Er wollte 2012 in nur vier Wochen den Rhein von der Quelle bis zur Nordsee durchschwimmen - doch das Projekt des Schweizers Ernst Bromeis scheiterte.

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Ernst Bromeis am Rheinfall
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Open Water | 30. Dezember 2012

sieben Monate danach Ernst Bromeis über sein gescheitertes Rheinabenteuer

Lebensgfahr im reißenden Fluss

Leider wurde in der Berichterstattung, sei dies auf Facebook oder auch medial über die Grenzerfahrung von einem solchen Schwimmen unter solchen Rahmenbedingungen kaum gesprochen. Es ist und bleibt lebensgefährlich, einen reißenden Fluss zu schwimmen. Es war kein Wellnesstrip und keine romantische Flußreise – es war knochenharte Arbeit. Die Expedition hätte jederzeit auch bei besten Bedingungen scheitern können. Es war grotesk: An der Quelle haben mich einige schon auf die Ankunft in Holland angesprochen, obwohl ich noch keinen Meter unterwegs war.
Rhein Bromeis
Eiskalte Bedingungen erwarteten Bromeis an der Rheinquelle.
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Im Vorfeld hatte ich immer wieder Albträume und ich bin mehr als einmal in meinen Träumen ertrunken. Ebenfalls habe ich als Vorbereitung ein Hypoxie-Training absolviert. Wäre ich minutenlang unter dem Wasser verschwunden, ich wäre physisch wie psychisch vorbereitet gewesen. Doch ein Ticket für eine garantierte Ankunft in Holland habe ich nie gebucht.

Keine Seriöse Etappenplanung?

Ich musste mir immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, dass meine Etappenplanung nicht seriös gewesen sei. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es machbar gewesen wäre. Allerdings habe ich (wohl nicht nur ich) den ganzen Rummel unterschätzt, so dass keine Ruhe für das eigentliche Schwimmen aufkommen konnte. Ich hatte während des ganzen Projekts nie das Gefühl, fokussiert zu sein. Ohne Fokus sind solche Leistungen schlichtweg nicht möglich. Ein andermal werde ich aber meine Konsequenzen ziehen.
Allerdings waren die vielen geplanten Auftritte Teil des „Spiels“. Das viele Reden und die aufkommende Krankheit waren für die geplanten Tageskilometer einfach zu viel. Ständig hatte ich das Bestreben, es allen recht zu machen. Dafür habe ich meine Geschichte, meinen Fokus und mein Abenteuer geopfert. In der Nachbetrachtung hatten wir bereits großes Glück, dass wir überhaupt den Bodensee wie geplant erreicht haben. Zwischen Chur und Bodensee herrschte auf den beiden Etappen Hochwasser. Meine Vertrauensperson Peter Gujan im Kajak und ich hatten ein mulmiges Gefühl in dieser grauen, reißenden Brühe unterwegs zu sein.

Aufgeben?

Objektiv betrachtet hätte man das Schwimmen sein lassen sollen. Die Wucht und Kraft vom Hochwasserstrom ist immens. Vor allem auf der Höhe von Landquart hatten wir Glück und Können, als ich in extremis den Notausgang Richtung Felswand in Mastrils nehmen musste. Eine starke, seitliche Strömung trieb mich ab, so dass ich über zwei wuchtige überspülte Steintreppen zu stürzen drohte.
Aufgeben kam für mich lange nicht in Frage. Die Kajaklösung war eine Möglichkeit, um nicht alles „über Bord zu werfen“. Als ich Anfangs des Bodensees gespürt habe, dass es schwimmerisch nicht mehr möglich sein wird, fand ich die Möglichkeit teils aufs Kajak umzusteigen als legitim. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, bereits auf Höhe Romanshorn das Projekt abzubrechen. Zu viel Arbeit, zu viele Emotionen, zu viel Engagement von vielen Menschen standen auf dem Spiel.

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