sieben Monate danach Ernst Bromeis über sein gescheitertes Rheinabenteuer
Kajak statt schwimmen
Das unangenehme Gefühl und die Ausgesetztheit als Schwimmer im Kajak unterwegs zu sein war vielleicht charakterlich die schwierigste Aufgabe. Die Menschen auf den Brücken und am Ufer haben mir zugewinkt und gefragt, wo denn der Schwimmer sei.
Jedes Mal zu erklären, dass ich der Schwimmer sei, war für mich eine Demütigung und ich habe mich geschämt. Doch es war nicht einfach Faulheit oder Schwindel, wie mir teils vorgeworfen wurde – ich konnte einfach gesundheitlich nicht mehr – und ich konnte noch nicht aufgeben.
Einsamster Mensch im Rhein
Erst auf der Etappe nach Breisach wurde mir klar, dass ich aussteigen musste. Alles schien mir zu entgleiten. Meine Gedanken, meine Emotionen, mein Team, meine Partner – und meine Stimme. In Breisach konnte ich nicht mehr reden. Was psychologisch mit mir geschehen ist, kann ich nicht sagen. Dieses Gefühl sich selber immer mehr fremd zu werden, depressiv Kilometer für Kilometer hinter sich zu bringen und kein Ende zu sehen, werde ich nie mehr vergessen. Obwohl x-Menschen irgendwo am Ufer und in den Medien auf mich gewartet haben und mich auch unterstützen wollten, fühlte ich mich als einsamster Mensch zwischen Rheinquelle und Mündung.
Scheitern als Meilenstein
Abends war für mich klar: Ich steige aus. Bis jetzt habe ich keine Sekunde daran gezweifelt, dass die Entscheidung richtig war – und das ist ein starkes Indiz. Bei verschiedenen Auftritten und Gesprächen interessiert die Rheingeschichte am meisten. Das Scheitern scheint für viele eine Faszination für sich zu haben. Obwohl wir alle das Scheitern mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, ist es gerade das Scheitern, das uns am meisten lernen lässt. Doch das Scheitern war für mich nur eine Momentaufnahme.
Für die Öffentlichkeit und die Medien aber ist es definitiv und nicht umkehrbar. Für mich als Gescheiterter ist es ein wichtiger Meilenstein in meiner Biographie und unabdingbar für eine neue Standortbestimmung.
Wer scheitert hat die Chance gescheiter zu werden. Ich werde nicht zweimal die gleichen Fehler machen. Die aktuelle Gegenwart und Zukunft als Wasserbotschafter ist extrem spannend. Die Bezeichnung „Extremschwimmer“» werde ich persönlich nicht mehr führen. Ich sehe mich immer mehr als Grenzschwimmer, als einer der seine persönlichen physischen und psychischen Grenzen sucht. Das Schwimmen ist aber zentral, denn nur so kann ich möglichst glaubwürdig vom „Blauen Wunder“ erzählen und als Vermittler zwischen der Ressource Wasser und dem Nutzer Mensch agieren.
Der verlorene Tropfen
Seit Breisach durfte ich viele Auftritte wahrnehmen. Vor allem die feierliche Aufnahme der neuen Gemeinden für Solidarit’eau Suisse in Samedan (ein Wasserprojekt der DEZA) hat mich als Botschafter für Solidarit’eau Suisse Stolz gemacht. Mit der Destination Engadin Scuol machen wir Fortschritte für ein Wasser-Sensibilisierungszentrum in den Alpen – und Mitte Dezember erscheint ein neues Buch. Mit „Der verlorene Tropfen – eine Weihnachtsgeschichte“ geht ein weiterer Traum für mich in Erfüllung.
Ebenfalls werde ich meine Stiftung für Wassersensibilisierung vorantreiben. Dass Graubünden Ferien mich als Wasserbotschafter mit einem Capricorn d’onur ausgezeichnet hat, hat mich sehr gefreut.
Höhepunkte werden im Dezember eine szenische Aufführung im Rahmen der Weihnachtsvorstellung für das Kinderspital in Zürich und die Aktion für „Jeder Rappen zählt“ vom Schweizer Radio und Fernsehen. Ein Höhepunkt war auch der Wasser-Schulungstag mit den Lehrlingen von Enviro Chemie in Heidelberg. Ich befinde mich aber auch an einer Zäsur, wo ich nach dem Rheinprojekt stark spüre, wer mit mir weiterhin auf die Reise für „Das blaue Wunder“ geht, und wer sich von mir distanziert. Ein r(h)einigender Prozess, sozusagen.













