Erst Bronze, jetzt Silber: Thomas Lurz hat sein Medaillenkonto bei Weltmeisterschaften weiter aufgestockt.

Frank Wechsel / spomedis

Thomas Lurz bei der DM Open Water 2012.
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Open Water | 22. Juli 2013

WM 2013: 10 Kilometer Thomas Lurz: Mit nur 3.000 Kilometern zu Silber

Sabrina Knoll | Direkt nach „einem seiner besten Rennen“, wie es Trainer Stefan Lurz ausdrückte, fiel Thomas Lurz dem neuen Weltmeister Spyridon Gianniotis um den Hals. Nicht nur eine faire, sondern auch ein sehr herzliche Geste des frisch gebackenen Silbermedaillengewinners. Hätte sich Lurz bei vorher bereits festgelegtem zweiten Platz für ihn einen Sieger aussuchen dürfen, er hätte wohl den Griechen gewählt.
Bis Kilometer sieben lief alles wie geplant: Thomas Lurz war immer vorne mit dabei, konnte sich im Sog ein bisschen ausruhen – doch dann hat der spätere Weltmeister das Tempo verschärft. „Das war ein bisschen der Knackpunkt“, analysiert Stefan Lurz später. Da habe er kurz an der erhofften Medaille gezweifelt. „Aber was er da auf den letzten Metern für eine kämpferische Leistung gebracht hat, um die Lücke nochmal zu schließen, war wirklich ganz, ganz groß. Für mich eines der interessantesten und besten Rennen, das der Thomas bisher geschwommen ist. Ich bin kistenstolz auf ihn“, lobt der Trainer und Bruder des Vize-Weltmeisters, der selbst ebenfalls zufrieden war – und kaputt.
"Ich hab zwischenzeitlich gedacht: Scheiße, das wird nichts! Aber es ist wie immer im Leben: Man darf nicht aufgeben. Ich habe versucht weiterzukämpfen. Habe gesagt: Bleib ruhig und schwimm und schwimm ...“
Thomas Lurz, Vizeweltmeister 10 km
„Es war ein sehr, sehr hartes Rennen, sicherlich eines der härtesten überhaupt“, bilanzierte der Würzburger und ergänzte über besagten Knackpunkt: „Ich war eigentlich erst gut positioniert. Ich habe gedacht, das passt, habe dann aber den Anschluss verloren, weil zwei, drei Schwimmer neben mir ständig in meine Hüfte geschwommen sind. Das ist wie ein Magnet, da kommt man nicht richtig raus. Das hat mich unheimlich viele Plätze gekostet. Ich habe die Lücke dann zuschwimmen müssen, das hat mich einiges gekostet. Ich wollte den Griechen noch einholen, aber das hat nicht mehr ganz geklappt. Er hat es auch clever gemacht, wusste, das Oussama und ich die fünf Kilometer in den Knochen haben und hat den Endspurt so lang wie möglich gezogen. Aber er hat es auch sehr verdient.“
 
Es ist offensichtlich, dass Thomas Lurz dem Olympia-Vierten („Er hätte damals schon die Medaille verdient“) den Titel gönnt. Mehr als dem drittplatzierten Oussama Mellouli, der ihm nicht zuletzt im Londoner Hydepark in die Parade gefahren ist. „Ich schwimme mit Spyridon ja schon seit über zehn Jahren, deswegen freu' ich mich für ihn.“
Dass Lurz bei der Zwischenzeit noch weit hinten im Pulk lag, sei keine Taktik gewesen, sondern vielmehr der Organisation geschuldet. „Es ist unmöglich, mit 70 Schwimmern hier, in so einem engen Kurs. Man bekommt ständig Schläge ab. Das hat mit Schwimmen eigentlich wenig zu tun am Anfang“, moniert der Vize-Olympiasieger. „Man müsste das wirklich ändern. Das ist auch nicht so ungefährlich, wenn man an den Bojen einen Schlag abbekommt.“
Stefan Lurz kam derweil gar nicht aus dem Schwärmen heraus. „Das war wirklich an der absoluten Grenze, was sein Körper heute hergegeben hat, vor allem auch nach den fünf Kilometern. Innerhalb von 48 Stunden hier zwei Medaillen zu gewinnen, das ist einfach top. Wie er das wieder am Schluss gemacht hat – also ich kann das gar nicht in Worte fassen. Ich zieh' den Hut vor meinem Bruder. Ich bin wirklich stolz“, sprudelte es aus ihm heraus, bevor ein kleiner Klos der Rührgung sich in seinem Hals breit machte.
Thomas Lurz, der sich im vergangenen Jahrzehnt zum besten seines Fachs entwickelte, konzentriert sich seit London vermehrt auf seine Zukunft an Land, hat seither „nur“ 3.000 statt zuvor jährlich 3.400 Trainingskilometer hingelegt. Auch heute muss sich Lurz noch für jeden dieser Kilometer aufs Neue motivieren. Er macht seinen Sport, um zu gewinnen. Es ist sein Job, damit verdient er sein Geld. Wenn er Spaß haben will, geht er nicht Kachelnzählen, dann geht er Angeln. Dabei kann er entspannen, dabei schaltet er ab, lässt seine Gedanken schweifen.
Zwar fischte niemand mehr WM-Gold aus Meeren, Flüssen und Seen rund um den Globus, als der zehnfache Weltmeister. Doch Lurz weiß eben auch: „Wenn ich aufhöre, hilft mir keiner mehr, Erfolge sind dann nach zwei Jahren schnell vergessen.“ Daher sei die berufliche Zukunft das A und O. „Ich bin jetzt 33. So schön es ist, Rennen und Medaillen zu gewinnen - es ist eben nicht Fußball.“
Leistunsgsportdirektor Lutz Buschkow verweist bei der Frage nach seinem Einfluss auf die Entscheidung des DSV-Erfolgsgaranten auf einen „Bierdeckel-Vertrag“, den er dem Schwimmer während der Wartezeit auf einen verspäteten Flug abluchsen konnte. Danach gefragt lächelt Lurz milde: „Naja, da müssen wir nochmal gucken. Da sind noch einige Details nicht ausgehandelt.“
10 Kilometer | Männer
PlatzNameZeit
1Spyridon Gianniotis (Griechenland)1:49:11,8 Std.
2Thomas Lurz (Würzburg)1:49:14,5 Std.
3Oussama Mellouli (Tunesien)1:49:19,2 Std.
9Christian Reichert (Würzburg)1:49:26,8 Std.

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