„Das Wasser und der Himmel hatten das gleiche Blau“

Als erste Frau der Welt und als zweiter Mensch überhaupt hat Anna-Carin Nordin die Ocean’s Seven bezwungen. Zur Vorbereitung auf die härteste Prüfung des Open-Water-Schwimmens setzte die Schwedin unter anderem auf Eisschwimmen und Boxen.

| 16. Juli 2013 | AKTUELL

ocean\'s seven_4 | Anna-Carin Nordin im Nordkanal - Ocean\'s Seven

Anna-Carin Nordin im Nordkanal - Ocean's Seven

Foto >Anna-Carin Nordin

„Das Wasser und der Himmel hatten das gleiche Blau“

Die Ocean’s Seven gelten unter Freiwasserschwimmern als die ultimative Herausforderung. Die Bewältigung der sieben bedeutendsten Open-Water-Strecken gelten als maritimes Pendant zu den Seven Summits – der Besteigung der höchsten Erhebungen der sieben Kontinente. Die Herausforderung besteht nicht nur allein wegen der imposanten Streckenlängen, sondern auch wegen der unberechenbaren Wetterbedingungen. Starke Strömungen, kaltes Wasser, hohe Wellen, Quallen oder Haie stellen die Sportler vor große Herausforderungen – alles ohne Neoprenanzug, Haikäfigen oder Aufenthalten auf dem Begleitboot.

Start im Ärmelkanal

2010 schwamm Anna-Carin Nordin den Ärmelkanal, quasi den Mount Everest des Freiwasserschwimmens - nicht unbedingt die schwerste Herausforderung aber die prominenteste. 34 Kilometer beträgt die Distanz zwischen England und Frankreich und der Kanal ist geprägt von starker Strömung und kaltem Wasser. „Ich bin den Kanal alleine geschwommen, nur mein Vater war als Begleitung mit dabei. Wir hatten tolles Wetter und verhältnismäßig warmes Wasser. Das Wasser war wie ein Spiegel“, erzählt Nordin. Über ein Jahr lang trainierte die Schwedin für diese Herausforderung. Doch nicht nur ihren Körper führte sie Schritt für Schritt an die extremen Belastungen heran. Auch ihren Geist trainierte Nordin. Eisschwimmen oder Boxen, standen hierfür auf dem Programm. „Ich konnte mit dem Tyresö SS Sweden-Team trainieren, das waren gute Bedingungen.“ Das Training zahlte sich aus. In zwölf Stunden schaffte sie die Durchquerung des Ärmelkanals.

Anna-Carin Nordin | Vom Begleitboot aus geht es in aller Frühe hinein ins Wasser.

Vom Begleitboot aus geht es in aller Frühe hinein ins Wasser.

Foto >Anna-Carin Nordin

Magisches Molokai

Im Oktober 2011 ging es für die Extremschwimmerin in den Pazifik. Der Molokai Channel zwischen den Hawaii-Inseln Molokai und Oahu ist mit 42 Kilometern die längste Strecke der Seven Ocean’s. Und es war auch für Nordin die längste Schwimmdistanz, die sie je hinter sich brachte. Über 18 Stunden hielt sie sich bei harten Bedingungen im Wasser auf. „26 Grad im Wasser, sechs bis acht Meter hohe Wellen, Windgeschwindigkeiten von 15 bis 20 Metern pro Sekunde und viele Quallen.“ Trotzdem sei es die schönste Durchquerung gewesen, sagt Nordin. "Das Wasser und der Himmel hatten das gleiche Blau.“ In der Zukunft könne sie sich sogar vorstellen, einmal alle Hawaii-Inseln schwimmend zu besuchen.

Unbeirrt durch die Straße von Gibraltar

Der Tag der Arbeit, am 1. Mai 2012 wurde für die Schwedin tatsächlich zu einem Arbeitstag – sie hatte sich nämlich die Straße von Gibraltar vorgenommen. Zwar war das Mittelmeer zwischen Spanien und Marokko 15 Grad kalt, doch vor größere Probleme stellten die 14 Kilometer Nordin nicht.

Hai in Sicht

Nur zwei Monat später ging es wieder in die USA. Der Catalina Channel (Meerenge zwischen Santa Catalina Island und Los Angeles) folgte als Nummer vier auf der Ocean’s-Seven-Liste. „Das war ein harter Tag. Wir sind am Abend zur Catalina-Insel gefahren. Um 23 Uhr habe ich mit der Durchquerung begonnen. Nach 12 Stunden ist mein Kajak-Fahrer dann plötzlich zu mir gepaddelt, weil er einen Hai gesehen hat. Ich sagte nur ‚du bringst mich ans Ufer!‘, weil ich so kurz vor dem Ziel war. Ich hatte noch höchstens 1,5 Stunden zu schwimmen. Und so haben wir es dann auch gemacht.“ Nach 12 Stunden und 40 Minuten erreichte sie nach 34 Kilometern die Küste vor Los Angeles.