"Ich schwimme auf dem Rücken, um mehr zu sehen"

Das Manhattan Island Marathon Swim ist für viele Freiwasserschwimmer ein absoluter Traum. Durch drei Flüsse führt der 46 Kilometer lange Rundkurs um das weltberühmte Bankenviertel der Megacity. Am Samstag ist der Berliner Ärmelkanalbezwinger Matthias Kaßner mit dabei. swim.de sprach mit ihm kurz vor dem Start.

| 26. Juni 2014

New York

Schwimmer beim Brooklyn Bridge Swim.

Foto > Capri Djatiasmoro

"Ich schwimme auf dem Rücken, um mehr zu sehen"

Einmal die New Yorker Skyline aus ungewöhnlicher Perspektive erleben. Ist das Ihr Antrieb für die Teilnahme am Manhattan Island Marathon Swim (MIMS)?
Ja, das ist in der Tat eine tolle Vorstellung. Ich liebe die Stadt New York und ich liebe das Freiwasserschwimmen. Beides nun auf diese Art zu verbinden ist für mich ein absoluter Traum. Außerdem ist das Rennen ein sehr traditionsreiches Schwimmen, bei dem jedes Jahr Schwimmer aus aller Welt zusammenkommen. Es wäre gelogen, wenn ich abstreiten würde, dass das einen besonderen Reiz auf mich hat.

Matthias Kaßner

Matthias Kaßner wurde am 28.10.1967 geboren. 2010 durschwamm der Berliner die Straße von Gibraltar in 4 Stunden und 18 Minuten, 2013 den Ärmelkanal in 14 Stunden und 43 Minuten. Er lebt in Berlin.

Foto > privat

Steven Munatones führt das Rennen auf Platz 1 der besten Freiwasserschwimmen Amerikas. Was erwarten Sie von dem Rennen?
Ich genieße es, in schönen Landschaften zu schwimmen und ein so tolles Städtepanorama wie New York ist etwas absolut außergewöhnliches. Ganz besonders ist es, unter den gigantischen Brücken durchzuschwimmen. Das habe ich schon beim Little Red Lighthouse Swim erlebt. Da schwimmt man unter der George Washington Bridge und der Eindruck ist überwältigend. Ich bin teilweise Rücken geschwommen, um mehr sehen zu können. Nun sind auch die Brooklyn Bridge und die Manhattan Bridge dabei. Das wird toll.

Das Manhattan Island Marathon Swim ist das bedeutendste Langstreckenschwimmen New Yorks und das Rennen mit der längsten Tradition. Solo oder als Staffel umrunden die Teilnehmer Manhattan Island und schwimmen dabei durch Hudson, East und Harlem River. Der Streckenrekord liegt bei 5 Stunden und 44 Minuten. Trotz 2.550 US-Dollar Startgeld, ist die Veranstaltung jedes Jahr innerhalb von Stunden ausgebucht.

New York

Der Kurs verläuft dirch Hudson, East und Harlem River.

Foto > Capri Djatiasmoro

Sie müssen 12 Kilometer mehr schwimmen als bei ihrer Ärmelkanalquerung. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Das Manhattan-Schwimmen ist fast die ganze Zeit strömungsunterstützt. Die Gezeitenströmung sorgt dafür, dass die Strömung im Hudson- und im East River alle sechs Stunden ihre Richtung wechselt. Der Start des Schwimmens ist so getimt, das man die ganze Zeit mit der Strömung schwimmt. So relativiert sich die Strecke von 46 Kilometern natürlich. Außerdem sind die Bedingungen wahrscheinlich deutlich leichter als im Ärmelkanal. Das Wasser ist mit 18-20 Grad deutlich wärmer und ich denke, dass es auch weniger Seegang geben wird. Sorge macht mir vielmehr die Verschmutzung. Hudson- und East River sind noch relativ sauber, dadurch, dass sie durch die Gezeitenströmung mit Meerwasser gespült werden. Im Harlem River steht das Wasser jedoch fast und muss unheimlich dreckig sein. 

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Ich versuche möglichst oft unter möglichst realen Bedingungen zu trainieren, das heißt im Freiwasser. Meine längste Trainingseinheit fand vor drei Wochen statt. Durch die Vorbereitung auf mein Ärmelkanalschwimmen in den letzten Jahren habe ich ganz gute Grundlagen. Trotzdem ist das Rennen ein anspruchsvolles Schwimmen, das man nicht unterschätzen darf. Ich schwimme auch fast jeden Tag im Becken und mache Krafttraining.

Matthias Kaßner

Zur Vorbereitung auf seine Schwimmabenteuer trainiert Matthias Kaßner häufig lange Strecken in Freigewässern.

Foto > privat