Die Eisprinzessin

Sie ist eigentlich Extremläuferin. Aber jetzt hat Steffi Praher aus dem schwäbischen Plüderhausen das Schwimmen im eiskalten Wasser als neue Passion entdeckt. Die 32-jährige Fitnesstrainerin ist als erste deutsche Frau überhaupt die Eismeile geschwommen.

| 24. Januar 2015 | Aktuell

Steffi Praher | Steffi Praher

Steffi Praher schwimmt die Eismeile.

Foto > Martin Tschepe

Die Eisprinzessin

Der Himmel über Schorndorf ist grau. Das Thermometer zeigt rund zwei Grad Lufttemperatur. Das Wasser im See des Oskar-Frech-Bads hat rund vier Grad. Optimale Bedingungen - für das Eisschwimmen jedenfalls.

Steffi Praher strahlt übers ganze Gesicht, so wie fast immer. Sagt aber: "Mir ist jetzt schon kalt", dann zieht sie die wärmenden Klamotten aus und steht mitten im Winter nur noch mit ihrem Badeanzug bekleidet am Beckenrand. Sie will die Eismeile schwimmen, genau 1.609 Meter im Wasser, das weniger als fünf Grad haben muss, so schreibt es das Reglement der International Ice Swimming Association (IISA) vor. Die Eismeile hat vor ihr noch keine deutsche Schwimmerin geschafft.

Nicht schnell, aber mental stark

Keine Frage, das Vorhaben ist für die Frau und Mutter von zwei Mädchen, die das Eisschwimmen erst seit ein paar Wochen trainiert, ein Wagnis. Steffi ist eigentlich Extremläuferin, mit einem schnöden Marathon gibt sie sich schon lange nicht mehr zufrieden. Sie rennt lieber 100, 200 oder 250 Kilometer - am Stück und ohne zu schlafen. Oder viele 100 Kilometer in einer Wochen. Steffi ist im besten Sinne verrückt, sportverrückt.

Kurz vor Steffis Start misst Oliver Halder die Temperatur des Wassers an mehreren Stellen im See: Das Display zeigt zwischen 2,8 und 4,1 Grad Celsius. Der Mann aus Winnenden veranstaltet und organisiert die verrücktesten Schwimmveranstaltungen. Erst kürzlich hat er maßgeblich mitgemischt bei den 1. Ice Swimming German Open in Burghausen, bei dem Wettkampf ist Steffi Praher erst mal auf Zeit im Eiswasser geschwommen. An diesem Tag am Ufer des Schorndorfer Sees ist Halder der offizielle Observer der IISA. Er passt ganz genau auf, dass die Regeln eingehalten werden.

Steffi steigt ins Wasser, ganz langsam. Eine Handvoll Freunde sind als Zuschauer und Daumendrücker gekommen, außerdem zwei Sanitäter und Sascha Schönwald, der in einem Neoprenanzug steckt und jederzeit sprungbereit ist - sicher ist sicher. Steffi legt los. Sie ist keine super schnelle Schwimmerin, aber eine Frau mit unglaublicher mentaler Stärke.