"Das kalte Wasser macht uns Sorgen"

Der Countdown läuft: In wenigen Tagen startet Bruno Dobelmann mit der Bodenseelängsquerung seinen Weltrekordversuch. swim hat mit Organisator Oliver Halder über die letzten Vorbereitungen gesprochen.

| 18. Mai 2012 | Aktuell

Bodenseequerung Kältetest | Bodenseequerung Kältetest

Bruno Dobelmann und Oliver Halder

Foto > www.wow-art.de / Carina Halder

Herr Halder, so kurz vor dem Start des Weltrekordversuchs – gibt es noch Probleme, die bis zum Start gelöst werden müssen?
Nein, eigentlich sollte nichts mehr schief gehen. Zwei Dinge bereiten uns allerdings Sorgen. Zum einen ist es die sehr kalte Wassertemperatur, die im Vergleich zu Vorjahren um bis zu sechs Grad abweicht und zum anderen ist es eine internationale Segelregatta, die am Pfingstwochenende auf dem Bodensee stattfindet. Ob sich das bereits am Wochenanfang, an dem das Schwimmen geplant ist, auswirkt, können wir nicht absehen. Sollten sich jedoch schon sehr viele Segler dort im Training befinden, hoffen wir, dass diese genügend Abstand halten und Rücksicht nehmen. Denn vom Schifffahrtsrecht her haben Segelboote im Vergleich zum motorisierten Begleitboot von Bruno leider Vorfahrt. Bei unserer langsamen Geschwindigkeit von etwa 2,5 km/h sollte das jedoch kein größeres Problem darstellen.

Oliver Halder | Oliver Halder

Oliver Halder veranstaltet die Bodenseequerung.

Foto > www.wow-art.de / Carina Halder

Der Bodensee grenzt an zwei Bundesländer und drei Staaten – muss man eine offizielle Erlaubnis einholen, um dort schwimmen zu dürfen?
Grundsätzlich darf, laut Information verschiedener Behörden, im Bodensee überall, außer in den Naturschutzbereichen, geschwommen werden. Weder Uhrzeit, noch Strecke sind hierbei gesetzlich erfasst. Das gilt für alle angrenzenden Gebiete, die für die Bodenseequerung relevant sind. Selbstverständlich haben wir die angrenzenden Ämter und auch die Fährbetriebe über das Projekt informiert.

Wenn alles gut läuft, wird Bruno Dobelmann rund 24 Stunden für die 64 Kilometer lange Strecke benötigen. Wie gewähren Sie seine Sicherheit in der Nacht?
Wenn die Dämmerung einsetzt, bekommt Bruno Knicklichter auf den Rücken (an der Badehose befestigt) und am Hinterkopf (am Brillengummi befestigt). Jeder Teilnehmer der Bodenseequerung erhält eine Bodenseequerung-Schwimmkappe. Diese ist aus weißem Material mit rotem Aufdruck und in der Dunkelheit gut zu sehen. Am Begleitboot werden ebenfalls Knicklichter an der Reling und an Schnüren am Boot entlang angebracht, an denen sich Bruno orientieren kann. Zudem verfügt das Team über Suchscheinwerfer, mit denen beispielsweise bei der halbstündigen Nahrungsaufnahme alles ausgeleuchtet werden kann. Das Schwimmen bei Nacht erfordert vom Team eine ununterbrochene Beobachtung von Bruno und erhöhte Aufmerksamkeit.

Logistisch ist das Unternehmen sicherlich eine große Herausforderung. An was muss man denken?
Besonders viel Arbeit steckt anfangs im Aufbau der Veranstaltung: Wir mussten zum Beispiel Start- und Landungspunkte recherchieren, die Ämter informieren, mit Sicherheitskräften und potenziellen Begleitern sprechen. Dann müssen natürlich das Begleitboot und die Crew für das geplante Zeitfenster verfügbar sein. Weiter muss die Unterkunft der Crew vor Ort am Start- oder Landungspunkt organisiert sein und die Crew muss zum Start und vom Landungspunkt weg transportiert werden. Wir müssen die Ausrüstung und den Proviant besorgen, die Fahrpläne der Fähren recherchieren, die Wettervorhersagen und die Wassertemperatur im Blick haben, die Kommunikation und Datenverbindungen vom Boot aus checken, genauso wie den Handyempfang. Darüber hinaus muss es einen Vorabcheck nach Treibholzfeldern geben.

Sie sind nicht nur Veranstalter der Bodenseelängsquerung, sondern auch Bruno Dobelmanns Manager. Welche Aufgaben kommen noch hinzu?
Ich konzentriere mich beim Orca auf die PR. Mein Geschäftspartner Björn Aicher und ich erstellen und betreuen die Homepage und Facebook-Seite, ich organisiere Termine für Interviews, begleite Bruno auf Testschwimmen und beim Training und stehe ihm natürlich auch mit Rat und Tat bei allen anderen Fragen zur Seite. Den Großteil des Schwimmens organisiert Bruno jedoch selbst und mit Hilfe vieler weiterer Personen.

Wer gehört alles zum Team und welche Aufgaben haben diese Personen?
Das Team besteht im Fall von Bruno aus insgesamt zehn Personen, sowie mehreren Helfern. Das wichtigste Mitglied für Bruno ist Irene Rösler, seine Lebensgefährtin. Sie teilt sich mit Brunos persönlichem Betreuer, Christian Binner, den Bereich der Dokumentation (Armzüge, Wohlbefinden usw.) und Versorgung. D.h. die beiden sind dafür verantwortlich, dass Bruno der Sprit nicht ausgeht. Carsten Hilker und Andreas Kleesiek sind Rettungsschwimmer der DLRG und auf das Team bestens eingestellt. Eine weitere wichtige Person an Bord ist Matthias Müller von der Wasserwacht Lindau. Er koordiniert die Sicherheit und steuert das Begleitboot. Dr. Beat Knechtle, der Bruno von der gesundheitlichen Seite her unterstützt und eine Studie über den menschlichen Körper in Zusammenhang mit kaltem Wasser erstellt, ist ebenfalls mit auf dem Begleitboot. Zwei Kamera-Profis, Mario Raster und Tobias Giessen, begleiten das Projekt und machen Bilder und Filmaufnahmen. Zu guter Letzt noch meine Frau Carina und ich. Sie kümmert sich an Land um die Logistik und hält Kontakt zur Bootscrew. Ich halte die begeisterten Mitfieberer über Facebook auf dem Laufenden und schieße Fotos, die möglichst zeitnah online zu sehen sind.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Veranstalter der Bodenseequerung zu werden?
Die besten Ideen werden aus der Not geboren. Bei der Recherche für Brunos Bodenseequerung haben wir nichts gefunden, worauf das Projekt hätte Bezug nehmen können, oder Erfahrungswerte, auf die wir hätten zurückgreifen können. Es gab keine Vergleiche oder Ansprechpartner. Deshalb entstand die Idee, wenn man ohnehin ein solches Projekt organisiert, dies auch anderen begeisterten Langstrecken- und Extremschwimmern verfügbar zu machen. Wir bieten die Längs-, Breiten- und Dreiländerquerung an.