Der Star(nberger See)

Für viele ist er der Star unter den bayerischen Seen: der Starnberger See. Schwimmer kraulen hier vor grandioser Alpenkulisse. Unser Autor will 2016 ein paar der größten Seen in Deutschland queren. Nummer drei.

| 11. Juni 2016 | AKTUELL

Starnberger See | Martin Tschepe schwimmt durch den Starnberger See.

Martin Tschepe schwimmt durch den Starnberger See.

Foto >Martin Tschepe

Der Star(nberger See)

Die S-Bahn spuckt die Menschen direkt am Starnberger Seeufer aus. Rechts geht's in die Innenstadt, links zum Wasser. Am Schiffskai verkauft ein adrett mit einer schmucken Uniform gekleideter Mann Tickets für die Bootspassagen. Wo genau liegt das Örtchen Berg? Er deutet auf eine paar Häuser auf der anderen Seeseite. Die Aussage, dass ich jetzt gleich dort hin schwimmen wolle, quittiert er nicht etwa mit Worten wie diesen: Sind Sie wahnsinnig? Sie kommen den Ausflugsbooten in die Quere! Nein, er erklärt sinngemäß: Aha, interessant. Er werde den Kapitänen Bescheid geben, dass sie ein bisschen aufpassen. Erstaunlich. Und vielen Dank. Der Stranberger See ist ganz offenkundig ein gutes Revier für Schwimmer. Ganz besonders an Tagen wie diesem - mit blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein.

Also los. Nichts wie rein in den Neoprenanzug. Ein deutsch-französisches Ehepaar fragt: Was machen Sie denn? Und bekommen eine Antwort in Kurzvariante. Ich werde nach Berg rüber schwimmen - geschätzt drei Kilometer - und dann immer an der Ostküste des Sees entlang, möglichst bis nach Seeshaupt am Südende. Geschätzt mindestens 22 Kilometer, vielleicht auch ein paar mehr. Mit dem Projekt Seensucht verbringe ich einen Teil meines Sabbathalbjahres und sammele Spenden für ein Behinderten-Schwimmprojekt in Ludwigsburg.

Starnberger See | In Starnberg geht die Reise für Martin Tschepe los.

In Starnberg geht die Reise für Martin Tschepe los.

Foto >Martin Tschepe

Tiefes Wasser hat seine Tücken

Das Seewasser ist herrlich warm - jedenfalls für den, der im Neo steckt. Es hat vermutlich knapp 18 Grad. Und von oben wärmt die Sonne. Gleich zum Start ein anspruchsvolles Teilstück. Das Schwimmen über einen See ist immer so eine Sache. Tiefes Wasser beflügelt die Fantasie. Was mag wohl alles unter auf dem Seegrund liegen? Und man weiß nie hundertprozentig, ob alle Schiffskapitäne einen sehen - trotz des knall orangefarbenen Transportsacks im Schlepptau. Es empfiehlt sich Dreierzug-Schwimmen, also jeden dritten Armzug atmen. Links, rechts, links, rechts. Und alle paar Meter nach vorne und nach hinten schauen. Das ist ein bisschen mühsam. Ich komme trotzdem einigermaßen flott voran. Bald sind die Schiffe an der Anlegestelle Starnberg, die Häuser und der Kirchturm klein wie Spielzeug.

Erste Etappe erreicht: Berg. Jetzt immer nah am Ufer entlang kraulen. Vorbei an kleinen Häuschen, verwitterten Bootsschuppen und an prächtigen Villen. Wer hier lebt oder Urlaub macht, der hat Geld - oder wohlhabende Freunde oder eine schöne Erbschaft gemacht. Oder alles zusammen. Ein Grundstück direkt am Ufer kaufen? Das sei kaum möglich, wird mir später ein junger Mann während eines Stopps auf einem in Ufernähe verankerten Floß erzählen. Falls überhaupt mal eine Immobile angeboten werden sollte, was selten vorkomme, dann hätten der Staat und die Gemeinde ein Vorkaufsrecht. Es ist also selbst für Millionäre mitunter ein Lottospiel.