Viel Verkehr: Vasanti Niemz teilt sich das Wasser mit Begleitboot und Ozeanriesen.

ACNEG/Sri Chinmoy Marathon Team

Vasanti Niemz schwimmt durch die Straße von Gibralta
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Open Water | 12. November 2012

Faszination Langstrecke "Ich hatte den Traum, einmal nach Afrika zu schwimmen"

Peter Jacob | Zweimal hat Vasanti Niemz den Ärmelkanal durchquert. Im Oktober erfüllte sich die 55-Jährige einen Traum und schwamm durch die Straße von Gibraltar von Spanien nach Afrika. Im Interview mit swim.de spricht die Marathon-Frau über die Herausforderungen dieser "Kurzstrecke", ihre Liebe zum Wasser und den "Flow".
Frau Niemz, Sie sind 1985 und 2010 durch den Ärmelkanal geschwommen. Gegen die 32 Kilometer von Dover nach Calais ist die Straße von Gibraltar geradezu ein Klacks. Was hat Sie an diesem "Sprint" gereizt?
Ich liebe einfach das Wasser und das Meer. Ich liebe Schwimmen. Als 2008 der World Harmony Race in Marokko Station machte, dachte ich mir, da könnte man doch auch rüberschwimmen. Seitdem hegte ich den Traum, einmal nach Afrika zu schwimmen.
Vasanti Niemz durchquert die Straße von Gibraltar
Für Vasanti Niemz, geboren 1956, kann es gar nicht lang genug sein. 2010 absolvierte sie ihren persönlichen "Channel-Triathlon" von Dover nach Aachen: 34 Kilometer Schwimmen durch den Ärmelkanal, 300 Kilometer Radfahren und zuletzt 84 Kilometer Laufen. Niemz ist die erste deutsche Frau, die den Ärmelkanal zweimal durchschwamm. 2010 absolvierte sie die Strecke in 16 Stunden 50 Minuten und 58 Sekunden.
©ACNEG/Sri Chinmoy Marathon Team
Was sind die speziellen Voraussetzungen für die Überquerung?
Der Startort Tarifa gilt als Mekka der Windsurfer. Es ist windig und man muss dankbar sein, einen einigermaßen ruhigen Tag zu erwischen. Man braucht gute Nerven fürs Warten, ähnlich wie am Ärmelkanal. Es kann urplötzlich Nebel auftreten und der Versuch muss verschoben werden. Ich hatte Glück. Als ich schon startklar und eingefettet im Boot saß, wurde noch diskutiert ob wir es wagen können oder nicht, weil es sehr diesig war. Doch dann kam die Sonne durch. Am nächsten Tag war wegen Nebels kein Start möglich.
Wie ist die Strömung in der Meerenge?
Es gibt eine kontinuierliche Strömung nach Osten. Ein langsamer Schwimmer kann bei Westwind und starken Gezeiten leicht ins Mittelmeer abgetrieben werden – weit weg von jeder Küste. Aber auch schnelle Schwimmer können Probleme bekommen. Ein Schwimmkollege, der im Ärmelkanal fünf Stunden schneller war als ich, schwamm hier zwei Stunden lang gegen die Strömung auf der Stelle. Am Ende schaffte er es gerade so in siebeneinhalb Stunden. Idealerweise sollte man mindestens 2,5 Kilometer in der Stunde schwimmen können, um eine gute Chance zu haben.
Die Straße von Gibraltar ist an der engsten Stelle 14,4 Kilometer breit. Wie viele Kilometer haben Sie tatsächlich zurückgelegt?
Auf meinem Zertifikat steht 20 Kilometer aber ich halte diese Angaben für relativ. Es macht einen Riesenunterschied, ob man mit oder gegen die Strömung schwimmt. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein Schwimmer der zwei Stunden lang mit fünf Stundenkilomtern auf der Stelle schwimmt, trotzdem zehn Kilometer zurückgelegt hat. Wichtiger als die Kilometerangabe ist deswegen die Zeit. 
Sie waren 5 Stunden und 25 Minuten unterwegs. Wie motivieren Sie sich über die lange Zeit?
Sport ist für mich wie Meditieren. Ich quäle mich nicht, das lange Schwimmen macht mir Spaß. Ich brauche zunächst ein Weile, bis mein Geist ruhiger wird. Dann komme ich in den Flow.
Vasanti Niemz durchquert die Straße von Gibraltar
Vasanti Niemz schwimmt durch die Straße von Gibraltar.
©ACNEG/Sri Chinmoy Marathon Team
Wie lange haben Sie sich auf Gibraltar vorbereitet?
Nach meinem Ärmelkanal-Triathlon habe ich erstmal Pause gemacht, und dann im Januar wieder mit dem Schwimmen begonnen. Im Urlaub in Vietnam bin ich jeden Tag etwa eine Stunde im Meer gewesen. Ab Mai habe ich wieder intensiver trainiert, im Freibad bei 19 Grad oder im See. Ich habe auch mehrere längere Einheiten bis zu fünf Stunden absolviert. Für Gibraltar ist Geschwindigkeit wichtiger als Ausdauer, aber 15 bis 20 Kilometer sollte man locker schwimmen können.
Im Vergleich zum Ärmelkanal sind die Bedingungen im Süden gerazu paradiesisch. Können Sie die Straße von Gibraltar als Einstieg in das Langstreckenschwimmen empfehlen?
Ja. Die Vorbereitung ist nicht so lang wie beim Kanal und die Kälte nicht so extrem. Ich hatte bei meinem Versuch 20 Grad Wassertemperatur. Es ist auch nicht so teuer wie der Ärmelkanal. Anmeldung und Begleitboot kosten etwa 1.700 Euro.
Vasanti Niemz durchquert die Straße von Gibraltar
Die richtige Verpflegung ist beim Langstreckenschwimmen extrem wichtig. Doch Vorsicht, laut Reglement darf das Boot nicht berührt werden.
©ACNEG/Sri Chinmoy Marathon Team
Was raten Sie potenziellen Nachahmern?
Man sollte sich gut im Internet informieren und nach dem Anmeldestart sofort reagieren. Innerhalb einer Woche können alle Startplätze vergeben sein. Man sollte außerdem ein genügend großes Zeitfenster mitbringen und den Aufenthalt in der Gegend wie einen kleinen Urlaub genießen.
Welche Pläne haben Sie für 2013?
Zurzeit laufe ich wieder mehr, denn im April möchte ich nochmal beim Sechs-Tage-Lauf in New York starten.
Und der Ärmelkanal?
Den werde ich mit Sicherheit auch nochmal schwimmen. Vielleicht ja mit 60.
Die Straße von Gibraltar zwischen Südspanien und Marokko misst an ihrer engsten Stelle 14,4 Kilometer. Sie verbindet Atlantik und Mittelmeer und ist eine der meistbefahrendsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Wer die Meerenge schwimmend durchqueren möchte, muss sich an strenge Auflagen halten, die von der Asociation de Cruze a Nado del Estrecho de Gibraltar (ACNEG) festgelegt werden. Die Anmeldung für 2013 ist vom 1. Dezember an möglich.

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