Ein bisschen Tri schadet nie – Teil I

Schwimmen kann Bruno Baumgartner. Doch wenn nach dem sportlichen Auftakt im Wasser auch noch Radfahren und Laufen dazukommen, kann ein Extremschwimmer schon mal in Schwierigkeiten geraten. Der Schweizer bloggt über seine ganz persönlichen Erlebnisse beim Triathlon in Spiez.

| 8. Juli 2014 | Aktuell

Bruno Baumgartner Triathlon1 | Bruno Baumgartner Triathlon1

Bruno Baumgartner Triathlon

Foto > Gérard Nguyen

Ein bisschen Tri schadet nie – Teil I

Liebe swim.de-Freunde,

wenn einer einen Wettkampf tut, dann kann er was erzählen. Dieses aus der Reisebranche abgekupferte Zitat birgt in seiner simplen Struktur sehr viel Wahrheit. Dass Schwimmer nicht nur schwimmen sollten und dass etwas Cross-Training immer gut tut, ist längst bekannt. Dies ist einer von vielen Gründen, warum es in diesem Blog auch nur zu 30 Prozent ums Schwimmen geht. Wer sich anderen Sportarten trotzdem gänzlich verschließen möchte, der wird an geeigneter Stelle eindringlich vor dem Weiterlesen gewarnt.

Impressionen der Wechselzone

Unsere Geschichte spielt an einem wettertechnisch eher durchwachsenen Samstagnachmittag in Spiez, einem beschaulichen Örtchen gleich am tiefblauen Thunersee. Mit leichtem Herzklopfen sauge ich die Impressionen der Wechselzone tief in mich ein. Athleten aus der ganzen Schweiz schrauben an ihren Rädern, platzieren ihre Laufschuhe, fixieren Startnummer an entsprechenden Bändchen und gehen in Gedanken die Abläufe beim Wechsel der Sportart durch. Was anfangs einfach erscheint, wird spätestens dann schwierig, wenn man hört, dass nicht wenige Athleten schon einmal mit ihrem Fahrradhelm auf die Laufstrecke gestartet sind.

Es ist ein wahrer Mikrokosmos an Betriebsamkeit und man ist geneigt zu glauben, dass die eine oder andere Vorbereitung nebst rituellem Charakter eher dazu dient, die langsam aufkeimende Anspannung zu kaschieren. Immer wieder werde ich von Leuten, die mich kennen auf das Schwimmen angesprochen und dass ich ja sicher als einer der Ersten aus dem Wasser steigen werde! Sie ahnen kaum, was sie damit für einen Druck auslösen, denn eigentlich wollte ich das Schwimmen eher etwas verhalten angehen.

Ganz vorn in der Mitte

Gut 20 Minuten vor dem Start erfolgt das Briefing in der Wechselzone und ich erfahre, was ich tun sollte, nicht tun darf oder auf jeden Fall lassen sollte, wenn ich nicht disqualifiziert werden möchte. Dank Neo-Pflicht drängen sich wenig später rund 300 Sportler auf engstem Raum im Hafen von Spiez und warten ungeduldig auf den Startschuss. Mit gesundem Optimismus reihe ich mich ganz vorn in der Mitte ein. Ich bin zwar nicht der schnellste Starter, aber nach 100 Metern harter Arbeit ist die Bahn meist frei und allfällige Differenzen mit überschäumenden Heißspornen sind geklärt.

Der Schuss klingt diesmal irgendwie anderer als sonst. Es ist fast als wolle er mich darauf hinweisen, dass er jetzt für drei und nicht nur für eine Disziplin gelte. Obwohl ich zügig losschwimme, scheinen die Mitbewerber wie zähes Baumharz an mir zu kleben. Nach einer gefühlten Ewigkeit zieht sich das Feld auseinander und nur zwei weitere Schwimmer halten das hohe Anfangstempo durch. Erst als wir den schmalen Korridor aus Booten verlassen haben, erkennt man die erste Boje, die viel weiter links platziert ist, als in den vergangenen Jahren.