Frank Wechsel / spomedis

Bilder 1/1
Open Water | 7. April 2011

Rein ins Gewässer Die Wasserqualität in Deutschland

Sonja Schleutker-Franke | Open-Water-Schwimmer halten was aus. Eingepackt in schwarze Anzüge steigen sie mitunter auch schon mal in Gewässer, aus denen sonst kein Hund sein Stöckchen herausholen würde. Wie ist es um die Wasserqualität in Deutschland bestellt?
Wer von den erfahrenen Schwimmern unter Ihnen kennt das nicht: Sie stehen kurz vor Ihrem nächsten Wettkampf, haben sich qerade in den Neoprenanzug gequält und aus dem Lautsprecher schallt es: „Noch eine Minuten bis zum Start!“ Spätestens jetzt wird es Zeit, sich in die Fluten zu stürzen. Doch ist der Sprung ins kühle Nass oft auch ein Sprung ins Ungewisse, wobei sich der eine oder andere denkt: Alleine würde ich hier nicht schwimmen... Ist der erste Athlet dann im Wasser, folgt schon bald die große Masse, bis schließlich alle nacheinander wie die Lemminge in dem großen Teich schwimmen.

Eine eigene Kategorie

Neben den Veranstaltungen, die in einem öffentlichem Schwimmbad oder einem Badesee mit kontrollierter Wasserqualität stattfinden, gibt es noch eine für uns interessante Gewässer-Kategorie. Es ist weder Freibad noch Badesee, sondern viel öfter ein Kanal mit Schiffsverkehr und Strömung, ein See oder auch mal Teich mitten in der City, ein Nebenarm von einem großen Fluss oder gleich eine Hauptwasserstraße. Dies alles sind Standpunkte, an denen nur für eine Veranstaltung und an einem bestimmten Tag das Gewässer für Schwimmer freigegeben ist.
Doch welche Gefahren verbergen sich in solchen Gewässern, in denen man häufig nicht mal seine eigene Hand beim Eintauchen sehen kann? Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, damit bei einer Veranstaltung das Schwimmen genehmigt wird?

Das Regelwerk

Seit etwa fünf Jahren ist in der Veranstalterordnung vorgeschrieben, dass Veranstalter eine Bescheinigung über das Erreichen der Qualitätsanforderungen an Badegewässer vorlegen müssen. Diese Qualitätsanforderungen sind durch die EU-Badegewässer-Richtlinien genau definiert. Seit ihrem Inkrafttreten im Dezember 1976 haben diese europäischen Richtlinien über die „Qualität der Badegewässer (76/116/EWG)“, seit 2006 ersetzt durch eine dem aktuellen Stand der wissenschaft angepassten Richtlinie, den deutschen Küsten- und Binnengewässern nur gute Dienste erwiesen. So belegen Berichte, dass sich die Qualität der Badegewässer sowohl europaweit als auch spe­ziell in Deutschland in den letzten Jahren stetig verbessert hat. Insgesamt erfüllen rund 97 Prozent der Küstengewässer Europas und 96,8 Prozent in Deutschland die in der Badegewässerrichtlinie vorgesehenen Anforderungen an die Qualitätsparameter. Noch eindrucksvoller ist die positive Entwicklung in den deutschen Binnengewässern. Bekamen noch vor 15 Jahren nur etwa die Hälfte das „Gütesiegel Badegewässer“, so sind es heute mehr als 90 Prozent.

Das Risiko für Veranstalter

Mit dem Antrag eines Veranstalters für die Austragung eines Wettkampfs sichert er dem Verband zu, die entsprechende Wasserqualität am Tag X zu gewährleisten. Grundsätzlich können Schwimmer bei einer genehmigten Veranstaltung aber davon ausgehen, dass sie keiner groben Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sind.
Große Vorsicht sollten Sie jedoch beim Training in nicht frei gegebenen offenen Gewässern walten lassen. Hier ist das persönliche Empfinden des Sportlers gefragt: Stehen Sie an einem heißen Sommertag an einem algenübersäten See mit Ölfilm oder treibendem Unrat und auch Ihre Nase sagt Ihnen „Bleib’ draußen!“, dann ziehen Sie Ihre Runden lieber im Freibad.

Termine finden

Swim Onlineshop