Feedback-Methoden und Selbstregulierung

Könnten Sie sich vorstellen, im Wettkampf an jeder Wende stehenzubleiben, um Geschicklichkeitsspiele zu absolvieren? Und stellen Sie sich vor, die dort erzielten Leistungen würden auch noch in Ihr Gesamtergebnis einfließen und Ihre Platzierung mitbestimmen.

| 27. März 2014 | AKTUELL

Pulsmessung | Pulsmessung - entweder mithilfe moderner Pulsmessgeräte oder per \"Handzählung\".

Pulsmessung - entweder mithilfe moderner Pulsmessgeräte oder per "Handzählung".

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Feedback-Methoden und Selbstregulierung

So in etwa muss Biathlon sein. Da kommt man mit rasendem Puls und pochendem Herzen an den Schießstand und muss innerhalb weniger Sekunden in eine entspannte und dennoch stabile Körperposition kommen. Doch nicht nur das: Auch gedanklich gilt die volle Aufmerksamkeit dem Anvisieren der Zielscheibe, einer ruhigen Gewehrhaltung und einem gezielten Schuss. Eine enorme körperliche und vor allem mentale Leistung wird in diesen Momenten von den Sportlern abverlangt. Und immer kombiniert mit dem Wissen, dass eine schlechte Schießleistung eine überragende Laufleistung innerhalb weniger Sekunden zunichte machen kann.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

In solchen Sportaren hat sich deshalb eine Methode etabliert, die es dem Sportler ermöglicht, seine eigenen, normalerweise unbewusst ablaufenden Körperfunktionen wie Muskelspannung, Atmung, Durchblutung und Augenbewegungen zumindest kurzfristig kontrollieren zu können. Methoden des Biofeedbacks geben dem Sportler in simulierten Wettkampfsituationen mittels spezieller Instrumente und Messeinrichtungen eine audio-visuelle Rückmeldung. Damit werden physiologische Vorgänge für das Bewusstsein sichtbar und hörbar wahrnehmbar gemacht.

Erfolgsfaktor: Selbstregulierung

So wird der Herzschlag beispielsweise über Töne dargestellt. Das gibt dem Sportler die Möglichkeit, unterschiedliche Atemtechniken auszuprobieren und die unmittelbare Auswirkung auf die Herzfrequenz zu erkennen und diese dann im Wettkampf einzusetzen. Besonders in Sportarten, in denen es stark auf die Konzentration eines Sportlers ankommt, entscheiden Faktoren der Selbstregulierung häufig über Erfolg und Misserfolg. Um sportlichen Bewegungen die maximal mögliche Präzision zu geben, müssen ideale Voraussetzungen geschaffen werden. Dafür ist im Regelfall der Sportler selbst zuständig, da er stabile Voraussetzungen in einer Wettkampfsituation für sich selber erzeugen muss. Dazu wiederum bedarf es unterschiedlicher Techniken wie Autogenes Training oder verschiedener Entspannungs- und Atemmethoden.

Das audio-visuelle Feedback solcher Körperfunktionen ermöglicht es dem Sportler schon in Trainingssituationen die ideale Methode zur Eigenregulierung zu trainieren. Damit stabilisiert sich seine Leistung auch unter widrigsten Wettkampfbedingungen. Hier vermischen sich also Erkenntnisse aus der Psychologie und der Medizin. Physiologische Vorgänge im Organismus werden verbildlicht oder vertont und mit psychischen Regulationsmechanismen gekoppelt. Deshalb werden Methoden des Biofeedbacks sehr erfolgreich im Stressmanagement eingesetzt, um Patienten zu erfolgreichen Entspannungs- und Bewältigungsstrategien zu verhelfen. Im Alltag erkennt man die Zusammenhänge zwischen physiologischen und mentalen Abläufen vor allem aus der umgekehrten Perspektive.