Ein bisschen Tri schadet nie – Teil II

Amüsant und lustig, mal ein ernster Gedanke – so kennt man die Blogs von Bruno Baumgartner und so hatte er auch den ersten Teil seiner Erlebnisse vom Triathlon in Spiez beschrieben. Doch im zweiten Teil geht es nur am Rande um die abschließende Triathlondisziplin, das Laufen. Der Extremschwimmer lässt schonungslos ehrlich seine Maske fallen.

| 15. Juli 2014 | AKTUELL

Bruno_Triathlon | Bruno Baumgartner Triathlon

Bruno Baumgartner Triathlon

Foto >Gérard Nguyen

Ein bisschen Tri schadet nie – Teil II

Liebe swim.de-Freunde,

gleich nach der Wechselzone gibt es beim Spiezathlon einen unsäglichen Anstieg mit über 50 Höhenmetern. Das mag für einige von euch nicht nach viel klingen. Doch es ist genug, dass ich mir bereits Gedanken über das Mitführen eines Kletterseiles mache. „Hopp Bruno!“, ruft jemand aus den Reihen der Zuschauer und ich würde gern „Hopp dich selber!“ zurückrufen – doch sie meinen es ja schließlich nur gut. Leichtfüßig wie eine Gazelle bewältige ich die erste Steigung und staune nicht schlecht, als das gehörte Vieh nach der ersten Kurve seine zarten Hufe gegen Betonklötze in veritabler Maffia-Manier eintauscht.

Barrikade im Kopf

„Riens ne va plus!“, ruft der Triathlon-Croupier im schicken Zwirn und meine Beine stellen fast au-genblicklich ihren Dienst ein. Ich gehe ein paar Meter und schütte mir beim ersten Verpflegungsposten den Becher mit Wasser gleich über den Kopf. Auf einem etwas flacheren Stück versuche ich wieder zu laufen und fühle augenblicklich den Widerstand in meinem Inneren. Es ist nicht das Herz- Kreislauf-System, das nicht mehr ausreichend für Leistung sorgt und auch nicht die Füße, die vor lauter Schmerzen nicht mehr den Boden berühren mögen. Es ist eine Barrikade im Kopf, die sich schleichend immer weiter aufgebaut hat.

Ich freue mich auf die Strecke, die wieder hinunter zum See führt und werde arg enttäuscht. Selbst das Laufen nach unten scheint nicht mehr möglich zu sein und immer wieder lege ich kurze Gehpausen ein, während mich jetzt auch die Läufer nach hinten durchreichen wie einen nassen Schwamm. Noch mehr als 6 Kilometer und ich bin völlig am Ende!? Wie in aller Welt soll das funktionieren? Meine Fußsohlen brennen urplötzlich als würde ich über eine heiße Herdplatte laufen und alles macht irgendwie keinen Sinn mehr.

Ein energetisches Desaster

Nach dem Schwimmen war alles zu einem einzigen, energetischen Desaster geworden und die immer lauter werdenden Stimmen in mir schaukelten sich langsam aber sicher zu einem Crescendo hoch, auf dessen Höhepunkt ich vermutlich implodieren würde. Endlich der Yachthafen von Faulensee und somit nur noch wenige Meter bis zum Wendepunkt. Aber jetzt liebe Freunde, kommt eine Geschichte in der Geschichte. Sie hat wenig und doch fast alles mit mir zu tun. Darum nutze ich diese kleine Nische, um sie zu erzählen. Ich will sie erzählen, weil sie wichtig ist, weil sie Gehalt hat und weil sie eine kleine Lawine in meinem Inneren losgetreten hat.

Mehr torkelnd als laufend erreiche ich das Ende der Hafengebäude und blicke dort kurz nach rechts, weil ich jemanden neben einem Auto liegen sehe. Der Schock ist groß, denn es ist eine Athletin, die ich mittlerweile fast zwei Jahre im Schwimmen betreue. Sie fiel mir damals auf, weil sie sich wie ein Yorkshire Terrier auf Extasy durchs Wasser wühlte. Als ich mir erstmals Gedanken über das Coachen von Schwimmern machte, entdeckte ich auf ihrem Facebook-Profil die bemerkenswerten Leistungen und Podestplätze im ersten Jahr ihrer Triathlon-Karriere. Als ich erfuhr, dass ihr Ehemann und die gemeinsamen vier Kinder für sie immer an erster Stelle vor dem Training stehen, wuchs mein Respekt ins Grenzenlose.