"Im Wasser spürt man die Kälte nicht"

Olaf Schneider war als Organisator bei der schwedischen Meisterschaft im Winterschwimmen dabei. Sechs Stunden lang harrte er bei -32 Grad am vereisten Fluss Skellefte aus. swim hat ein frostiges Interview mit dem gebürtigen Bremer geführt.

| 13. Februar 2012 | Aktuell

Olaf Schneider | Olaf Schneider

Warm eingepackt: Olaf Schneider beim Winterschwimmen in Schweden.

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Herr Schneider, wie kalt war es nun genau?
Die Lufttemperatur betrug am Morgen -32 Grad, der WindChill -42. Das Wasser im Fluss war etwa +0,5 Grad kalt. Für viele Schwimmer war das Wasser selbst nicht kalt. Der Adrenalinpegel steigt und man fühlt die Kälte nicht so. Steht man allerdings danach klatschnass bei diesen Temperaturen wieder an Land, ist es wichtig, sofort warme Sachen anzuziehen und selbst ins Warme zu kommen. Dazu standen für jeden Schwimmer Helfer zur Verfügung, da man vor allem in den Händen und Füßen kein Gefühl direkt nach dem Schwimmen hat. Strümpfe anziehen ist zum Beispiel fast unmöglich.

Wie war die Stimmung am Fluss?
Sehr gut, wir hatten viele Zuschauer, die allerdings bei diesen kalten Temperaturen selten das ganze Event angeschaut haben. Aber am Ufer war es die ganze Zeit voll. Nach dem Event hat sich alles leider sehr schnell zerstreut, da viele Schwimmer aus der Nähe kamen und schnell nach Hause ins Warme wollten. Für alle anderen standen Umkleidekabinen und Duschen zur Verfügung.

Sind Sie selbst auch die 25 Meter geschwommen?
Wir Ausrichter hatten eigentlich vor, im „Kampf der Ausrichter“ zum Abschluss zu schwimmen. Aber die anderen im Team waren nach sechs Stunden draußen, inklusive morgens das Eis aufsägen, so ausgekühlt, dass wir beschlossen haben, nicht zu schwimmen. Mir ging es ganz gut, denn ich besitze arktistaugliche Kleidung, aber die Entscheidung war sicherlich richtig.

Wie sind Sie mit dem Winterschwimmen in Kontakt gekommen?
Gute Freunde von mir sind im letzten Jahr zur Finnischen Meisterschaft nach Joensuu gefahren und ich bin mitgekommen. Dabei habe ich zum ersten Mal vom „Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte“ gehört und fand die Idee super, da ich den Winter sehr mag und auch des Winters wegen 2010 nach Schweden gezogen bin. Die anderen hatten schon die Idee, das Winterschwimmen nach Schweden zu bringen und ich bin mit dazugestoßen. Der Verein hat aber auch andere Ideen, zum Beispiel kulturelle Events.

Wann fand Ihre Premiere im Eisbaden statt?
Ich habe im Sommer viel gebadet und erst bei der Temperatur von 5,8 Grad aufgehört. Von da aus war der Schritt, vor einem Monat zum ersten Mal in ein Eisloch zu steigen, nicht so groß.

Ist Winterschwimmen in Schweden eine Art Nationalsport?
Nein, das ist es noch nicht. Es gibt Schweden, die das machen, aber im Gegensatz zu Finnland ist es hier noch nicht so verbreitet. In Finnland baden 150 000 regelmäßig (3x die Woche) im Eisloch und etwa 1,5 Millionen ab und zu. Davon ist Schweden weit entfernt. Wie viele Finnen wirklich 25 Meter schwimmen, weiß ich nicht, aber bei der Meisterschaft in Joensuu waren 900 Teilnehmer am Start.