Wissenschaftler analysieren Ultra-Langstreckentraining

Wenn beim Freiwasserschwimmen von langen Strecken die Rede ist, dann geht es in der Regel um die 10-Kilometer-Strecke. Wie trainiert man aber, wenn es um die siebenfache Distanz geht?

| 5. Juli 2016 | AKTUELL

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Cyprus Israel Swim

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Das Freiwasserschwimmen "Progetto Adriatico" führt über 78 Kilometer von Italien nach Albanien. Es können auf der anspruchsvollen Strecke auch schnell 85 Kilometer und mehr werden, wenn man den Kurs nicht kerzengerade durchschwimmt. So ist es dem Italiener Massimo Voltolina ergangen, als er 2011 dieses Unterfangen bei schwierigen Bedingungen erfolgreich bewältigte. Als Voltolina nach 23 Stunden und 44 Minuten wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war ihm eine Nominierung für die World Open Water Swimming Performance Of The Year sicher.

Was aber für ein Training hinter solchen Leistungen steckt, ist häufig sehr individuell und schwer generalisierbar. Dennoch haben Wissenschaftler den damals 48-Jährigen beim Training beobachtet und versucht, Tipps und Empfehlungen für Ultraschwimmer als Ergebnis der Untersuchung auszusprechen.

Analyse der Trainingsbereiche

In den 32 Wochen vor dem Schwimmen sammelten die Forscher Daten über den zeitlichen Umfang, den Trainingsumfang in geschwommenen Kilometern und die Verteilung der Intensitäten. Dabei wurden drei Trainingszonen definiert: Z1 entspricht einem Training mit niedriger Intensität, Z2 ist mit einer Intensität an der aerob-anaeroben Schwelle anzusetzen und Z3 gilt dem Bereich des hoch-intensiven Intervall-Trainings.

Holger Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

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Das Trainingsvolumen variierte zwischen 15 und 70 Kilometern bei einer Trainingshäufigkeit von drei bis sechs Tagen pro Woche, was einem zeitlichen Aufwand zwischen 270 und 1.140 Minuten entsprach. Voltolina wählt in der Aufteilung der Intensitäten nach den drei Trainingszonen entsprechend Z1=64 %, Z2=28 % und Z3=8 %, ohne dieses Verhältnis in der dreiwöchigen Taperphase zu verändern.

Hohe Anteile intensiven Trainings

Während der letzten drei Wochen reduzierte er das Trainingsvolumen um 43 Prozent gegenüber den umfangsbetonten Wochen zuvor. Mit dieser Grundlage wurde der 1963 geborene Sportler, der zuvor bei Langdistanz-Triathlons startete und den Ärmelkanal bezwang, der erste Schwimmer, dem diese Querung gelang.

Den Wissenschaftlern fiel vor allem der relativ hohe Anteil intensiven Trainings auf. Gegenüber der einschlägigen Meinung, für solche Streckenlängen vor allem im niedrig-intensiven Trainingsbereich zu agieren, um auch den Fettstoffwechsel und andere Parameter auf die zu erwartende Extrembelastung im Wasser einzustellen, schwamm Voltolina einen deutlich höheren Anteil im Schwellenbereich. Die Experten schlossen daraus, dass es besonders für Mastersschwimmer im Langstreckenbereich sinnvoll sei, häufiger in intensiven Bereichen zu trainieren. Dadurch könne die Leistungsfähigkeit auf einem höheren Niveau gehalten oder sogar entwickelt werden.