FINA erlaubt Neoprenanzüge

Der Weltverband FINA rüttelt an einem Grundgesetz des Schwimmsports. Bisher galt es als undenkbar, dass Athleten bei Wettkämpfen Auf- oder Vortrieb förderndende Hilfsmittel verwenden dürften. Doch demnächst wird das Tragen eines Neoprenanzugs unter bestimmten Umständen erlaubt sein.

| 1. Februar 2016 | Aktuell

Waschmaschine | Waschmaschine

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Für viele Freiwasserschwimmer sind Neoprenanzüge ein absolutes No-Go. Im Duell mit dem Element Wasser soll der Athlet ganz auf sich gestellt sein und keine Unterstützung durch irgendwelche Hilfsmittel erfahren, so die oft geäußerte Meinung. Im Klartext bedeutet das: Ob Jedermannrennen über ein Kilometer, Olympia oder Ärmelkanal, erlaubt ist lediglich das Tragen eines Schwimmanzugs, einer Schwimmbrille und einer Badekappe. Dazu kommt noch das Eincremen mit Vaseline oder Melkfett.

Neoprendoktor | Neoprendoktor

Die meist schwarzen Gummi-Anzüge haben sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Doch jetzt greift die FINA in dieses Grundgesetz ein und erlaubt bei kalten Wassertemperaturen das Tragen eines Neoprenanzugs. Von September an gilt die folgende Regelung:

  • die Mindest-Wassertemperatur bleibt bei 16 Grad
  • 16-18 Grad: Neoprenanzug und Schwimmkappe sind Pflicht
  • 18-20 Grad: Neoprenanzug optional
  • über 20 Grad: kein Neo erlaubt

Laut Pressemitteilung will die FINA mit diesem Schritt die Sicherheit bei Wettkämpfen im Open Water erhöhen. Bis zu den Olympischen Spielen in Rio bleibt aber alles beim Alten. Ohnehin dürfte die Zahl der betroffenen Wettbewerbe innerhalb des Weltcups gering sein. Dennoch geht von der Entscheidung des Weltverbands eine Signalwirkung aus.

Video: "Neos sind für Weicheier!"

Trotz des Neo-Verbots bei offiziellen Wettkämpfen sind Neoprenanzüge beim Freiwasserschwimmen in den letzten 20 Jahren immer populärer geworden. Gesorgt dafür hat vor allem der Triathlon-Boom, denn bei den Dreikämpfern kommt der Wärmeschutz in vielen Rennen zum Einsatz. Häufig ist den Athleten der Auftrieb des Anzugs allerdings wichtiger als die Wärmfunktion. Vor allem schlechte Schwimmer profitieren von der besseren Wasserlage und können den Rückstand gegenüber starken Schwimmern in Grenzen halten. Auch bei nicht vom DSV lizenzierten Events wie dem Fördecrossing in Flensburg oder dem Wakenitzman in Lübeck sind Neoprenanzüge erlaubt oder Pflicht.