Schwimmen in roten Socken - wenn das kein neuer Weltrekord ist, findet zumindest swim-Blogger Bruno Baumgartner.

Bruno Baumgartner

Redsocks Bruno Baumgartner
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Open Water | 10. Juli 2013

Brunos Blog "Mit roten Socken als erster durch den Bodensee!“

Bruno Baumgartner | Ärmelkanalschwimmer Bruno Baumgartner bereitet sich akribisch auf sein nächstes Abenteuer vor: die Längsquerung des Bodensees. Neben einem umfangreichen Training zählt auch die Konkurrenzbeobachtung dazu, wie er in seinem aktuellen Blog verrät.
Liebe swim.de Freunde,
warum tun wir, was wir tun? Manchmal denke ich so für mich, dass wir diesbezüglich keinen großen Plan haben. Oder zumindest verbergen sich Teile von ihm so gut, dass sich das große Gesamtkonzept nur schwer erahnen lässt. Vor sieben Monaten entschied ich mich dazu, es mit der Längsquerung des Bodensees aufzunehmen. Mir schwebte erst ein vollkommen anderes Projekt vor. Doch nach der Schulterverletzung und einem tiefen Hineinhorchen in mich selbst, wusste ich mit ziemlicher Sicherheit, dass ich dazu noch nicht bereit wäre. Und so wurde dieser garstige See im Norden, der zumindest bei den Schwaben leichte Ambitionen zum Meer hat, zu meiner ersten „zweiten Wahl“.

40 Kilometer + 26 Kilometer?

Im letzten Jahr hatte er die Schwimmer fast wie lästige Flöhe abgeschüttelt und das schürte die mit „Größenwahn-Light“ verwässerte Frage in mir, ob vielleicht ich …? Lange stellte ich mir die Frage, ob ich nach den rund 40 Kilometern im Neuenburgersee noch einmal hätte 26 Kilometer weiter schwimmen können. Die Antwort war ein knallbuntes, in Krepppapier verpacktes, leuchtendes und plärrendes „Nein!“
Als ich damals aus dem Wasser kroch, war ich fix und fertig und wollte in meinem ganzen Leben nie wieder einen einzigen Meter schwimmen. Als ich letzthin nach einem 6-Kilometer-Training müde aus dem Becken stiegt und vor mich hinjammerte, wie ich die zehnfache Distanz schaffen solle, beruhigte mich ein befreundeter Triathlet. Er sagte mir in etwa: „Hast du wirklich das Gefühl, wenn ich zu Trainingszwecken 200 Kilometer auf dem Rennrad war, ich würde denken, ich könne anschließend noch einen Marathon laufen? Erst im Rennen geht es dann einfach irgendwie!“

64 Kilometer am Stück – ohne größere Pause – ohne das Boot auch nur berühren zu dürfen ... 20 oder mehr Stunden ... Ein durchwegs beängstigender Gedanke. Schließlich verkünden auch noch die Medien, es würde ein Duell im Bodensee geben!? Und ich bin wieder einmal der Letzte, der davon erfährt. Christof Wandratsch und ich werden darin als Favoriten und Hamza Bakircioglu als der große Underdog gehandelt. Ein weiterer Schweizer, der es im Neoprenanzug versuchen wird, wurde von der Presse freundlicherweise gleich völlig von der Liste gestrichen. Denn schließlich weiß jeder, dass einem solche Anzüge raketengleich und praktisch von selbst 64 Kilometer übers Wasser schießen.

Auge in Auge mit einem Titanen

Der Schwimmer braucht eigentlich nur die Richtung vorzugeben und sich treiben zu lassen. Und so stehe ich jetzt also nicht mehr vor der größten Herausforderung meines Lebens, sondern Auge in Auge mit einem Titanen der deutschen Freiwasser-Szene. Die Sonne steht tief und blendet uns. Schweiß rinnt über unsere Stirn, während wir mit zusammengekniffenen Augen und Glimmstängel im Mundwinkel, die Hände „Eastwood-like“ über unseren Colts schweben lassen. Dann zwei Schüsse – gefiedertes Wasserviehzeugs fliegt erschrocken auf und davon und lässt zwei tödlich getroffene Schwimmer gleichgültig unter sich zurück. Nebenan zieht Hamza locker vorbei, schüttelt verständnislos den Kopf und schwimmt locker, flockig in den nahenden Sonnenuntergang hinein.

Ja, ich muss selbst gestehen, das liest und verkauft sich recht gut. Voreilig hatte ich zur Tastatur gegriffen, um dem Journalisten einige Gehässigkeiten über Facebook zukommen zu lassen, doch ich löschte sie kurzerhand wieder und ließ den Zorn über die freie Auslegung der Fakten erst einmal verziehen. Denn eigentlich plagen mich zurzeit ganz andere Gedanken. Ich hatte mir vor Kurzem das Buch: „Wie zum Henker trainiert man für eine Bodenseelängsdurchquerung?“ gekauft und mir davon viel versprochen. Es ist über 968 Seiten stark und nicht bebildert. Bedeutungsschwanger hat der Autor darin lediglich ein einziges Wort in der Schriftgrösse Arial 3 stetig wiederholt: „VIEL!“

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