auch noch Verbandspräsident Barclay Nettlefold und ein wichtiger Geldgeber zurück.

| 5. Juni 2013 | AKTUELL

100_F_M | James Magnussen (AUS)

James Magnussen (AUS)

Foto >Silke Insel / spomedis

In London fuhren die australischen Schwimmstars mit nur einer Goldmedaille durch die 4 x 100 Meter Freiststilstaffel der Frauen das schlechteste Olympia-Ergebnis seit 20 Jahren ein. Mangelnde Führungsqualitäten des Trainerstabs und unprofessionelles Verhalten seitens der Athleten wurden später als Ursachen ausgemacht.  So soll es während der Olympia-Vorbereitung in Manchester zu ausschweifenden Partys und nächtlichen Telefonanrufen bei schlafenden Teamkollegen gekommen sein. Eine wichtige Rolle soll dabei das Schlafmittel Stilnox gespielt haben.

Rund zehn Monate nach Olympia steht Swimming Australia noch immer vor einem Scherbenhaufen. "Der australische Schwimmsport befindet sich in einem Neuaufbau", erklärte Verbands-Geschäftsführer Mark Anderson. Ende Mai lancierte der Verband die weltweite Suche nach einem neuen Chefcoach. Der Nachfolger des zurückgetretenen Leigh Nugent solle neben schwimmerischem Fachwissen ausdrücklich auch über hohe Sozialkompetenz, Kommunikationsstärke und Führungsqualitäten verfügen, heißt es in der Stellenausschreibung.

Präsident nur sieben Monate im Amt

Während die Trainerfrage abzusehen war, kam der Rücktritt von Präsident Nettlefold völlig unerwartet. Nettlefold hatte am Wochenende nach nur sieben Monaten im Amt das Handtuch geworfen. Ihm wird vorgeworfen, sich gegenüber weiblichen Angestellten ungebührend verhalten zu haben. Nur wenige Tage später verabschiedete sich mit Energy Australia auch ein wichtiger Geldgeber des Verbandes wegen der anhaltenden Negativschlagzeilen. Acht Millionen Australische Dollar (etwa sechs Millionen  Euro) gehen dem Verband, dem außerdem die staatlichen Mittel gekürzt wurden, in den nächsten vier Jahren durch die Lappen.

Bei den australischen Meisterschaften in Adelaide zeigten sich die Schwimmstars vor einem Monat unbekümmert. "Die letzten Ergebnisse im Pool waren sehr ermutigend", sagte Anderson. Allen voran James Magnussen, einer der Hauptbeschuldigt im Stilnox-Skandal, überzeugte bei der WM-Quali mit zwei Weltjahresbestzeiten über 50 und 100 Meter Freistil. Gefeiert wurde auch der erst 17-Jährige Jordan Harrison, der sich in 14:51 Minuten über 1.500 Meter in den Kreis der WM-Favoriten schwamm.