Wladimir Putin kann nicht schwimmen!

2014 war ein ruhiges Jahr für Bruno Baumgartner - er nahm kein weiteres Open-Water-Großprojekt in Angriff. Warum das so ist und was damit Wladimir Putin zu tu hat, erzählt er in seinem neuen Blog.

| 16. Oktober 2014 | AKTUELL

Bruno Baumgartner | Bruno Baumgartner Blog

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Wladimir Putin kann nicht schwimmen!

„10“…. die kühle Metallspirale dreht sich langsam, aber beständig in das bräunliche Fleisch des Zapfens und erzeugt dabei diesen ureigenen Klang, den Kenner seit Jahrzehnten zu schätzen wissen … „9“…. Es ist ein Quietschen, das sich etwas wie ein leicht gequältes Seufzen anhört. „8“….. eine Melodie? Eine Symphonie? Eine Ode an den bald folgenden Geschmack auf unseren Lippen? „7“… Die Spirale erreicht ihr Ende und ich ziehe leicht an dem hölzernen Griff in dem sie mündet. „6“… Der Korken im grünlich funkelnden Flaschenhals beginnt sich langsam zu bewegen und seiner Bestimmung zu entsagen die Aromen von der Außenwelt fern zu halten „5“ … oder den Inhalt vor schädlichen Einflüssen zu schützen…?

Countdown mit 365 neuen Chancen

„4“ Wie so vieles im Leben, ist es eine Frage der Perspektive. „3“…. Ich sehe wie sein Zellulose-Körper begierig auseinander quillt, sobald er über den Flaschenhals ragt. Ob es sich gut anfühlt, wenn Druck nachlässt? „2“ … Ich wende etwas mehr Kraft auf, denn die zählende Stimme nähert sich beständig der 0, um eine neue Zeit einzuläuten. Doch die Null ist nicht das Ende, sondern ein Neuanfang. „1“….. Sie startet einen Countdown mit 365 neuen Chancen, Hoffnungen und Möglichkeiten. „0 ...“

Das ureigene Geräusch des Korkens, der den Flaschenhals endgültig freigibt, hört sich verheißungsvoll und beinahe wissend an. Es klingt wie eine beständige Konstante, die den Wandel der Zeit überdauert. Schon unsere Urgroßmütter und Väter haben es so vernommen. Es ist eine Art edler, akustischer Botschaft, die Raum und Zeit zu überdauern vermag. Ich bin gut gestimmt und zuversichtlich. 2013 war ein gutes Jahr. Ich kann fast fühlen, wie der schwere Rote begierig die frische Luft durch den Flaschenhals saugt.

Irgendwie ist er wie ich. Er kann nicht eingesperrt sein – braucht Luft und Freiheit, um sich zu entfalten. Ich halte das bauchige Weinglas etwas schräge und erfreue mich an dem fröhlichen Gluckern, in dessen Begleitung sich der aromatische Körper sanft der Wand des Glases entlang schmiegt. Doch dann ist er da! Fast unsichtbar liegt er tückisch und leicht über den zarten Aromen der Traube. Es ist dieser schwache und doch so schwer zu ertragende Geruch nach Kork. Ich will es nicht wahrhaben und schwenke das Glas leicht unter der hellen Beleuchtung der Küche. Es bilden sich glitzernde Schlieren, die der Fachmann Tränen nennt.

Lange getragene Ökosandalen

Alles sieht so gut aus, doch als ich das Glas über die Nase halte und tief einatme, wird die Ahnung zur Gewissheit. Der schale Geschmack von Kork legt sich wie ein beleidigender Schleier auf die Schleimhäute der Nase und verwehrt den Sinnen ihre wohlverdiente Stimulation. Weine lassen sich gut mit Menschen vergleichen. Genau wie ihre Jahrgänge über eine bestimmte Anzahl abgefüllter Flaschen verfügen, so ist uns eine unbekannte Anzahl an Jahren vergönnt. Doch während einige von ihnen wunderschön und aufregend sind, schleicht sich in andere dieser fiese Geruch ein, der einem an zu lange getragene Ökosandalen erinnert.

Dies soll kein Blog sein um „Ach jeh’s“ und „Oh nein’s“ zu generieren. Doch ich fühle eine gewisse Verpflichtung euch zu erklären, warum man dieses Jahr „nichts“ von mir gehört hat. Als das Jahr mit dieser nie erklärten und seltsamen Krankheit begann, dachte ich noch nicht daran, dass ich es neun Monate später aus dem Kalender würde reißen wollen. Und hier endet leider auch die Analogie zum Wein. Das Leben lässt sich nicht in die Spüle gießen, um zu guter Letzt die klebrigen Reste mit einem warmen Wasserstrahl zu entfernen. Ebenso wenig passt es durch die runde Öffnung des Altglas-Sammelcontainers. Wir können es nur nehmen, wie es ist ... mit all dem Geruch nach Kork in der Hoffnung auf ein besseres Jahr.