Wettkampf-Hopping für Open-Water-Schwimmer

Mallorca, Russland, Italien, Großbritannien – als Open-Water-Schwimmer kommt man viel rum. Doch auch Alexander Studzinski hat mit den Tücken dieser Disziplin zu kämpfen. Ein Blog über zu lange Kurse, beschlagene Schwimmbrillen, übervolle Blasen und den Mann mit dem Hammer.

| 28. Juli 2014 | Aktuell

Alexander Studzinski | Alexander Studzinski

Alexander Studzinski bei DM Freiwasser 2014

Foto > Sonja Schleutker-Franke / spomedis

Hallo liebe Leser,

ich bin viel rumgekommen in der letzten Zeit: Ende Mai bin ich auf Mallorca beim „Bestfest" in Colonia Saint Jordi geschwommen. Dort habe ich neben drei kleineren Wettkämpfen (5 km fünfter Platz, 7 km sechster Platz und 1,5 km erster Platz) auch zwei Swim-Clinics für meinen Sponsor Finis gegeben.

Freiwasser-Crash-Kurs

Die Erste fand im Bestcenter im Pool statt. Zusammen mit Olympiamedaillengewinner Ross Davenport aus Großbritannien konnte ich einer Reihe interessierter Schwimmer ein paar Technikkorrekturen vermitteln. Bei der zweiten Swim-Clinic ging es an den Strand. In einem "Freiwasser-Crash-Kurs" habe ich den Teilnehmern Tipps zum Geradeausschwimmen, Packschwimmen, zur Orientierung und vieles mehr gegeben.

Direkt aus Mallorca bin ich nach Moskau zu zwei kurzen Einladungrennen im Rahmen des sogenannten „Champions-Cup" geflogen. Die Distanz betrug nur jeweils 1,8 Kilometer in einem Viereckskurs. Am Ende standen ein vierter und ein dritter Platz auf dem Papier. In der Woche zwischen beiden Wettkämpfen konnte ich wirklich gut trainieren. Das Schwimmbad in Moskau war zwar etwas älter, aber ansonsten eine super 50-Meter-Bahn, die zu Hause in Wiesbaden nicht immer zur Verfügung steht. Alles in allem eine schöne Erfahrung, mal Mütterchen Russland kennen zu lernen. Ein Land ganz schöner Gegensätze.

25-Kilometer-Quali in Italien

Etwas ernster wurde es dann zwei Wochen später. Es stand die Europameisterschaftsqualifikation für die 25 Kilometer im italienischen Bracciano an. Da ja die 25 Kilometer aus dem Programm der DM gestrichen worden, wurde die Quali außer Landes ausgetragen.

Es galt, eine Zeit von 5:15 Stunden zu unterbieten, was eigentlich machbar sein sollte. Beim technical meeting einen Tag vor dem Rennen, haben dann allerdings die Italiener ziemlich an dem Kurs rumgedoktert, da es nur einen Verpflegungsponton gab und die Runden anfangs zu lang waren. Nach einer ewigen Diskussion wurde dann die Runde so verkleinert, dass es insgesamt 16 Runden zu schwimmen galt, was etwa 1,56 Kilometer pro Runde entspricht.

Da habe ich mir schon gedacht, dass der Kurs entweder zu kurz oder zu lang werden wird. Nun gut, kann man ja nicht ändern und so ging es dann am nächsten Tag sehr gemütlich los. Ich schwamm irgendwem die ersten zwei Runden hinterher und ließ mir nach jeder Runde meine Zwischenzeit ansagen. Schon nach der ersten Runde war mir klar, dass das heute ein ziemlich langer Tag werden sollte. Die erste Runde lag genau im 5:15-Stunden-Schnitt, was bedeutet, dass das Ganze auf jeden Fall zu lang war. Die Zweite war dann zwar einen Tick schneller, aber immer noch zu langsam. Da ich auf keinen Fall 20 Kilometer lang den Hasen spielen und mich dann beerdigen wollte, bin ich weiter ruhig im Pack mitgeschwommen, wohlwissend, dass die Zeit weg war.

Der Mann mit dem Hammer

Leider kam dann nach ca. zwölf Runden der kleine Mann mit dem Hammer und haute ein paar Mal kräftig zu, womit ich dann die ersten drei Schwimmer verlor und allein nach 5:29 Stunden als Vierter ins Ziel kam. An diesem Tag hat bei mir leider gar nichts gepasst – alle Kleinigkeit gingen schief: Schwimmbrille ständig voller Wasser und beschlagen, was sich auch nach mehrmaligem Wechsel der Selbigen nicht änderte. Der Anzug drückte, wo es nur ging. Die Blase hatte auch keine Lust sich einfach mal so im Schwimmen entleeren zu lassen. Dazu der zu lange Kurs. Zum Glück waren die restlichen Bedingungen super. Warmes Wasser und keinerlei Wellen.

Die Woche nach Italien ging es dann zur Abwechslung in die Nähe von London, um genau zu sein nach Henley-on-Thames. Dort findet alljährlich ein 2,1 Kilometer kurzes Rennen die Thames hinauf statt. Das Ganze wird eine Woche vor der berühmten Ruderregatta veranstaltet. Das Besondere an dem Wettkampf: die Startzeit. Um 4:30 Uhr früh! Zum Glück durfte man mit einem Neoprenanzug schwimmen. Ich konnte das Rennen ziemlich locker mit ca. einer Minute Vorsprung gewinnen. Was das Wochenende noch schöner machte war, dass auch meine Freundin ihr Rennen dort gewinnen konnte. Quasi ein Familiendoppelsieg :)

Bis zum nächsten Mal,

euer Studzi