Swim, Bike, Run, Die, Repeat

Bruno Baumgartner geht fremd. Weil der Extremschwimmer und swim.de-Blogger gegenüber den Triathleten in seinen Schwimmkursen immer wieder schlaumeierte, testet er nun selbst, was es heißt, Triathlet zu sein. Ein kleines Drama in zehn Akten.

| 21. Juni 2014 | Aktuell

Triathlon | Triathlon

Bruno Baumgartner probiert sich als Triathlet.

Foto > Bruno Baumgartner

Swim, Bike, Run, Die, Repeat

Liebe swim.de Freunde,

draußen ist es kühl und der Atem hinterlässt dampfende Wolken vor meinem Mund. Die Luft riecht frisch und gereinigt vom langen Regen. In einem nahen Vorgarten spiel ein Kind in gelber Regenpelerine lustlos mit einem Spielzeug, das es schon viel zu lange viel zu gut kennt. Irgendwie sieht sogar das Gras etwas grüner aus als sonst und ich laufe los. Meine Beine schmerzen noch von… - ich weiss schon gar nicht mehr wovon! Die kalte Luft befüllt erfrischen die Lungenflügel und schon die erste Steigung lässt meine Pumpe in Bereiche drehen, in denen man nicht laufen sollte.

Kilometer 1

Ich sollte leichter laufen, ich sollte lockerer laufen, ich sollte aufrechter laufen, ich sollte meine Hüfte nach vorne schieben - vielleicht sollte ich gar nicht laufen? Ich stelle mir vor, wie japanische Seismographen einen leichten Ausschlag verzeichnen. Ein Techniker blickt besorgt zum anderen und fragt: „Tsunami?“ Dieser grummelt nur verärgert: „Nein, Baumgartner läuft wieder!“ Gewichtsmanagement nannte es Holger Lüning in seinem Vortrag diplomatisch. Was er wohl im Klartext meinte war: „Wenn Du fett bist, dann macht es eventuell mehr Sinn etwas abzunehmen, als Schuhe zu kaufen, die 10 Gramm weniger als das Vorgängermodell wiegen!“ Ich bin nicht fett – ich bin nur schwer. 87 Kilo ist nicht gerade Triathleten-Level. Aber beim Schwimmen in kaltem Wasser ist es Gold wert. Triathlet – da ist es wieder, dieses Wort, das mir Kopfzerbrechen bereitet. Warum wollte ich das noch mal tun? Der Bauer auf dem Feld nickt freundlich und grüßt. Ich sehe genau was er denkt: „Der würde auch besser etwas arbeiten, als wie blöd in der Gegen herum zu rennen!“

Kilometer 2

Es ist mein sechster Lauf in zwei Monaten und ich frage mich, wie man so stark keuchen kann? Meine Mitochondrien scheinen zu streiken und die Ziffern auf der Uhr zeigen hämisch eine Pace, die eher zu einem gehbehinderten Faultier als zu einem Triathleten passt. Wollte ich nicht langsam laufen? Sollte das nicht ein lockerer Dauerlauf werden? Ich erinnere mich finster an das Trainingsprogramm, das ich dereinst für den Halbmarathon auf Gran Canaria absolviert hatte. Ich schraube die Pace etwas herunter um zwei Minuten später noch schneller als zuvor zu laufen. Männer im Sport können so etwas nicht! Bar jeder Vernunft ist bei uns nur Training, was schnell ist, hart ist und möglichst auch noch weh tut!

Kilometer 3         

„No pain – no gain!“ Ein geflügeltes Wort bei den Triathleten. Ohne Schmerz kein Erfolg? Das hört sich eher nach einer speziellen, sexuellen Vorliebe im Bereich des Masochismus als nach einem freudigen Motto für den Sport an. Ich stolpere über eine Regenrinne und fluche alle Zeichen. Sollte ich lernen devot zu sein? Doch wenn ich meinen Teil als freudigen Empfänger der Schmerzen einnehme – wer übernimmt dann den dominanten, aktiven Part? Etwa auch ich? Bevor ich mir Gedanken über Schizophrenie im Ausdauersport mache und mich selber in hautengen Lack- und Lederoutfits laufen sehe, quäle ich mich lieber weiter.

Kilometer 4

Mein Herz trommelt wie wild unter meinem Lungenflügel! Es fühlt sich an, als würde es direkt gegen die Luftröhre schlagen, durch die das dumpfe Wummern in Form von Schockwellen aufsteigen, die schließlich meine Zunge zum Schlackern bringen. Ich kenne das nicht, denn beim Schwimmen oder Radfahren tut es so etwas nie in diesem Ausmaß. Doch kaum setze ich einen Fuß auf den Asphalt, scheint es sein eigenes, afrikanisches Trommelkonzert aufzuführen und sich in eine Art Ektase zu schlagen. Ich frage mich unwillkürlich, ob durch die konsequente Einnahme von „Doppelherz“ ein Duett daraus entstehen könnte?

Kilometer 5

Warum tue ich das noch mal? Immer wieder steigt diese unangenehme Frage hoch, die in quengeligem Tonfall nach einer Antwort verlangt. Nun, vieles hatte damit angefangen, dass mir jemand sagte, ich bräuchte einen Ausgleichssport zum Schwimmen. Es sei nicht gut, wenn man die ganze Zeit nur in diesem Schwebezustand verbringt. Es brauche auch einen Sport, der einem etwas „erden“ würde. Mit dieser Aussage hatte sie keineswegs Unrecht, denn das Laufen erdet mich wirklich sehr und schlägt nebenbei bemerkt auch tiefe Dellen in den Asphalt. Im Fitnesscenter waren dann eines Tages beide Laufbänder besetzt und ich wich genervt auf ein Fahrrad für das Warm-Up aus. Augenblicklich stellte sich dieses bekannte Gefühl ein und der Ehrgeiz war entfacht. Bald darauf begann ich das Training nur noch auf dem Rad und fasste den Entschluss, mir wieder ein Rennrad zuzulegen. Den Ausschlag aber setzt die Tatsache, dass ich immer wieder Triathleten erkläre, wie sie am besten aus dem Wasser kommen und selber aber keine Ahnung habe, was sie dann erwartet. Voilà- und schon war der Entschluss gefasst, einen Triathlon zu finishen.