Training mit dem Eismeister

Beim Aqua-Camp in Burghausen gehen die Teilnehmer an ihre Grenzen und darüber. Unser Autor hat mittrainiert im Wöhrsee und in einem Gebirgsbach.

| 15. Dezember 2015 | Aktuell

Aquacamp 02 | Aquacamp 02

Impressionen vom Aquacamp mit Christof Wandratsch in Burghausen.

Foto > Martin Tschepe

Training mit dem Eismeister

Christof Wandratsch kann ganz gut erklären wie sich das anfühlt - das Schwimmen im Eiswasser. "Bei vier Grad ist es halt doppelt so kalt wie bei acht Grad und bei zwei Grad doppelt so kalt wie bei vier." Der Eismeister grinst breit - und fordert die Teilnehmer seines Aqua-Camps auf, die Kleider abzulegen, in den aufgestauten Gebirgsbach zu steigen und ein paar Minuten zu kraulen. "Schwimmt aber nicht zu lange, wir haben keine warmen Duschen." Ach, in der bayerischen Wildnis gibt es keine Duschen? Oder etwa doch? Wir werden uns noch wundern.

Wandratsch hält im Eisschwimmen den Rekord über die Königsdistanz, die 1.000 Meter. Ganz genau 13 Minuten hat er gebraucht für den Kilometer. Rekorde in dieser noch jungen Sportart zählen nur, wenn das Wasser weniger als fünf Grad hat. Der Bergbach, zu dem uns der "Wandi" kutschiert hat, ist arschkalt - etwa 3,5 Grad. Wo wir genau sind? Keine Ahnung. Einer sagt: "Bei Bergen." Aha, ist auch egal - Hauptsache es gibt hier eiskaltes Wasser.

Aquacamp 03 | Aquacamp 03

Christof Wandratsch vermittelt im Aquacamp die Faszination Winterschwimmen.

Foto > Martin Tschepe

Manche schwimmen lieber nur Brust

Jetzt stehen wir also nur noch mit der Badehose oder dem Badeanzug bekleidet und mit einer Bademütze auf dem Kopf am Ufer - an diesem mal grauen, mal sonnigen Tag in der Adventszeit. Ein Passant bleibt stehen, staunt, schüttelt mit dem Kopf - und geht wortlos weiter. Einige der Damen und Herren, die sich mit Hilfe des ehemaligen Nationalschwimmers Wandratsch bei dem Camp auf die Aqua Sphere Ice Swimming German Open am zweiten Januarwochenende vorbereiten, kommen aus dem Raum Burghausen, andere von weiter her.

Mit von der Partie ist zum Beispiel eine Ärztin aus Fellbach und Anna, eine OP-Krankenschwester und Triathletin, die in der Schweiz lebt und gerne bei den verrücktesten Wettbewerben mitmacht. "Ich will gar nicht wissen, wie kalt das Wasser ist", sagt die zierliche Sportlerin - und steigt dann schlotternd in den Tümpel. Im Nu sind alle im Wasser. Manche schwimmen lieber nur Brust, mit dem Kopf über Wasser. Andere kraulen eisern zum anderen Ufer und wieder zurück.

"Jetzt fahren wir zum Duschen."

Der Wandi guckt zu, gibt ein paar Tipps, lobt - und freut sich des Lebens. Er hat es in kurzer Zeit geschafft, viele Sportler in Deutschland fürs Eisschwimmen zu begeistern. Dieses Eis-Camp ist das dritte und vermutlich letzte vor den Meisterschaften, die am 8. Januar beginnen. "Aber wenn sich weitere Interessenten melden, dann machen wir halt noch eins", sagt Christof Wandratsch, er sei ja eh mehrmals täglich im Wöhrsee in Burghausen, wo die Wettbewerbe stattfinden.

Nach geschätzt einer Viertelstunde sind alle Tümpelkrauler wieder an Land. Das große Zittern beginnt. Abtrocknen, anziehen und zuschauen: Nun schwimmt der Wandi eine große Runde, etwa 400 Meter. Wenig später steht auch er am Seeufer und sagt: "So, jetzt fahren wir zum Duschen." Also doch. Rein in den Bus und gleich wieder raus. Vom Straßenrand aus ist ein kleiner Wasserfall zu sehen. Wieder ausziehen, runter steigen und wieder hinein in den eiskalten Bach. Manche Schwimmer meutern und machen diesmal nicht mit. Die andere kreischen wenig später unter der Eisdusche. Abhärtung ist alles. Am besten täglich, sagt der Meister.