Er wollte 2012 in nur vier Wochen den Rhein von der Quelle bis zur Nordsee durchschwimmen - doch das Projekt des Schweizers Ernst Bromeis scheiterte.

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Ernst Bromeis am Rheinfall
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Open Water | 30. Dezember 2012

sieben Monate danach Ernst Bromeis über sein gescheitertes Rheinabenteuer

Sonja Schleutker-Franke | Anfang Mai 2012 fiel der Startschuss für Ernst Bromeis' Projekt "Das blaue Wunder 2012". Er wollte den Fluss von der Rheinquelle am Tomasee bis zur Nordsee durchschwimmen - 1.233 Kilometer in vier Wochen. Doch der Schweizer musste seine Expedition nach 13 Tagen abbrechen. Ein halbes Jahr ist inzwischen vergangen und Bromeis lässt sein Rheinabenteuer noch einmal in eigenen Worten und Empfindungen Revue passieren.
Seit meiner Aufgabe in Breisach und dem anschließenden Medienrummel ist viel Zeit vergangen und viel Wasser den Rhein runtergeflossen. Es war eine Zeit des Abschieds, der Trauer, der Wut, der Frustration, des Haderns, des Zorns – aber auch eine Zeit des Aufbrechens, des Planens, des neue Ziele Suchens und Setzens, der Freundschaften, der Ermutigung, der Familienferien, der Vorfreude.

Warum ein Start im Mai?

Die vielen Auftritte im Rahmen von Veranstaltungen im Herbst geben mir immer wieder Gelegenheit, meine Sicht der Dinge auf das Projekt Rhein 2012 zu erläutern. Immer wieder taucht die Frage auf, warum ich bereits im Mai gestartet bin. Hätte ich das Projekt ohne touristische Partner durchgezogen, wäre ich mit Bestimmtheit erst im Hochsommer gestartet.
Ernst Bromeis Auftakt
Schwimmen im Eis: Bromeis beim Start seines Rheinabenteuers.
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Der frühe Start war ein Kompromiss (für die touristische Sommerwerbung hätten einige den Start sogar lieber noch früher gesehen). Damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch ich war mit dem frühen Start einverstanden, denn ich sah die Chancen es auch im Mai zu schaffen. Allerdings benötigte diese Art der Expedition mehr Glück. Glück, das wir nicht hatten, denn die Witterungs- und Wasserbedingungen waren teils extrem. Zum Beispiel haben wir bei strahlendem Sonnenschein in Romanshorn am Morgen acht Grad Wassertemperatur gemessen. Während der Etappe am Vortag hat uns sogar Hagel begleitet.

Warme Dusche im Hotel

Auf der Höhe von Horn am Bodensee mussten wir notfallmäßig ein Hotel und eine warme Dusche aufsuchen. Während ich am Leiden war, warteten draußen im gecharterten Begleitboot die geladenen Gäste und Journalisten auf den schwimmenden Wasserbotschafter. Doch statt zu schwimmen, kämpfte ich im Hotel um meine Lebensgeister. Vergleiche sind immer schwierig, doch so eine existenzielle Situation, wie im Bodensee hatte ich auf meinen Expeditionen Graubünden 2008 und Schweiz 2010 nie erlebt.
Wäre die gleiche Extremsituation irgendwo weitab von der Zivilisation an einem Berg geschehen, ich glaube, ich hätte nicht überlebt. Auf Expeditionen aber auch sonst im Leben brauchen wir Glück. Ohne Glück haben wir keine Chance. Vorbereitung ist wichtig, doch alles können wir nie planen, denn das Leben ist nicht bis ins kleinste Detail planbar. Der Rhein 2012 hat zu viel Glück abverlangt.

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