Coole Wettkämpfe im Wöhrsee

Zwei neue Weltrekorde über 1.000 Meter, ein entthronter Rekordhalter und rund 180 schwimmverrückte Sportler aus aller Welt bei den Ice Swimming German Open: Burghausen ist das deutsche Mekka der knüppelharten Eisschwimmer.

| 10. Januar 2016

Ice Swimming German Open

Impressionen von den Ice Swimming German Open 2016 in Burghausen.

Foto > Martin Tschepe

Coole Wettkämpfe im Wöhrsee

Der erste Rekord fällt lange vor dem ersten Startschuss. Bei den 2. Aqua Sphere Ice Swimming German Open im bayerischen Burghausen am zweiten Januarwochenende sind rund 180 Sportler aus 17 Nationen am Start, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Eisschwimmen und Burghausen, das ist untrennbar mit dem Namen eines deutschen Ausnahmesportlers verbunden: Christof Wandratsch. Ohne den 49-jährigen Pädagogen, ohne diesen Wandi, wäre die knüppelharte Sportart in Deutschland niemals so schnell so populär geworden. Allein über die 1.000 Meter, die Königsdisziplin, schwimmen fast 50 Männer und Frauen mit. Die Zuschauerränge rund um das 25-Meter-Becken im Wöhrsee sind immer gut gefüllt. Und wer keine Zeit hat nach Burghausen zu fahren, der kann alle Wettbewerbe via Webcam live im Internet verfolgen. Eine ziemlich professionelle Veranstaltung haben die vielen Ehrenamtlichen am Rande der Republik da auf die Beine gestellt.

Ice Swimming German Open

180 Athleten wollten bei den zweiten German Open im Eisschwimmen starten.

Foto > Martin Tschepe

4 Grad Wassertemperatur

Am Start sind fast alle der weltbesten Eisschwimmer sowie der ein oder andere Becken- und Freiwasserspezialist - und sie alle haben ein großes Ziel: Sie wollen diesen Wandi schlagen. Was später über die beiden Paradestecken von Wandratsch, die 500 und die 1.000 Meter, einmal gelingen wird. Über die Langdistanz demonstriert der Bulgare Petar Stoychev, dass er derzeit der Beste ist. Er unterbietet Wandis alten 1.000-Meter-Weltrekord um mehr als eine halbe Minute, schwimmt schier unglaubliche 12:28 Minuten. Über die 500 Meter indes bleibt Christof Wandratsch ungeschlagen, gewinnt in 6:14 Minuten mit riesigem Vorsprung vor der Konkurrenz.

Ice Swimming German Open

Im Mitelpunkt des Interesses: Christof Wandratsch.

Foto > Martin Tschepe

Mindestens so wichtig wie die Stars der Szene sind für die Meisterschaften die Freizeitschwimmer und die Novizen, die sich zum aller ersten Mal bei einem Wettkampf in das eiskalte Wasser wagen, zum Beispiel Reiner Koch aus Asperg bei Stuttgart. Koch ist Jahrgang 1966 - wie Christof Wandratsch. Der Mann aus Schwaben ist von seinen Vereinskumpels überredet worden, in der Staffel mit zu kraulen. Reiner Koch muss "nur" 25 Meter Freistil absolvieren - wie alle anderen allerdings bei knapp vier Grad Wassertemperatur - und er sagt vor dem Start: "Ich hab echt ein bisschen Schiss."

Sicherheit geht vor

Freitagabend, Einmarsch der Nationen. Die Fahnen flattern im Wind. Es wird langsam dunkel. Über dem See thront die längste Burg der Welt, imposant beleuchtet. Eine grandiose Kulisse für die coolen Wettkämpfe im Wöhrsee. Christof Wandratsch, der bei den Meisterschaften für fast alles mitverantwortlich zu sein scheint, erklärt den Neulingen, dass sie sich keinesfalls selbst überfordern sollten. Wer die 500 Meter schwimme, aber nach 300 Meter fühle, dass die Kälte zu sehr an den Kräften zehrt, der solle bitte unbedingt raussteigen aus dem See. Für den Fall der Fälle stehen aber immer einsatzbereite Taucher in voller Montur am Beckenrand. Sicherheit geht vor in Burghausen. Immer.